Landesbischöfin Käßmann findet “Bild”-Plakate “widerlich”

Nachricht 13. November 2002

Kirchenfrauen verurteilen “Neue Geschichten aus dem Bettkästchen”: “Übelster Sexismus”
H a n n o v e r / M a n n h e i m / W e t z l a r (idea) - Als “übelsten Sexismus” und einen “Angriff auf die Menschenwürde” verurteilen führende Frauen der EKD die jüngste Plakatkampagne der Bild-Zeitung. Mit großformatigen Darstellungen halbnackter Frauen in anzüglichen Stellungen wirbt das Massenblatt für die Serie “Neue Geschichten aus dem Bettkästchen”.

“Widerlich” findet die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann die Plakate. Sie degradierten Frauen zur Ware, die Männer jederzeit nehmen oder kaufen können, sagte die 44jährige Mutter von vier Töchtern gegenüber idea. Sie habe nichts gegen Erotik. Die Bild-Zeitung müsse aber einsehen, daß es einen Zusammenhang zwischen der Bedienung billiger Männerphantasien und Sexualstraftaten gebe, über die das Blatt ebenfalls berichte.

Auch die Präsidentin der badischen Landessynode, Rechtsanwältin Margot Fleckenstein (Mannheim), äußerte sich entsetzt. Die “geschmacklosen Plakate” dokumentierten “übelsten Sexismus”, der “schmutzige Phantasien” anrege. Die Juristin, die dem Rat der EKD angehört, begrüßt es, daß Frauenbeauftragte und Politikerinnen gegen diesen “Angriff auf die Menschenwürde” protestieren, der auch die Kirchen zu raschem und unüberhörbarem Handeln herausfordere. Kirchliche Spitzenpositionen seien häufig mit Männern besetzt, die auf sexistische Werbung meist weniger sensibel reagierten als Frauen.

Die Frauenreferentin der EKD, Oberkirchenrätin Kristin Bergmann (Hannover), rief zu Beschwerden beim Deutschen Werberat in Bonn auf. Man dürfe nicht hinnehmen, daß Frauen zu Sexualobjekten herabgewürdigt würden.

Kritik auch am Werberat: Keine Rüge für “grob sexistischen Fotos”
Der Sprecher des Werberates, Volker Nickel (Bonn), bestätigte, daß das freiwillige Kontrollorgan der Werbewirtschaft so viele Beschwerden erhalten habe wie schon lange nicht mehr. Dennoch werde es keine Rüge erteilen, da die Werbung für redaktionelle Inhalte größere Freiheiten hätten als Hersteller von Waschmitteln oder Zahnpasta. Diese Unterscheidung wies der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake (Wetzlar), gegenüber idea zurück. Kritik an “grob sexistischen Fotos” sei keine Einschränkung der Pressefreiheit. Um dies zu beurteilen, gebe es den Deutschen Presserat. Der Werberat habe sich vom öffentlichen Empfinden so weit entfernt, daß er kritische Stimmen anscheinend nicht mehr ernstnehme. Offensichtlich gelte auch hier das Sprichwort: “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.”

Der Axel-Springer-Verlag, der die Bild-Zeitung herausgibt, verteidigte die Kampagne. Sie zeige “selbstbewußte Frauen, die mutig und offen über sehr private Dinge sprechen”. Die Plakate würden ohnehin in wenigen Tagen abgehängt. In Baden-Württemberg hatten einige Städte nach Protesten von Bürgern und Frauenbeauftragen die Plakate beseitigt. (134/2002/2)
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