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Bild: epd-Bild

Der Adventskranz feiert Jubiläum

Tagesthema 30. November 2014

Johann Hinrich Wichern erfand ihn vor 175 Jahren in Hamburg

Zur Vorweihnachtszeit gehört ein Adventskranz. In diesem Jahr wird der Brauch 175 Jahre alt. Erfunden wurde der Adventskranz 1839 im protestantischen Hamburg, die katholischen Gegenden übernahmen ihn erst knapp 100 Jahre später. Im Raum Lüneburg südlich von Hamburg ziehen zurzeit rekordverdächtige Riesen-Kränze die Blicke auf sich.

Der Vater der evangelischen Diakonie, Johann Hinrich Wichern (1808-1881), gilt als Erfinder des Adventskranzes. Er war im Jahr 1833 in ein altes Bauernhaus gezogen - weitab vor den Toren Hamburgs. Es hieß „Das Rauhe Haus“ und wurde zur Heimat für verwahrloste und verwaiste Kinder aus den Hamburger Elendsvierteln. Bereits im ersten Jahr betreute Wichern 14 Jungen zwischen fünf und 18 Jahren, die auf den Straßen Hunger, Gewalt und Armut erfahren hatten.

Die Kinder hätten ihn ständig gefragt, wann denn nun endlich Weihnachten sei, berichtet die Chronik des „Rauhen Hauses“. Um ihre Frage zu beantworten, aber auch um ihnen das Zählen beizubringen, brachte er auf einem hölzernen Wagenrad so viele Kerzen an, wie es Tage vom ersten Adventssonntag bis zum Heiligen Abend waren. Vier weiße für jeden Sonntag und rote für die Werktage.

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Johann Hinrich Wichern. Bild: wikipedia

Anders als der heute übliche Adventskranz mit seinen vier Kerzen variiert beim Wichern-Kranz die Zahl der kleinen roten Kerzen von Jahr zu Jahr. 21 sind es diesmal. In seinen Erinnerungen schreibt Wichern: „Was gucken die Knaben- und Mädchenaugen so lustig zum Kronleuchter empor? Oh, was sie da sehen, kennen sie wohl. Auf dem Kranz brennt das erste Licht, weil heute der erste Adventstag ist.“ Und weiter heißt es: „Brennt der volle Kranz mit allen 24 Lichtern, dann ist er da, der heilige Christ in all seiner Herrlichkeit.“

Seit 1860 etwa wird der Adventskranz mit Tannengrün geschmückt, 1925 übernahm erstmals eine katholische Kirche in Köln den Brauch. 1930 wurde der erste Adventskranz in München gesichtet. Der Siegeszug des neuen Brauchtums war nicht mehr aufzuhalten. Nur die Zahl der Kerzen hatte sich im Laufe der Zeit auf vier reduziert, weil der Kranz sonst für die Wohnzimmer der Bürgerhäuser zu groß gewesen wäre. Hätte man die Kerzen enger zusammengerückt, hätten sie sich gegenseitig zum Schmelzen gebracht. Auch die Farbe änderte sich: Aus den weißen Sonntagskerzen wurden rote.

Einen großen „Originalkranz“ findet man heute noch zuverlässig im „Rauhen Haus“. Doch auch im Hamburger Rathaus und im Michel hängt einer. Ein riesiger Wichern-Kranz aus Aluminium mit 13 Metern Durchmesser wurde in der vergangenen Woche auf den Lüneburger Wasserturm gehievt. 1,5 Tonnen ist er schwer und hängt in 56 Meter Höhe. Ein noch größeres, rekordverdächtiges Exemplar fertigten Feuerwehrleute jetzt in Erbstorf bei Lüneburg: Der stolze Kranz mit einem Durchmesser von 21 Metern ist sogar mit Tannengrün umwunden. Doch der prominenteste Ort des Adventskranzes ist der Deutsche Bundestag.

Das von Wichern gegründete „Rauhe Haus“ ist stark gewachsen. Aus den 14 Jungen sind bis heute mehr als 3.000 Menschen geworden. Die Stiftung ist in der Kinder- und Jugendhilfe, Sozialpsychiatrie, Altenhilfe und Behindertenhilfe an 100 Standorten tätig. Sie ist Trägerin der Wichern-Schule, der Evangelischen Berufsschule für Altenpflege sowie der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie - und hat sogar eine eigene U-Bahn-Haltestelle.

Das kleine Reetdach-Haus, in dem Wichern seinen ersten Adventskranz aufstellte, wird heute als Museum und Tagungshaus genutzt. Es war im Zweiten Weltkrieg durch Bomben und 2003 durch Brandstiftung zerstört und immer wieder aufgebaut worden. Allerdings steht es heute nicht mehr vor den Toren Hamburgs, sondern mittendrin.

epd

Mehr über das Rauhe Haus

Plattdeutscher Adventskalender

Das Bremer Institut für niederdeutsche Sprache hat zum 1. Advent im Internet einen literarischen Adventskalender gestartet.

Auf der Homepage des Instituts erscheinen bis zum Heiligen Abend unter dem Titel „Wünschen“ täglich plattdeutsche Weihnachtsgedichte, erläuterte am Freitag Geschäftsführer Reinhard Goltz.

In 30 Gedichten von 22 Autoren geht es um die Geburt in Bethlehem, um die Krippe, den leuchtenden Stern, Kerzen, Lebkuchen und den Tannenbaum. Auch Bratapfelduft, die Weihnachtsbäckerei und die Melodien des Flötenspielers fehlen nicht.

Die Beiträge kommen aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

epd

Wiehnachtsgedichten op Platt

Kein Adventsstress ...

...so singen Kinder in den vier Wochen vor dem Weihnachtsfest. Eine liebliche Melodie - doch manche stöhnen auf: Jetzt wieder der Stress mit den Weihnachtsgeschenken: „Ich wollte doch eigentlich schon im September beginnen ...“

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