Bischöfin für Solidarität der Deutschen mit Israel

Nachricht 22. April 2002

Bergen-Belsen (epd). Die Deutschen sollten nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann ihre Solidarität mit Israel bewahren. Sie halte die Politik Ariel Scharons nicht für richtig, dennoch sei es "ein fataler Fehlschluss", wenn immer wieder gefragt werde, ob man nicht von dieser uneingeschränkten Solidarität abgehen müsse, sagte die evangelische Bischöfin am Sonntagnachmittag am jüdischen Mahnmal der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen.

Angesichts des Antisemitismus vor allem in Europa hätten Jüdinnen und Juden gehofft, in Israel eine sichere Heimat und ihre Wurzeln zu finden, sagte Käßmann anlässlich einer Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung Bergen-Belsens. Jetzt sei ihr Leben durch ideologisch verführte Attentäter bedroht. Zugleich bedrohten die Militärangriffe Israels das Leben vieler Palästinenser. Es gebe traumatisierte Menschen auf beiden Seiten.

Auch in einer solchen Situation dürfe man die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit nicht aufgeben, mahnte Käßmann. Für den Frieden zu beten und zur Gerechtigkeit zu ermutigen, müsse zur Herausforderung im Alltag jedes Menschen werden: "Der christliche Glaube ist für mich eine Motivationskraft zum Handeln und zum Widerstand gegen Menschenverachtung und Unrecht."

Es sei beschämend, dass nationalsozialistisches Gedankengut in Deutschland "schleichend salonfähig" zu werden scheine, sagte die Bischöfin. Angesichts rechtsextremer Straftaten, von denen es 2001 allein in Hannover 213 gegeben habe, sei Mut zum gewaltfreien Widerstand neu gefordert. (epd Niedersachsen-Bremen/b0917/21.04.02)
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