Landesbischöfin Käßmann lehnt Import von Stammzellen ab

Nachricht 18. März 2002

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat in einer kontroversen Diskussion mit Professor Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) den Import von embryonalen Stammzellen weiterhin abgelehnt. “In einer befruchteten Eizelle ist der Mensch schon vollständig angelegt”, sagte Käßmann am Dienstagabend in Hannover. Dass das Herstellen embryonaler Stammzellen in Deutschland verboten sei, aber ihr Import erlaubt, sei ein Grundwiderspruch in sich.

Forschung an embryonalen Stammzellen sei mit Abtreibungen nicht zu vergleichen, betonte Käßmann: “Eine Frau in einem Schwangerschaftskonflikt ist etwas ganz anderes als ein Forscher, der Embryonen im Tiefkühlfach hat.” Mit Spätabtreibungen von behinderten Kindern bis kurz vor der Geburt habe sie aber Probleme: “Ein Recht auf ein gesundes Kind gibt es nicht.”

“Wir dürfen als Kirche mit nerviger Gestrigkeit nicht die Augen schließen vor dem, was heute Praxis ist”, sagte Medizinprofessor Haverich. Embryonale Stammzellen seien nach künstlichen Befruchtungen entstanden und existierten schon weltweit in den Kühlkammern. Man könne sie entweder wegwerfen oder für Forschungszwecke nutzen.

Es wäre schön, wenn irgendwann Herz-Muskel-Gewebe mittels Stammzellen herzustellen sei, betonte der Leiter der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der MHH: “Jeder fünfte Patient stirbt heute in Deutschland beim Warten auf eine Herztransplantation.” Embryonale Stammzellen hätten nicht das volle Lebensrecht. Die Politik müsse aber verhindern, dass Embryonen für Forschungszwecke hergestellt werden. (epd /b0694/20.03.2002)
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