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"Gehöre ich noch dazu?"

Tagesthema 02. Februar 2018

Zum Weltkrebstag am 04. Februar: Krebs-Beraterin wünscht sich offeneren Umgang mit Betroffenen

Die psycho-onkologische Beraterin Sabine Hornbostel hat sich anlässlich des Welt-Krebs-Tages am 4. Februar für einen unbefangeneren Umgang mit Betroffenen ausgesprochen. Viele Menschen mit einer Krebsdiagnose hätten das Gefühl, "ich gehöre nicht mehr dazu", sagte die Expertin von der Niedersächsischen Krebsgesellschaft.

"Freunde und Arbeitskollegen werden oftmals unsicher und vermeiden den Kontakt." Die Sozialpädagogin berät Menschen vom Moment ihrer Krebsdiagnose an bis zu einem Zeitraum von etwa zwei Jahren zu psychosozialen und sozialrechtlichen Fragen der Krankheit.

Hornbostel betonte, falls jemand aus dem Bekanntenkreis an Krebs erkranke, sei es wichtig, Ängste offen anzusprechen und sich zu informieren. Nach wie vor herrsche in der Gesellschaft das Bild, Krebs sei ein "Todesurteil". "Inzwischen sind aber viele Krebserkrankungen durchaus heilbar", sagte die systemische Therapeutin. Krebstherapien würden individueller angepasst als früher. In Niedersachsen gab es 2014 nach Angaben des Epidemiologischen Krebsregisters insgesamt 49.666 Krebs-Patienten, 22.055 Menschen sind 2014 in Folge einer Krebserkrankung gestorben.

Hornbostel rät Erkrankten dazu, nicht alles nur der Medizin zu überlassen, sondern das Schicksal auch in die eigene Hand zu nehmen. "Denn: Psyche und Immunsystem hängen eng zusammen." Beste Voraussetzungen für einen guten Heilungsverlauf seien daher neben gesunder Ernährung und Bewegung eine positive Einstellung und sozialer Rückhalt. In der Beratung frage sie die Menschen oft nach einem Lebensziel in drei Jahren. "Es braucht einen Grund, der lohnt, gesund zu werden."

Viele sähen den Krebs als Botschaft oder Chance, etwas in ihrem Leben zu ändern, berichtet die Beraterin. "Die Endlichkeit des Lebens wird plötzlich persönlich." Es komme vor, dass Menschen nach der Diagnose ihre Ehe beendeten, andere den Beruf wechselten oder einen langgehegten Traum verwirklichten. Eine Krebspatientin habe etwa einen Fallschirmsprung gewagt, ein Mann nach 26 Jahren Funkstille Kontakt zu seinem Sohn aufgenommen.

Oft gebe es in den Jahren vor der Diagnose ein belastendes Erlebnis wie Tod eines Angehörigen oder Stress im Job, weiß Hornbostel. In der Beratung gehe es aber nicht darum, Ursachen zu suchen, sondern Konflikte zu lösen, um die Heilung zu unterstützen. "Es gibt nie nur einen Grund für Krebs", betont sie. Und ein Patient sei vor allem niemals schuld an der Krankheit. "Es ist wie eine Laune des Schicksals."

Leonore Kratz (epd)

Weltkrebstag

Der Weltkrebstag am 4. Februar steht unter dem Motto „Wir können. Ich kann“. Die Deutsche Krebshilfe nimmt den Tag zum Anlass, um die Öffentlichkeit für das Thema Prävention zu sensibilisieren. „Insbesondere Bewegung kann das eigene Krebsrisiko senken“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Bei Krebspatienten kann Sport und Bewegung zudem Nebenwirkungen reduzieren. Die Organisation bietet hierzu, aber auch zu anderen wichtigen Präventionsthemen, kostenlose Infomaterialien und berät über ihren telefonischen Informations- und Beratungsdienst, das INFONETZ KREBS.

Deutsche Krebshilfe

Mehr Infos auf der Internetseite der Krebshilfe

Niedersächsische Krebsgesellschaft

Die Aufklärung der Bevölkerung über Krebserkrankungen, die Förderung der Früherkennung und die Erforschung des Krebses waren über viele Jahre hinweg wesentliche Aufgaben der Niedersächsischen Krebsgesellschaft.

Heute leiten zwei große Ziele das Handeln: die Verringerung der Krebsneuerkrankungen in Niedersachsen und die Verbesserung der Situation von Krebserkrankten in Niedersachsen.

Niedersächsische Krebsgesellschaft

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