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Bild: Jens Schulze

Älter werden mal ganz anders

Tagesthema 14. September 2015

418 Teilnehmende aus Landeskirche und dem ganzen Bundesgebiet beim Kongress in Hannover

„Wir sollten nicht nur über die Älteren reden, sondern mit ihnen“ meinte die 69-jährige Edith Jenzer-Jounais aus Hannover-Döhren bei einem Workshop beim großen Kongress „SechzigplusKirche“, der am Freitag, 11. September im Congress Centrum von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers veranstaltet wurde. Und genau das wurde dann auch in 18 Foren und Vorträgen und Arbeitsgruppen gemacht und in der Umsetzung in 17 Praxisworkshops gezeigt.

418 Teilnehmende aus der Landeskirche und viele Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet diskutierten einen Perspektivwechsel in der kirchlichen Arbeit mit Älteren. Neben den traditionellen Betreuen wünschen vor allem die „jungen Alten“ sich zu beteiligen und in den Kirchengemeinden Freiräume zu bekommen, in denen sie selbständig und selbstbewusst Projekte anpacken und durchführen können. Referenten berichteten unter anderem von Männertreffen und Erlebnispädagogik, Quartierentwicklung und gemeinsamen Wohnprojekten, Klimaschutzinitiativen und Seniorenkantoreien, geistlicher Biografiearbeit und Bildungsarbeit, jeweils für und mit Älteren.

Zum Auftakt des Kongresses hatte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt festgestellt, dass der Bevölkerungsrückgang nicht einmal durch die Zuwanderung ausgeglichen werden könne. Sie forderte eine flexiblere Gestaltung des Eintritts in das Rentenalter.

„Mit 66 Jahren...“ - Begeisterung bei „SechzigPlusKirche“

Der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) hat die Veranstaltung mit der Kamera betreut, die Referenten interviewt und hat zum Abschluss eine aussagekräftige Umfragen zusammengestellt.

Eine starke und positiv orientierte Generation

Landesbischof Ralf Meister begann den Hauptvortrag des Kongresses mit einem humorvollen Blick auf die Zeitschriftenlandschaft in einem Bahnhofskiosk. „Jugend und Gesundheit sind die ästhetischen Leitbilder unserer Gesellschaft“, stellte der 53-Jährige bei Durchsicht der verschiedenen Journale fest.

Wenn allerdings dennoch ältere Menschen auf den Titelblättern erschienen, so seien es bekannte Persönlichkeiten, deren Biografien sich durch Brüche und Umwege kennzeichnen. „Gerade wegen dieser Umwege sind sie Vorbilder für viele ältere Menschen“, so Meister.

Die Bibel zeichne ein vielschichtiges Bild des Alters. Hohes Alter gelte in der Bibel auch als Zeichen für ein Leben in der Nähe und aus dem Geist Gottes, so der leitende Geistliche weiter. „Eine wichtige Haltung der Bibel ist Achtung vor alten Menschen aufgrund ihrer Weisheit und Lebenserfahrung!“, betonte der Landesbischof. „Auch in der Arbeitswelt reift in den letzten Jahren wieder die Erkenntnis, dass die Erfahrung der Älteren genauso wichtig ist wie die Qualitäten junger Menschen.“

Bisher war der Blick von Kirche auf das Alter geprägt durch Fürsorge für ältere und gebrechliche Menschen. Dies entspricht nicht mehr dem Lebensgefühl der Menschen über 60. Im Gegenteil „die Generation 60plus ist eine starke und positiv orientierte Generation“, so Meister. „Die Leute wollen etwas Neues erleben und sie wünschen sich von Kirche eine ermutigende Spiritualität, die sie befähigt neue Wege zu gehen.“

Susanne Ruge/Gunnar Schulz-Achelis

„Man sollte mutiger sein in der Bildungsarbeit mit Älteren. Das nehme ich mit für meinen Kreis beim ´Nachmittag der Begegnung´.“
Erika Tipke (71) aus Bleckede

Workshops für neue Ideen

Konkrete Ideen für die Arbeit mit Älteren wurden beim Kongress „SechzigplusKirche“ am Nachmittag in 18 Praxisworkshops angeboten. Jeweils für Ältere gab es von Praktikern Tipps für die Männerarbeit oder Erlebnispädagogik, wie man über Politik spricht oder einen Online-Glaubenskurs macht. Es war zu sehen, wie „Älter werden“ im Film thematisiert wird, wie man eine Seniorenkantorei aufzieht oder man lebendig aus der Bibel erzählen kann. Die „Macher“ präsentierten Ideen für die Bildungsarbeit mit Älteren, kulturelle Bildung im Museum oder für ein Wohnprojekt.

Mehr über die Workshops, mit Praxisideen, Vertiefungen und Impulsen
„Man nimmt eine Leichtigkeit mit. Ich habe vieles gehört beim Kongress, was ich mir auch schon so gedacht habe. Im Umgang mit dem Alter ist man für sich selbst verantwortlich. Es gilt, einen individuellen und positiven Umgang mit den Gegebenheiten des Alters anzustreben. “
Petra Heldt (55) aus Zeven

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