EKD-Ratsvorsitzender zum Tag der Menschenrechte: Moderne Sklaverei wirksam bekämpfen

Nachricht 09. Dezember 2002

Zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, dazu aufgerufen, moderne Formen der Sklaverei wirksamer zu bekämpfen. Dazu gehörten die konsequente Umsetzung der einschlägigen internationalen Abkommen ebenso wie Armutsbekämpfung und Aufklärung über Menschenhandel.

Die gesetzliche Abschaffung der Sklaverei sei eine der großen Errungenschaften der Menschenrechtsgeschichte, so Kock. Jedoch bestehe Sklaverei bis heute "in erschreckendem Ausmaß" fort.

Einer arbeitslosen Frau aus Osteuropa wird eine gut bezahlte Stelle in einem Restaurant in Deutschland angeboten. Voller Hoffnung leiht sie sich das nötige Reisegeld und macht sich auf in das fremde Land. Doch
hier angekommen, wird ihr der Pass abgenommen, sie wird misshandelt und zur Prostitution gezwungen. Die junge Frau spricht kein Deutsch, traut sich aus Angst vor Haft und Abschiebung nicht zur Polizei. "Das
ist menschenverachtende Ausbeutung", sagt Kock. Menschenhandel, Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft, bei der Menschen genötigt werden, ohne oder gegen sehr geringen Lohn zu arbeiten, stünden der Willkür
und den Grausamkeiten der Sklaverei früherer Jahrhunderte in nichts nach.

Hauptursachen der modernen Sklaverei liegen im verbrecherischen Egoismus von Einzelnen und von Banden, sowie in Armut und Diskriminierung. "Die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge werden selten
als Opfer gesehen", ergänzt Corinna Schellenberg,
Menschenrechtsreferentin im EKD-Kirchenamt. Es sei wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen, dass "wir diesen Opfern sklavereiähnlicher Praktiken unsere Hilfe und Unterstützung nicht verweigern dürfen".

Vom diesjährigen Tag der Menschenrechte erhofft sich der Ratsvorsitzende eine "größere Öffentlichkeit und Unterstützung für die Organisationen, die sich für die Bekämpfung moderner Sklaverei einsetzen". Die EKD biete den Kirchengemeinden Materialien und Praxishilfen für ihre Arbeit an.

Nach Schätzungen der Organisation Anti-Slavery International leben weltweit rund 27 Millionen Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen.
20 Millionen Menschen leben in Schuldknechtschaft, so das Ergebnis einer UN-Arbeitsgruppe aus dem Jahr 1999. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geht von rund 500.000 zwangsprostituierten Frauen in Westeuropa aus.