"Leidenschaftlich, professionell und mit dem richtigen Fokus"

Tagesthema 17. November 2017

Zwei Auszeichnungen beim Gemeindebriefpreis der Landeskirche gehen nach Göttingen und Osnabrück. Im Vorfeld der Preisverleihung haben die zwei Redaktionen geben Einblicke in ihre Arbeit gegeben.

„Kirche für die Stadt“ nennt er sich, der Gemeindebrief der Göttinger Innenstadtgemeinden. Mit einem Sonderthema pro Quartal: Kirche und Staat, Organspende, Reformation, Einsamkeit – zahlreiche kirchennahe, gesellschaftlich-ethische, aber auch seelsorgerliche Schwerpunkte standen bereits auf der Agenda und wurden teilweise sogar strittig diskutiert.

„Ja, es wird auch mal leidenschaftlich hier“, gibt Pastor Martin Hauschild zu. Er ist bei der heutigen Redaktionssitzung in der Rolle des Chefredakteurs anzutreffen und hat mittels Laptop und Beamer die zu besprechende Version des nächsten Gemeindemagazins an die Wand projiziert. „Ich meine wir sind etwas textlastig diesmal“, stellt Hauschild selbst fest und sein Stellvertreter, Pastor Harald Storz, pflichtet ihm bei: „Richtig. Stimmung erzeugt man über Bilder, nicht über Worte.“ Also wird hier noch ein Foto versetzt und dort noch ein Bild vergrößert.

"Diskurse prägen und anschieben"

Was diese Themen angeht, gibt es eine Fachfrau im Bunde: Die Fotografin Katrin Benary, die sich ehrenamtlich für den Gemeindebrief engagiert. „Das bereitet mir riesigen Spaß – es ist ein tolles Heft!“, schwärmt die Göttingerin. Und erntet gleich ein Lob ihres Redaktionskollegen Wilfried Bergau-Braune: „Es ist schon etwas Besonderes, eine Fotografin im Team zu haben. Wir werden oft für unsere erstklassigen Bilder und Fotoideen gelobt.“ Dass man auch mal anecke, gehöre dazu. „Im Gegenteil: Wir freuen uns, Diskurse zu prägen und anzuschieben. Denn wir möchten kirchliche Themen mit einem breiten Medium an die Öffentlichkeit tragen“, sind sich die neun Redaktionsmitglieder einig, die bei diesem Treffen im St. Albani-Gemeindehaus dabei sind.

"Um 22 Uhr ist Schluss"

Vier sind heute verhindert. Kein Problem, denn pro Ausgabe finden drei Treffen statt. „Wir sehen uns also ein Mal im Monat für zwei Stunden. Ab 20 Uhr und um 22 Uhr ist Schluss“, erklärt Christian Schräder, der sich im Lektorat engagiert. Sowieso setzt sich hier jeder mit seinen individuellen Stärken ein. „Jeder macht das, was er gut kann – bis zum fertigen Layout“, erklärt Storz. Das allerdings wird von einer Grafikagentur übernommen.

"Wir können es mit anderen Blättern aufnehmen"

Seit dem Gründungsjahr 2012 sind inzwischen 21 Ausgaben des Gemeindemagazins erschienen. „Dabei stehen wir  hier in Göttingen in Konkurrenz zu vielen anderen bunten Stadtmagazinen. Und genau das ist unser Anspruch: Wir können es mit den anderen Blättern aufnehmen“, ist sich das Team einig.

Dass auch Menschen das Magazin lesen, die keiner der sechs Gemeinden angehören, komme auch vor. „Mich sprach schon ein Mann an, der das Blatt dennoch von A bis Z liest“, berichtet Julia Beyer. Und Eva Hildermeier ergänzt: „Oder die Kioskbesitzerin, die regelmäßig fragt, wann denn das nächste Heft erscheint.“ Nicht nur die Redaktionsmitglieder haben dank ihres gemeindeübergreifenden Magazins die Möglichkeit, über den Tellerrand ihrer eigenen Gemeinde hinauszuschauen. „Das Kalendarium wird zum Beispiel sehr geschätzt und ist ein Riesenvorteil“, finden die Göttinger. Nicht ohne Grund ist genau diese Redaktion unter den zehn Preisträgern des Gemeindebriefpreises, der in diesem Jahr in dieser Form das erste Mal von der Evangelischen Landeskirche Hannovers vergeben wird. Natürlich wird diese besondere Auszeichnung ebenfalls einen Platz in der nächsten Ausgabe von „Kirche für die Stadt“ erhalten.

Mareike Spillner

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"Wir wollen begeistern"

Im Redaktionsteam des Gemeindebriefes der St. Katharinengemeinde Osnabrück ist jeder Profi in seinem Bereich, kommuniziert wird auf dem direkten Weg. Bei Pastorin Andrea Kruckemeyer laufen die Fäden zusammen. Für die Fertigstellung und das Technische ist der Mathematiker Hans-Ulrich Schwarznecker zuständig. Ragna Beßler-Hatje, von Beruf Deutschlehrerin, macht das Lektorat. Wichtig sei ihr dabei, dass sie sich nicht in die Textinhalte einmische.

Die Artikel für den Gemeindebrief von St. Katharinen kommen unter anderem von der Diakonin Lisa Neumann. "Ich versuche mir beim Schreiben die Leute vorzustellen, für die ich schreibe." Als größte Herausforderung bei der Arbeit am Gemeindebrief nennt Neumann die "Deadline". Und gute Fotos, die nicht nur scharf, sondern auch für die Leser interessant sind." Dem stimmt Andrea Kruckemeyer zu: "Wir legen Wert auf gute Fotos. Sind Fotos nicht gut genug, kommen sie nicht in den Gemeindebrief".

Beim Blick in den Gemeindebrief von St. Katharinen wird deutlich: Die Macher setzen auf Liebe zum Detail, Offenheit und Eigenständigkeit. Nur weil ein Artikel so richtig in keine Rubrik passe, sei das kein Grund, ihn nicht zu veröffentlichen. Auch ungewöhnliche Formate haben ihren Raum. Zum Thema Arbeit im Kirchenvorstand hat es beispielsweise einen Fragebogen gegeben. Auch der Input an Texten und Bildern von Gemeindegliedern und Gemeindegruppen sei sehr gut, berichten die Redaktionsmitglieder.

Und wenn sie das Ziel ihrer Arbeit auf den Punkt bringen sollen? "Wir möchten zeigen, so kann Kirche sein. Kirche ist nicht verstaubt", formuliert Andrea Kruckemeyer. Und Lisa Neumann ergänzt: "Wir wollen begeistern."

Claudia Sarrazin

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