Knapp 50.000 Konfirmationen in Niedersachsen und Bremen

Nachricht 25. März 2002

Moderne pädagogische Ansätze auch in der Konfirmandenarbeit

Hannover (epd). Knapp 50.000 Mädchen und Jungen werden in den kommenden Wochen in den evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen und Bremen konfirmiert. "Mehr als 80 Prozent eines Jahrganges nehmen daran teil", sagte der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes Ernst Kampermann am Freitag dem epd. Das mehr als 460 Jahre alte Ritual zieht in diesem Jahr bundesweit rund 253.000 Jugendliche an.

Die Zeiten, in denen Bibel, Gesangbuch und Katechismus die einzigen Grundlagen des zweijährigen Unterrichtes waren, seien längst vorbei, betonte Kampermann. Die Heranwachsenden seien von der Schule moderne pädagogische Ansätze gewöhnt, die sie auch in der Konfirmandenarbeit erwarteten. "Wir müssen berücksichtigen, dass die Jungen und Mädchen eigene Lebenserfahrungen mitbringen. Die Konfirmanden sind nicht die Zukunft der Kirche, sondern die Gegenwart", sagte der Theologe.

Um den heutigen Bedürfnissen zu entsprechen, hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ihre Rahmenrichtlinien und Empfehlungen für die Konfirmandenzeit überarbeitet. In der neuen 65-seitigen Broschüre, die zur Zeit an alle Pfarrämter versandt wird, ist auch eine Muster-Vereinbarung für die Konfirmandenarbeit enthalten. Der Konfirmand, die Eltern und der Pastor bestätigen ihre Bereitschaft, die zweijährige Vorbereitung zu unterstützen und zu begleiten.

"Es kommen immer mehr Kinder in die Konfirmandenarbeit, die vorher noch nie einen Gottesdienst besucht haben", sagt die Dezernentin für Schule und Religionsunterricht, Oberkirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track. Für die Jugendlichen und zum Teil auch für ihre Eltern sei die Kirche zunächst einmal eine völlig fremde Welt.

Wichtig sei, den Jungen und Mädchen zu vermitteln, dass die Arbeit in den Kirchengemeinden auch etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun habe. Deshalb würden zunehmend Praktika in Sozialstationen und Obdachlosenprojekten oder Ausflüge in Behinderten-Einrichtungen angeboten. Für die Pastoren gebe es Fortbildungen und Workshops, in denen zeitgemäße Formen der Konfirmandenarbeit vermittelt und ausprobiert werden.

Nach Angaben der Landeskirchenämter werden in der Oldenburger Landeskirche rund 5.600 Jugendliche konfirmiert, in der Braunschweiger Landeskirche etwa 4.600, in Bremen rund 2.000 und in Schaumburg-Lippe etwa 670. Die Evangelisch-reformierte Kirche wird rund 2.200 Jungen und Mädchen konfirmieren. Mit der Konfirmation erlangen sie das Recht, Taufpaten zu werden, und in der reformierten Kirche bereits das aktive Wahlrecht. (epd Niedersachsen-Bremen/b0714/22.03.02)
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Das aktuelle Stichwort: Konfirmation - (mit Bild)

Hannover (epd). Die Konfirmation hat eine über 460-jährige Tradition. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Befestigung" oder "Stärkung": Die Konfirmation bekräftigt das Sakrament der Taufe. In diesem Sinn ist sie für Protestanten eine "Einübung ins Christentum". Fast alle getauften evangelischen 13- bis 14-jährigen Jugendlichen lassen sich konfirmieren. In diesem Jahr sind es rund 253.000. Damit gehört das zwischen Palmsonntag und Pfingsten stattfindende Fest zu den gefragtesten Amtshandlungen der Kirche nach Hochzeit und Taufe.

Der Konfirmandenunterricht soll den Jugendlichen den christlichen Glauben veranschaulichen und erläutern. Je nach Kirchengemeinde besuchen ihn die Jugendlichen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Im Unterricht lernen sie die wichtigsten evangelischen Lehren und Traditionen kennen. Im Konfirmationsgottesdienst bestätigen die Konfirmanden ihre Taufe und werden als mündige Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen. Sie dürfen damit auch am Abendmahl teilnehmen und das Amt eines Taufpaten ausüben.

Als Begründer der Konfirmation gilt der elsässische reformatorische Theologe Martin Bucer (1491-1551), der sie zunächst in Hessen verwirklichte. Durchgesetzt hat sich die Konfirmation erst im Pietismus des 18. Jahrhunderts, der die persönliche Frömmigkeit hervorhob. In einigen Gegenden ging daraus die allgemein bildende Volksschule hervor. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Konfirmation in ganz Deutschland üblich. (epd /b0581/22.03.02)
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