Bischöfe in Oldenburg gegen Forschung an Embryonen

Nachricht 15. April 2002

"Woche für das Leben" soll ethische Orientierung geben

Oldenburg (epd). Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Peter Krug, und der katholische Weihbischof Heinrich Timmerevers (Vechta) haben zu Beginn der bundesweiten "Woche für das Leben" die Forschung an embryonalen Stammzellen und die Präimplantationsdiagnostik abgelehnt. Die Kirchen wollten angesichts der vielen Meinungen und Erwartungen zu diesen Themen einen Beitrag zur ethischen Orientierung leisten, sagte Timmerevers am Donnerstag in Oldenburg vor Journalisten.

Die von der katholischen und der evangelischen Kirche getragene "Woche für das Leben" vom 13. bis zum 20. April steht unter dem Motto "Um Gottes Willen für den Menschen – Das Leben von Anfang an wählen statt auswählen". In dieser Zeit fänden in zahlreichen Kirchengemeinden Gottesdienste und Vorträge zum Thema statt, sagte Timmerevers.

Eine Forschung an embryonalen Stammzellen sei nur durch die Tötung von Embryonen möglich und deshalb abzulehnen, sagte Timmerevers. Ähnlich sei es mit der so genannten Präimplantationsdiagnostik: Ziel des Verfahrens sei es, genetische Schäden festzustellen. Ist ein "Defekt" festgestellt, werde der Embryo getötet. Für die Kirchen beginne das menschliche Leben bereits mit der Verschmelzung der Eizelle mit dem Samen.

Krug sagte, keinesfalls wolle man die Forschung "verteufeln". Die Kirchen befürworteten die Forschung an Stammzellen erwachsener Menschen. Viele Möglichkeiten der wissenschaftlichen Untersuchungen seien noch nicht ausreichend ausgeschöpft. Die Wissenschaft habe sich zu sehr auf die Forschung an Embryonen versteift.

Kein Mensch käme auf die Idee, einen Menschen, der beispielsweise durch einen Unfall behindert werde, abzuschieben und zu töten, sagte der evangelische Bischof. Die Gesellschaft müsse lernen, das menschliche Leben in seinen unterschiedlichsten Gestalten zu respektieren.

Laut Timmerevers ist jeder Mensch von Gott mit Würde und dem Recht auf Leben ausgestattet. Sie könnten weder vom Staat oder einem Menschen entzogen werden. Die Kirchen sähen die Gefahr eines neuen Menschenbildes, bei dem alles, was krank, schwach oder begrenzt ist, von der Bildfläche zu verschwinden habe. Menschen dürften nicht als Ersatzteillager gezüchtet werden.

Erstmals traten die beiden Bischöfe gemeinsam vor die Presse. Sie vertreten im Oldenburger Land rund 770.000 evangelische und katholische Christen. (epd Niedersachsen-Bremen/b0826/11.4.2002)
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