Predigerseminar Hildesheim schließt nach fast 50 Jahren / Auf tausendjährigen Grundmauern entsteht Zentrum für Gottesdienst

Nachricht 13. März 2002

Hildesheim (epd). Eine von drei Ausbildungsstätten der hannoverschen Landeskirche für angehende Pastoren, das Predigerseminar in Hildesheim, schließt Ende März ihre Pforten. Seit 1953 wurden hier rund 600 evangelische Vikarinnen und Vikare unterrichtet, sagte der scheidende Studiendirektor Volkmar Keil am Mittwoch dem epd. Viele von ihnen treffen sich am 16. März zu einem Abschiedstag.

Das historische Gebäude auf einem Hügel am Rand der Innenstadt, dessen älteste Teile vor mehr als 1.000 Jahren errichtet wurden, wird nach seiner Schließung zu einem Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik umgebaut. Keil begrüßt diesen Plan: "An dieser herausgehobenen Stelle muss eine Arbeit mit überregionaler Bedeutung stattfinden", sagte er. Gleichwohl bedauere er, dass Hildesheim als Ausbildungsort für Vikare nicht erhalten bleibe.

"Wir haben die Zeit hier sehr genossen", sagte Vikar Daniel Petzold, einer von elf Mitgliedern des letzten Hildesheimer Vikarskurses. Er lebte ein Jahr lang in dem ehemaligen Kloster in unmittelbarer Nachbarschaft der St. Michaeliskirche, die zum Weltkulturerbe gehört. Auch Petzold befürwortet das geplante Zentrum: "Bei den Gottesdiensten besteht großer Nachholbedarf." Vor allem fehlten ansprechende Angebote für Jugendliche und Familien. Mit dem Zentrum werde Hildesheim bundesweit Vorreiter.

Die Vikarinnen und Vikare wollen bei der Abschiedsfeier am 16. März ein Werk des Künstlers Holger Hirndorf enthüllen, auf dem in einem aufklappbaren Spiegel alle Namen der ehemaligen Vikare und Studienleiter zu lesen sind. Daniel Petzold geht nach dem Auszug aus dem Seminar als Auslandsvikar nach Stockholm. Erstmals seit 1995 kann die Kirche allen angehenden Pastorinnen und Pastoren nach ihrem Vikariat wieder eine Beschäftigung bieten, sagte Keil. Er selbst wird Pastor an der Stabkirche Hahnenklee im Harz.

Am Ort des heutigen Predigerseminars bestand bis 1803 ein Benediktiner-Kloster. Von 1827 bis 1943 dienten die Gebäude als Heil- und Pflegeanstalt für psychisch kranke Menschen. Mindestens 403 Insassen seien während des "Euthanasie"-Programmes von den Nationalsozialisten ermordet worden, sagte Keil. Von 1943 bis 1945 war im früheren Kloster eine Ausbildungsstätte der SS, das "Haus Germania".

Am 22. März 1945 wurden die Gebäude durch Bomben bis auf einen Rest völlig zerstört. Der Wiederaufbau, größtenteils mit Gebäuden im Stil der Zeit, dauerte bis 1953. Damals ging der Komplex in den Besitz der evangelischen Landeskirche über. Der Umbau zum Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik soll bereits im April beginnen. Dafür sind rund 4,4 Millionen Euro eingeplant. Wegen zurückgehender Theologenzahlen betreibt die hannoversche Landeskirche nur noch zwei Predigerseminare in Loccum und Celle. (epd Niedersachsen-Bremen/b0624/13.03.02)
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