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Bild: epd-Bild

Vom Randphänomen zum Massenhobby

Tagesthema 01. September 2014

Immer mehr Menschen suchen Geocaches

Neben dem leisen Piepton des GPS-Empfängers gibt es noch einen weniger dezenten Hinweis, dass das gesuchte Objekt ganz in der Nähe sein muss. Jessica Harbort deutet auf einen vielbenutzten Trampelpfad, der vom Waldweg abzweigt. „Diese Cacherautobahn ist einfach zu verräterisch“, sagt sie. Tatsächlich findet sie am Ende des Pfades an einer Baumwurzel eine kleine Tupperdose mit einem Büchlein voller Unterschriften darin. Das einstige Randphänomen Geocaching, bei dem mit Hilfe von Satellitentechnik versteckte Behälter gesucht werden, ist längst zu einem Hobby für die Massen geworden.

„Gerade bei diesen oft besuchten Caches braucht man eigentlich gar kein GPS-Gerät mehr für die Suche“, sagt die 34-Jährige Habort, vermerkt ihren Fund im Logbuch und legt den Tupper zurück. Die größte Online-Plattform „geocaching.com“ verzeichnet aktuell etwa 2,5 Millionen versteckte Caches - rund 350.000 davon in Deutschland. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet schlicht Versteck. Das Hobby ist nur lose organisiert, dennoch ziehen Treffen teilweise mehrere tausend Teilnehmer an.

Die Zahl der Aktiven wird allein in der Bundesrepublik auf knapp 260.000 der Schatzsucher beziffert. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Szene der Statistik zufolge hierzulande um 18 Prozent gewachsen. Inzwischen bieten immer mehr Städte und Tourismusverbände auch gewerblich Geocaching-Touren an. So können in der Landeshauptstadt Hannover beispielsweise auf der „Schahatzsuche“ zwölf Caches des Abfallentsorgers aha gefunden werden. Die Region Hannover betreut insgesamt 49 Verstecke für ihre „Ge(o)heimnisse“ und bietet damit die zurzeit weltweit beliebtesten kommerziellen Geocaching-Touren an.

Neben der immer weiter zunehmenden „Cachedichte“ wird besonders diese Kommerzialisierung in Internetforen inzwischen kritisch diskutiert. Der Betreiber des größten deutschen Forums „geoclub.de“, Thomas Mönkemeier, sieht aber auch Vorteile darin. „Geocaching wäre ohne Kommerzialisierung vielleicht schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden“, sagt er. Ohnehin gebe es eine Vermarktung früher oder später bei jedem Hobby.

Die Niedersächsischen Landesforsten haben auf den Massenansturm in die Natur inzwischen reagiert. Auf ihren Webseiten finden sich Verhaltensrichtlinien für Geocacher. „Wir wollen diese neue Form der Erholung im Wald auf gar keinen Fall verbieten“, sagt Sprecher Stefan Fenner. „Wir wollen lieber einen vernünftigen Rahmen schaffen und hoffen, dass unser Anliegen auf fruchtbaren Boden fällt.“

Im Jahr besuchten insgesamt rund 250 Millionen Menschen Niedersachsens Wälder, schätzt Fenner. Ein wachsender Teil davon seien Geocacher. Dass diese Schäden in der Natur anrichteten, sei nicht auszuschließen. „Die Richtlinien sind aber sehr positiv aufgenommen worden“, sagt Fenner. „Der Naturschutz ist in diesem Hobby offenbar wichtig, das freut uns.“ Unter den Waldbesuchern gebe es andere Gruppen, die weit uneinsichtiger seien.

Für Geocacherin Jessica Harbort ist klar, dass es auch in ihrem Hobby „schwarze Schafe“ gibt. Diese dürften aber nicht als Maßstab für alle Geocacher genommen werden. „Das oberste Ziel der Mehrheit ist es, die Natur zu genießen und möglichst alles so zu hinterlassen, wie wir es vorgefunden haben.“

Björn Schlüter, epd

Ein recht junges Hobby

Geocaching ist ein recht junges Hobby, das immer mehr Anhänger findet. Die Idee entstand im Jahr 2000 in den USA. Damals schaltete die US-Regierung eine künstlichen Verschlechterung der Genauigkeit des GPS-Signals ihrer Satelliten ab. Ab sofort konnten private Nutzer mit entsprechender Technik ihre Position nicht mehr nur auf rund 100 Meter sondern auf etwa 10 Meter genau bestimmen - an jedem beliebigen Punkt der Erde.

Der erste Cache überhaupt wurde im Mai 2000 im US-Bundesstaat Oregon ausgelegt und im Internet veröffentlich. Bereits im Oktober 2000 erreichte das Suchspiel Deutschland. Bei einem Fund trägt sich der Geocacher in ein Logbuch ein und versteckt den Behälter wieder dort, wo er ihn gefunden hat. Cache ist ein Lehnwort aus dem Englischen. Seinen Ursprung hat es im französischen cache für Versteck.

Aktuell verzeichnet die größte Online-Plattform "geocaching.com" rund 2,5 Millionen versteckte Geocaches. Allein in Deutschland können zurzeit rund 350.000 Behälter gesucht werden, deren Größe von Knöpfen bis zu Überseecontainern reicht.

Geocaches werden in der Regel nach dem Schwierigkeitsgrad der Wegstrecke und des Geländes sowie dem Schwierigkeitsgrad der Aufgaben unterteilt. Bei manchen Caches ist es nötig, vorab Rätsel zu lösen oder besondere Ausrüstung mitzuführen. Das reicht von der einfachen Taschenlampe bis hin zu Kletter-, Bergsteiger- beziehungsweise Tauchausrüstung oder einem Boot.

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