Kirchen starten Kinder-Kampagne gegen Fernseh-Gewalt

Nachricht 18. September 2002

Hannover (epd). Mit einer Medienkampagne in Kindergärten wollen die evangelischen Kirchen in Niedersachsen der zunehmenden Gewalt im Fernsehen begegnen. "Die Kinder sollen lernen, Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden", sagte Oberlandeskirchenrat Jörg-Holger Behrens am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt für privaten Runkfunk (NLM) trägt mit 14.000 Euro die Hälfte der im ersten Jahr anfallenden Kosten.

Nach Angaben der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen sitzen Drei- bis Fünfjährige heute im Schnitt 96 Minuten täglich vor dem Fernseher. Vor allem in den Nachrichten, aber auch in Krimis im Abendprogramm seien sie Gewaltszenen ausgesetzt, sagte Behrens als Geschäftsführer der Konföderation. Zudem liefen vor allem auf Privatsendern tagsüber schon Vorschauen auf Action-Filme am Abend, ergänzte Petra Neddermeyer von der Planungsgruppe der Kampagne.

"Je näher das Geschehen an der eigenen Realität ist, desto gefährlicher ist es für die Kinder", sagte Reinhold Albert, Direktor der NLM. Die Kampagne "Fernsehen macht Spaß - aber ohne Gewalt" wolle erreichen, dass fiktive Fernseh-Gewalt nicht als Verhaltensmuster "eins zu eins in die Wirklichkeit übertragen" wird. Rund 90 Erzieherinnen aus 55 Kindergärten wurden dafür bisher geschult. Sie sollen die "Medienspuren" im Verhalten der Kinder erkennen und mit ihnen etwa Rollenspiele dazu machen.

Kinder können Neddermeyer zufolge auch Bilderbücher über "Meine Fernsehhelden" erstellen, eigene Video-Filme drehen oder Hörspiele entwicken. Auf Elternabenden werden Väter und Mütter für das Thema sensibilisiert.

Nach Angaben der Konföderation senden die deutschen Fernsehkanäle zusammen täglich 60 Morde. Pro Woche werden im Schnitt 2.745 Gewalttaten ausgestrahlt. Die Anti-Gewalt-Kampagne ist auf mehrere Jahre angelegt. Mit rund 800 Kindertagesstätten und etwa 64.000 Plätzen ist die evangelische Kirche der größte Kindergarten-Träger in Niedersachsen. (epd Niedersachsen-Bremen/b2132/17.09.02)
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