1.700 Jugendliche trauern im Bremer St.-Petri-Dom

Nachricht 05. Mai 2002

Bremen (epd). Rund 1.700 Jugendliche haben am Freitag mit einem Trauergottesdienst im überfüllten Bremer St.-Petri-Dom der Opfer der Bluttat im Erfurter Gutenberg-Gymnasium gedacht. Jugendliche beteten und zündeten vor dem Altar Kerzen an. Obwohl noch immer Entsetzen, Ratlosigkeit und Fragen vorherrschten, dürfe das Geschehen nicht stumm machen, sagte Pastorin Ingrid Witte.

Zusammen mit ihrer Kollegin Babett Flügger rief sie dazu auf, anderen Menschen mit Achtung und Respekt zu begegnen, um Geschehnissen wie dem Massaker von Erfurt vorzubeugen. Der Wert eines Menschen bemesse sich nicht nur nach seiner benotbaren Leistung, betonte Flügger.

Nach der biblischen Botschaft sei jeder ein kostbares und geliebtes Wesen. Kirchen, Schulen und Familien hätten die Aufgabe, das zu vermitteln. “Ihr seid das Salz der Erde. Seid Euch dessen gewiss und lebt danach”, rief die Theologin den Jugendlichen in den Kirchenbänken zu. (epd Niedersachsen-Bremen/b1037/03.05.02)
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Erfurt: "Ich denke an Dich, ich bete für Dich"
EKD-Ratsvorsitzender im DLF-Interview der Woche

Zu dem Amok-Lauf eines ehemaligen Schülers in einem Erfurter Gymnasium äußerte sich der Landesbischof der Evangelisch–Lutherischen Kirche in Thüringen, Professor Dr. Christoph Kähler :
Der grausame und gewaltsame Tod vieler Menschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft erschüttert uns. Wir beklagen, dass sich Rachegefühle solchen Ausdruck verschafft haben. Wir müssen wieder einmal begreifen, wozu Menschen fähig sind. In dieser Situation denke ich besonders an die Angehörigen derer, die unschuldige Opfer dieser mörderischen Wut geworden sind. Als Christ wende ich mich in dieser Trauer an Gott, klage ihm dieses Leid und bitte ihn, sich der Opfer und der Angehörigen anzunehmen.
(Pressestelle der Evangelisch–Lutherischen Kirche in Thüringen, E-Mail: presse@elkth.de)

Der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock sagte:
Die Tat von Erfurt lässt uns in Abgründe der Grausamkeit und des Hasses blicken. Aber genauso in Abgründe der Trauer und des Nicht-Verstehenkönnens. Das ist nicht die Stunde für Erklärungen und Schlussfolgerungen. Wir müssen zusammenstehen, um dem Schmerz standzuhalten und nicht an der Welt und am Menschen zu verzweifeln.

Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Todesopfer und allen, die an dem Schock der Ereignisse noch lange zu tragen haben werden. Auch der Glaube der Christen bleibt von einer solchen Schreckenstat nicht unberührt: Wir wissen keine Antwort auf die Frage nach dem Warum. Aber ein Schlüsselwort der biblischen und der christlichen Glaubenserfahrung ist das Wort "dennoch": "Dennoch bleibe ich stets an dir, Gott, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand ... Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil" (Psalm 73, 23-26).

Gott ist ein Abgrund der Liebe und der Zuversicht. Daran halten wir uns in dieser schweren Stunde.

(Hannover/Düsseldorf, 26. April 2002, Pressestelle der EKD)

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