Özdemir: Islamische Theologen sollen Terror verurteilen

Nachricht 18. April 2002

Hannover (epd). Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter der Grünen, hat von islamischen Theologen eine klarere Verurteilung von Terrorismus und Gewalt verlangt. "Man darf denen, die Religion missbrauchen, nicht das Gefühl geben, im Recht zu sein", sagte er bei der Aufzeichnung der Fernseh-Talkshow "Tacheles" am Dienstagabend in der hannoverschen Marktkirche.

Weitere Informationen bei www.tacheles.net

"Man muss ihnen sagen: Sie handeln im Namen des Teufels und nicht im Namen irgendeines Gottes", so Özdemir. Zugleich warnte der türkischstämmige Politiker davor, den Islam als Religion zu verurteilen: "Wir reden über schreckliche Menschen, die schreckliche Dinge tun, aber nicht über den Islam."

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte, Muslime in Deutschland müssten wissen, dass sie in eine westlich zivilisierte Gesellschaft kämen, und hätten sich in deren Rechtsnormen einzufügen. Andernfalls machten sie sich an ihren Kindern schuldig. Nötig sei ein "Euro-Islam”, der sich der historischen Kritik aussetze und Toleranz einübe. "Ich erwarte auch ein klares Wort zu dem Skandal, dass in vielen islamischen Ländern Christen verfolgt werden", sagte Beckstein.

Der Göttinger Islam-Experte Professor Bassam Tibi kritisierte das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Schächten ohne Betäubung. Damit habe das höchste deutsche Gericht eine Norm der islamischen Rechtsauslegung anerkannt, der Scharia. "Das Grundgesetz und die Scharia vertragen sich aber nicht", so Tibi. Er fürchte, dass islamische Organisationen das Urteil nun ausnutzen könnten. Nach seiner Meinung sei auch eine Betäubung von Schlachttieren mit dem Koran vereinbar.

Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Rolf Koppe, sah deutliche Unterschiede im Gottesbild von Christen und Muslimen. Unter anderem wichen die Religionen in der Frage voneinander ab, ob Jesus als Gottes Sohn oder nur als Prophet gelte. Nötig sei das theologische Gespräch. - Die Talkshow wird am 17. und 23. April jeweils um 16.30 Uhr auf dem Dokumentationskanal "Phoenix" ausgestrahlt. (epd Niedersachsen-Bremen/b0868/17.04.02)
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