Bischöfin Käßmann für Bestattungszwang auf Friedhöfen

Nachricht 18. November 2002

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat sich für den Bestattungszwang auf Friedhöfen ausgesprochen. "Wenn wir die Friedhöfe abschaffen, wenn wir keine Orte des Gedenkens mehr haben und eine Dauerparty veranstalten, geht uns ganz schnell der Sinn des Lebens verloren", sagte Käßmann am Sonntag bei einer Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Hannover.

Der biblische Monatsspruch für November "Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein" sei eine ungeheuerliche Hoffnung in einer Welt, die einerseits den Tod ignoriere und ihn andererseits zulasse, sagte Käßmann weiter. Als Beispiele nannte sie unter anderem den Irak und Afghanistan, Russland und Tschetschenien, Israel und Palästina: "Wir ignorieren den Tod, wir sehen weg und gucken lieber Stefan Raab und blödeln herum."

Die Bischöfin wies darauf hin, dass in den vergangenen zehn Jahren zwei Millionen Kinder in Kriegen getötet worden seien. Viele würden dazu gezwungen zu kämpfen und hätten nie gelernt zu spielen. Die Kinder der Kriege seien so Kämpfer und Opfer zur gleichen Zeit. Davon profitiere die Ökonomie, kritisierte Käßmann. Die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und Großbritannien führten die "traurige Hitliste der Waffenexporteure" an.

Es sei wichtig, die Sehnsucht nach einer Welt ohne Waffen und ohne Krieg aufrechtzuerhalten. Deshalb gebe sie dem amerikanischen Präsidenten George Bush Recht, wenn er fordere, dass der Irak abrüsten müsse. Doch sie wolle diesen Satz erweitern: "Die ganze Welt muss abrüsten", forderte die evangelische Theologin. Dafür müsse sich jeder Einzelne engagieren und im Alltag kleine Schritte des Friedens gehen. (epd Niedersachsen-Bremen/ b2602/ 15.11.02)
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