Kruse: Zusammenhang zwischen Amoklauf und Männerbild

Nachricht 28. April 2002

Hannover (epd). Der Leiter der evangelischen Männerarbeit in Hannover, Jens Peter Kruse, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Amoklauf von Erfurt und dem traditionellen Männerbild. “Männer sind häufig nicht in der Lage, mit Freunden offen über Niederlagen zu sprechen”, sagte Kruse am Montag dem epd. Stattdessen zögen sie sich zurück und entwickelten Aggressionen. Der 19-jährige Amokläufer Robert Steinhäuser in Erfurt hatte seinen Eltern nichts von seinem Schulverweis erzählt.

Das traditionelle Männerbild gestatte es Männern nicht, über Gefühle zu reden, sagte Kruse. Von klein auf hörten sie Sprüche wie “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” oder “Ein Junge weint nicht”. Viele Männer hätten gar keine Freunde, mit denen sie offen über Gefühle und Niederlagen reden könnten.

Die letzte große empirische Männerstudie der evangelischen und katholischen Männerarbeit von 1999 habe sogar gezeigt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und traditioneller Männerrolle gebe, fügte Kruse hinzu. Sich körperlich durchzusetzen werde eher von Jungen als von Mädchen erwartet: “Der Junge hat sich zu behaupten, auch körperlich.”

Nach der Männerstudie ist der größte Teil der jungen Männer verunsichert, sagte Kruse. Die Männer wüssten nicht, ob sie eine neue oder die alte Männerrolle leben sollten. Viele Männer reagierten auf diese Verunsicherung mit Gewaltbereitschaft. (epd Niedersachsen-Bremen/b0992/29.04.02)

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