EKD-Ratsvorsitzender fordert gemeinsam mit der VELKD sofortigen Rückzug der Israelischen Armee von Bethlehemer Kirchengelände

Nachricht 11. März 2002

Nach Informationen der Ev.-Luth. Kirche in Jordanien (ELCJ) hat die israelische Armee am gestrigen Samstag, 9. März 2002, das Gelände der evangelischen Akademie Dar al Kalima ("Haus der Begegnung") im südlichen Bethlehem mit Panzern besetzt und ist gewaltsam in den Gebäudekomplex eingedrungen. Das israelische Militär will dort einen strategischen Stützpunkt einrichten, von dem aus weite Bereiche der Stadt Bethlehem kontrolliert werden sollen.

Die Akademie Dar Al Kalima ist mit ihrer Modellschule für christliche und muslimische Schüler und mit einem Gesundheitszentrum ein wichtiger Teil der Bildungs- und Versöhnungsarbeit der palästinensischen
Evangelisch-Lutherischen Kirche (ELCJ). Sie wird u.a. auch aus Mitteln der deutschen evangelischen Kirchen gefördert.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Manfred Kock, hat sich heute zusammen mit der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche
Deutschlands (VELKD), die in Bad Segeberg ihre Klausurtagung abhält, die Forderung des Bischofs der Ev.-Lutherischen Kirche in Jordanien, Munib Younan, nach sofortigem Abzug der israelischen Streitkräfte vom Gelände der Ev.-lutherischen Kirche in Bethlehem zueigen gemacht.

Manfred Kock machte deutlich, dass Israel mit dieser erneuten Besetzung von Kirchengelände aber auch mit anderen Willkürmassnahmen in den palästinensischen Gebieten massiv gegen internationales Recht verstoße. Er erinnerte in dem Zusammenhang an ähnliche Vorgänge Ende August 2001 in Beit Jala. "Dieser neuerliche Willkürakt ist in meinen Augen ein Beweis dafür, dass die israelische Armee mit solchen Aktionen im Rahmen ihrer Besatzungspolitik zunehmend auch humanitäre Einrichtungen rücksichtslos in Mitleidenschaft zieht, statt deren besonderen Status zu respektieren. Dies ist umso schmerzlicher, weil gerade von christlichen palästinensischen Schulen immer wieder Signale der friedlichen Konfliktbearbeitung und der Versöhnung zwischen Christen, Juden und Muslimen ausgegangen sind. Derartige Provokationen sind nicht geeignet, den Friedensprozess voranzubringen."

Kock, der erst im Februar zu einem fünftägigen Besuch in Israel und den Palästinensergebieten war, forderte nochmals, die Konfliktparteien massiv unter internationalen politischen Druck zu setzen, um endlich Fortschritte auf dem Weg zum Frieden im Nahen Osten zu erwirken. Er begrüßte die jüngste gemeinsame Verhandlungsinitiative der USA und der EU, und gab
seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Wiederaufnahme von politischen Verhandlungen eine baldige Waffenruhe und den Rückzug der Israelis aus Bethlehem und anderen palästinensischen Gebieten möglich machen könnte.


Hannover, 10. März 2002
Pressestelle der EKD
Christine Griesbach
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