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So Gott will und wir leben

Tagesthema 31. Dezember 2015

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“  Jesaja (Kapitel 66, Vers 13)

Eine Hochzeit ist ein Event, ein großes Ereignis – für die Brautleute, für ihre Eltern und Gäste. Und das mit steigender Tendenz. Das bringt es mit sich, dass die vorbereitenden Planungen immer zeitaufwendiger und kostenintensiver werden.

Als Pastor werde ich dann oft schon mehr als 12 Monate vor dem Trauungstermin gefragt, ob ich denn am geplanten Wunschtermin auch Zeit hätte.

Meistens antworte ich dann: „Ja, so Gott will und ich lebe“. Dann wird am Telefon erstmal gemeinsam gelacht; so war es von mir bisher ja auch gemeint: Scherzhaft eben. Bisher.

Seit drei Monaten meine ich das ernst. Innerhalb von vier Wochen sind zwei meiner guten Freunde im Alter von 63 und 66 Jahren verstorben. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Ob ich in einem Jahr noch lebe?
Wenn Gott will!

„Was ist euer Leben?“, wird im Jakobusbrief gefragt. Und die Antwort wird gleich mitgeliefert: „Ein Rauch seid ihr, der eine Zeit bleibt und dann verschwindet. Deshalb sollt ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ (Jak 4,14+15)

Ganz unabhängig davon, ob ich in die fromme Sichtweise des Jakobus mit einstimmen kann: Recht hat er mit seiner Feststellung, dass ich 'Rauch bin, der eine Zeit bleibt du dann verschwindet.' Das habe ich zwar schon immer gewusst: existentiell 'angesprungen' hat es mich erst in den letzten drei Monaten. „Reinhard Fiola: deine Lebenszeit ist begrenzt! Es kann sein, dass das Jahr 2016 dein letztes ist, so wie es für deine beiden Freunde das Jahr 2015 war.“

Das führt nicht dazu, dass ich in Pessimismus oder Depression verfalle; aber demütiger bin ich geworden, stiller, was Aussagen über die Zukunft angeht, und dankbarer für das, was bisher gewesen ist. Realistischer bin ich geworden.

Und das erlebe ich als Gewinn. Und wenn dann zum Realismus noch Glaube hinzukommt, kann ich mit Jakobus sagen: „Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“

Das nenne ich einen realistischen Glauben.
Damit will ich in das neue Jahr gehen.
So Gott will. Amen.

Pastor Reinhard Fiola

Jahreslosung 2016

Viele Christen halten sich in ihrem Alltag im nächsten Jahr an die Losung „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Die Jahreslosung 2016 stammt aus dem Buch des Propheten Jesaja (Kapitel 66, Vers 13) aus dem Alten Testament. Die Jahreslosungen werden von einer ökumenischen Arbeitsgruppe der Kirchen in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgewählt. Bis heute orientieren sich viele christlich geprägte Familien an diesen Losungen.

Die Praxis der Losungen als Leitworte geht auf die Herrnhuter Brüdergemeine zurück. 1731 hatte Graf Nikolaus von Zinzendorf, der Begründer dieser geistlichen Gemeinschaft, zum ersten Mal prägnante Bibelworte als „Herrnhuter Losungen“ veröffentlicht. Die Bibelworte wurden wie bei einer Lotterie von einem Mitglied der Herrnhuter aus einer silbernen Schale gezogen.

epd

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