Kirchengemeinde trifft sich künftig im Eisenbahnwaggon

Nachricht 26. Juni 2002

Aus "Büroleiterzug" wird in Ostfriesland ein Begegnungszentrum

Von Jörg Werner (epd)

Ostrhauderfehn /Kr. Leer (epd). Langsam heben die beiden Schwerlastkräne den 35 Tonnen schweren und 22 Meter langen Eisenbahnwaggon von einem Tieflader, um ihn dann Millimeter genau auf sein neues Gleisbett zu setzten. "Passt!", sagt Pastor Wilhelm Helmers und reckt den Daumen in die Höhe. Das künftige Begegnungszentrum "Jim Knopf" der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde im ostfriesischen Ostrhauderfehn hat seine neue Heimat gefunden.

Zuvor hatte der ehemalige "Büroleiterwaggon" eines Bauzuges der Deutschen Bahn eine neunstündige Fahrt auf der Straße von Berneburg bei Dessau in den Landkreis Leer hinter sich gebracht. 4.000 Euro hatte allein dieser Teil der Reise gekostet. Der Transport auf der Schiene wäre zunächst vielleicht billiger gewesen, sagt Helmers. Doch es führen keine Schienen nach Rhauderfehn, so dass die Kosten für das mehrfache Umsetzen des Waggons die Ersparnisse wieder aufgefressen hätten.

"Jim Knopf" soll ein "niedrigschwelliges Angebot" für alle Altersgruppen in der Gemeinde werden, sagt Helmers. Ein Internetzugang, ein Bistro und eine Schmöckerecke sind geplant. Schon lange hat die Gemeinde nach Räumen für eine erweiterte Gemeindearbeit gesucht. Schließlich seien die beiden Pastoren der Gemeinde, Helmers und Jens Pröve, auf die Idee mit dem Eisenbahnwaggon gekommen. Eigentlich naheliegend, schließlich sind beide Pastoren nach Feierabend bekennende Modelleisenbahner.

"Nun kommt die nächste Etappe", sagt Helmers. Erstmal soll ein "Bahnhof" mit Hallendach und Sanitärgebäude entstehen. Anschließend wird der Waggon von innen ausgebaut. Dabei ist man auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen, doch darum macht er sich keine Sorgen. "Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie sich die Bevölkerung engagiert." Erst vor wenigen Tagen hatte die benachbarte Schule ein Fest gefeiert und den vollständigen Erlös gespendet.

Das ganze Projekt kostet rund 150.000 Euro, vom dem die Kirchengemeinde die eine Hälfte schon zusammengebracht hat. So wurden ideelle Aktien verkauft und Bundesligavereine spendeten Trikots und Fußbälle für eine Versteigerung. Die zweite Hälfte der Summe erhoffen sich die beiden Pastoren von der politischen Gemeinde, doch da laufen die Verhandlungen noch.

Trotzdem wird man jetzt weitermachen. "Wir können ja jetzt nicht alles so stehen und liegen lassen", sagt Helmers. Wann "Jim Knopf" mit einem großen Fest eingeweiht werden kann, ist noch nicht klar. (epd Niedersachsen-Bremen/b1486/21.06.02)
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