Henning Scherf für Anerkennung des Kirchenasyls

Nachricht 14. Oktober 2002

Hannover (epd). Der Bremer Bürgermeister Henning Scherf hat sich für eine Anerkennung des Kirchenasyls ausgesprochen. Das Kirchenasyl müsse öffentlich respektiert werden, forderte Scherf am Sonntag in Hannover. Die Regierung sollte dankbar sein, dass es Menschen gebe, die sich um die Flüchtlinge kümmerten, sagte der SPD-Politiker anlässlich des 100-jährigen Bestehens des evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes Hannover. Zu der ganztägigen Feier waren rund 10.000 Besucher aus der Stadt und der Region gekommen.

Scherf sagte in seinem Festvortrag "Kirche in der Großstadt", die Kirche müsse für Minderheiten offen sein und ihnen Räume geben. Diejenigen, die nicht wüssten, wo sie hingehörten, müssten in der Kirche einen Platz finden, betonte Scherf, der als Bürgermeister auch Senator für kirchliche Angelegenheiten ist.

"Bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen der rot-grünen Bundesregierung in Berlin wird niemand auf eine Goldader stoßen", sagte der Politiker. Es werde eine Sparpolitik geben, die viele Frauen und Männer hart treffen werde. Die Alten, Schwachen oder Behinderten dürften jedoch nicht auf sich selbst gestellt bleiben, weil das Geld knapp sei. Soziale Notlagen müssten in den Mittelpunkt rücken: "Sie dürfen weder verdrängt noch weggeschoben werden", forderte er.

Not, Verzweiflung oder Depressionen könne man nur gemeinsam überwinden, sagte Scherf weiter. Dazu müsse man aufbrechen, sein Haus verlassen und sich mit Menschen mit gleicher Absicht zusammentun. Dies geschehe zum Beispiel in den Kirchengemeinden. Bevor es eine öffentliche Aufgabe geworden sei, hätten die Kirchen in den Städten über Jahrhunderte dafür gesorgt, dass die Menschen sich nicht allein überlassen blieben.

Der hannoversche Stadtkirchenverband wurde am 15. Oktober 1902 mit 15 Gemeinden gegründet. Inzwischen umfasst er 72 Kirchengemeinden mit mehr als 230.000 Menschen. (epd Niedersachsen-Bremen/b2316/13.10.02)
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