Jüdisches Bethaus wird zum Zentrum der Begegnung

Nachricht 30. Juni 2002

Freren/Kreis Emsland (epd). Das älteste noch erhaltene jüdische Bethaus im Emsland in Freren soll saniert und zu einem bundesweit einmaligen Zentrum der Begegnung aller Religionen ausgebaut werden. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Osnabrück, Michael Grünberg, und der Rabbiner der Gemeinde, Marc Stern, übergaben das Gebäude am Mittwoch dem "Forum Juden - Christen".

"Dort wo jüdisches Leben in der Reichspogromnacht 1938 ein schreckliches Ende fand, wollen wir künftig an diese Gräueltaten erinnern, aber auch an das jüdische Leben anknüpfen", sagte der Vorsitzende des Forums, Reinhold Hoffmann. Die jüdischen Beträume sollten für regelmäßige religiöse Feiern wiederhergestellt werden.

"Darüber hinaus soll das Bethaus zu einem Haus der Toleranz und des Dialogs aller Religionen und Kulturen werden", sagte Hoffmann. "Begegnung, Besinnung und Bildung" sollten die Schwerpunkte der Arbeit sein. Das seit 1983 bestehende "Forum Juden - Christen" wolle allerdings nicht in Konkurrenz zu bestehenden Bildungseinrichtungen der Region treten, sondern mit ihnen zusammenarbeiten, betonte der Vorsitzende.

Für die Umsetzung dieses Konzeptes würden mehr als 255.000 Euro benötigt, die aus Spenden und Zuschüssen unter anderem von der Europäischen Union aufgebracht werden müssten. Die Bürger seien bereits mit einer Spendenaktion "Ihr Stein für den Erhalt des Frerener Bethauses" um Mithilfe gebeten worden, sagte Hoffmann.

Aus der Bevölkerung sei über wiegend Zustimmung für das Projekt signalisiert worden. Auch die wenigen Skeptiker hoffe er durch eine "sensible Vorgehensweise" von der positiven Wirkung eines Zentrums der Begegnung überzeugen zu können, so der Vorsitzende.

Die Jüdische Gemeinde Osnabrück hatte nach eigenen Angaben das Haus von einer Erbengemeinschaft erworben, um es dem Forum zur Verfügung zu stellen. Während der Reichspogromnacht im November 1938 seien die seit 1855 bestehenden Beträume demoliert, das Mobiliar und die jüdischen Kultgegenstände auf der Straße verbrannt worden.

Die Bewohner seien nach Riga deportiert worden, hätten das Dritte Reich jedoch überlebt und das Haus im Rahmen der "Wiedergutmachung" zurückbekommen. Es sei dann jedoch verkauft worden und nach dem Tod der letzten Bewohnerin an die Erbengemeinschaft übergegangen. (epd Niedersachsen-Bremen/b1623/17.07.02)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
E-Mail: epd@lvh.de