Landeskirche verurteilt sexuellen Missbrauch / Notfalltelefon eingerichtet

Nachricht 28. März 2002

Kirchenkreis Wesermünde-Nord soll Diakon fristlos kündigen

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche hat den sexuellen Missbrauch eines Diakons an Kindern und Jugendlichen scharf verurteilt. Er habe das Vertrauen junger Menschen, die ihm anvertraut waren, in eklatanter Weise ausgenutzt, erklärte die Pressestelle am Donnerstag in Hannover. Man habe dem evangelischen Kirchenkreis Wesermünde-Nord unverzüglich empfohlen, das Dienstverhältnis fristlos zu kündigen. Dieser werde die erforderlichen Schritte sofort einleiten.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers werde alles ihr Mögliche unternehmen, um die betroffenen Kinder und Eltern "in dieser schlimmen Situation" zu unterstützen. Dazu gehörten eine kompetente Beratung und Hilfsangebote, heißt es weiter. Auch der Landessuperintendent für den Sprengel Stade, Manfred Horch, teilte mit, dass er den sexuellen Missbrauch durch den Diakon "mit Abscheu" zur Kenntnis genommen habe.

Das Amtsgericht Langen bei Cuxhaven hatte am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover Haftbefehl gegen den 39-jährigen Diakon erlassen. Ihm wird sexueller Missbrauch eines inzwischen 16-jährigen Jungen aus der Region Hannover vorgeworfen. Bei seiner Vernehmung am Mittwoch habe der Diakon eine Vielzahl weiterer Taten an anderen Jungen zwischen 13 und 16 Jahren eingeräumt, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Insgesamt habe der Beschuldigte 45 Fälle zugegeben.

Der 39-Jährige war bis zu seiner Verhaftung als Diakon und ehrenamtlicher Vorsitzender des Gemeindejugendringes in Nordholz bei Cuxhaven tätig. Bis 1997 arbeitete er als Diakon und Religionslehrer in Großburgwedel und Isernhagen bei Hannover. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurde umfangreiches pornografisches Material sichergestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover werden die Ermittlungen noch längere Zeit andauern, weil von einem weiten Kreis betroffener Jugendlicher auszugehen sei. (epd Niedersachsen-Bremen/b0756/28.03.02)

Die evangelische Kirche und der Landkreis Cuxhaven haben ein Notfalltelefon für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern eingerichtet, die von dem Missbrauch durch den Diakon aus Nordholz bei Cuxhaven betroffen sind. Kompetente Gesprächspartner stehen den Ratsuchenden beratend und helfend zur Seite.
Wie die Pressestelle des Sprengel Stades mitteilte, ist das Notfalltelefon des Diakonischen Werkes in Dorum, Telefon 0742/1054 über Ostern zu erreichen. In dringenden Fällen seien außerdem Hausbesuche möglich. Auch die Leitstelle des Landkreises, Telefon 04721/23066, sei während der Feiertage anrufbar. In der kommenden Woche stünden neben Mitarbeitern des Diakonischen Werks auch die Beratungsstellen des Landkreises Cuxhaven in Bremerhaven, Telefon 04721/20458, und in Otterndorf, Telefon 04751/911311, zur Verüfgung.
Betroffene können sich auch an das Jungentelefon der Initiative Jugendhilfe e.V., Telefon 0471/82888, und an das Evangelische Beratungszentrum in Bremerhaven, Telefon 0471/32021, wenden.
(epd Niedersachsen-Bremen/b0761/28.03.02)

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