Bischöfin Käßmann weist "Findelkinder"-Vorwurf zurück

Nachricht 21. November 2002

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat am Mittwoch den Vorwurf, Babies würden durch anonyme Geburten und Babykörbchen zu "Findelkindern gemacht", zurückgewiesen. Die hannoversche Universitäts-Professorin Christine Swientek und weitere Unterzeichner hatten in einem Aufruf vom Staat ein sofortiges Verbot von Babykörbchen und anonymer Geburt gefordert.

In dem Aufruf heißt es, man habe in diesem Herbst 32 Krankenhäuser, die offiziell anonyme Geburten anböten, und 44 Betreiber von Babykörbchen nach der Anzahl der entgegengenommenen Kinder befragt. Demnach seinen "mindestens 90 Kinder zu Findelkindern gemacht" worden. Um diese Entwicklung zu stoppen, den Kindern ihre Identität zu erhalten und den Müttern ihre Verantwortung für die Kinder zuzugestehen, müsse der Staat sowohl die anonymen Geburten als auch die Babykörbchen verbieten.

Käßmann sagte dagegen auf epd-Anfrage, viele Kinder seien so wahrscheinlich vor Aussetzungen geschützt worden. Dadurch habe man ihr Leben gerettet. Die Anonymität des Babykörbchens mache Versuche, Aussetzungen statistisch zu erfassen, unmöglich. Für extreme Notfälle seien Babykörbchen und die Möglichkeit der anonymen Geburt notwendig.

Frauen, die sich zu einem solchen Schritt entschlössen, seien keine unverantwortlichen Wesen, sondern Menschen in Not, sagte die evangelische Theologin. Ihnen müsse man genauso beistehen wie den Kindern. Ein Verbot triebe noch mehr Mütter zur Verzweiflung. Käßmann betonte, dass es für die Kindern natürlich eine Belastung sei, ihre leiblichen Eltern nicht zu kennen. Dennoch könnten sie durch die Hilfsangebote einen Weg in die Geborgenheit finden.

In Hannover gebe es nicht nur ein Babykörbchen, sondern ein ganzes Hilfsnetzwerk von Kirche und Diakonie für Frauen im Schwangerschaftskonflikt, sagte die Bischöfin weiter. Damit habe man bereits 19 Frauen vor, während und nach der Geburt helfen können: "Alle gaben ihre Anonymität gegenüber dem Diakonischen Werk auf. Gerade so werden Aussetzungen vermieden", sagte Käßmann.

Der Aufruf einer interdisziplinären Arbeitsgruppe wurde mit unterzeichnet von der Hamburger Psychologin Regula Bott, der Bonner Medizin-Professorin Anke Rohde sowie Bernd Wacker von terre des hommes aus Osnabrück. (epd Niedersachsen-Bremen/b2682/20.11.02)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
E-Mail: epd@lvh.de