2014_06_29_schmal

Bild: Wiebke Ostermeier

Lang genug für die Trompete

Tagesthema 28. Juni 2014

Vom Fujiyama nach Bad Iburg,

Michiko Sugizaki - Musikerin mit Leib und Seele - . Bild ' Ralf Neite
Musikerin mit Leib und Seele – Michiko Sugizaki. Bild: Ralf Neite

 „Die Arme sind zu kurz“, befand der Lehrer. Michiko Sugizaki war damals zehn und wollte in der Musik-AG ihrer Grundschule Posaune spielen. Doch am Urteil des Lehrers gab es nichts zu rütteln, ebenso wenig an seiner Entscheidung für eine Alternative: „Du spielst Trompete.“ Dabei ist es geblieben, Michiko Sugizaki lebt davon. Heute ist sie Trompetenlehrerin, ist stellvertretende Leiterin des St.-Marien-Posaunenchors in Osnabrück und Leiterin des Posaunenchors St. Martini in Melle, spielt unter anderem im Blechbläser-Ensemble Complesso di Ottoni und im Orchester Pro Musica Osnabrück. „Geboren bin ich am Fuß des Fujiyama“, erzählt die 39-jährige Musikerin, inzwischen lebt sie in Bad Iburg. Aus der Distanz kann sie die Reaktion des Lehrers ein bisschen nachvollziehen, denn „selbst für japanische Verhältnisse bin ich klein“, ein Meter und zweiundfünfzig Zentimeter, um genau zu sein. Und sie ist froh, dass es die Trompete geworden ist: „Für mich ist sie ist die Königin der Instrumente.“

Jeden Tag, auch samstags

Das zweite Schlüsselergebnis war ein Konzert der Berliner Philharmoniker in Tokio. Damals ging sie in die zehnte oder elfte Klasse, brannte schon lichterloh für die Blasmusik und hatte sich die Oberschule danach ausgesucht, wo sie das beste Sinfonische Blasorchester vorfand. Überwältigt vom Klang der Berliner kam sie nach Hause und teilte ihren Eltern mit: „Ich will Trompeterin werden und in Deutschland studieren.“ „In der Zeit habe ich quasi fürs Blasorchester gelebt“, erzählt Michiko Sugizaki.

Das heißt: Früher aufstehen, um schon vor der Schule eine Stunde üben zu können, weiteres Üben in der Mittagspause, nach dem Unterricht Probe mit dem Schulorchester. Jeden Tag, auch samstags. Und wenn mal Schulunterricht ausfiel, probte halt das Orchestern drei Stunden. „Ich war schon eine ziemliche Außenseiterin in der Klasse“, erinnert sie sich, „aber da sich 90 Prozent meiner Gedanken sowieso um Blasmusik drehten, hat es mich nicht besonders gestört.“

"Irgendwann lasse ich mich taufen."

Über die Partituren der Oratorien, in denen sie mitwirkte, wurde sie neugierig: „Was singen die da eigentlich?“ Da sie noch wenig Deutsch verstand, begann sie die Geschichten in der Bibel nachzulesen. Als sie später begann, Posaunenchor-Nachwuchs zu unterrichten, wuchs das Interesse noch: „Es war mir fast peinlich, dass ich so wenig über die Texte wusste.“ Und so entstand langsam die Idee: „Irgendwann lasse ich mich taufen.“ Der letzte Kick kam mit dem Wunsch, die C-Prüfung zur Kirchenmusikerin zu machen. Ein Pastor, der im St.-Marien-Posaunenchor mitspielte, gab ihr Einzelunterricht und bereitete sie auf die Taufe vor.

„Mit meiner jetzigen Situation bin ich vollkommen glücklich“, sagt Michiko Sugizaki mit einem leuchtenden Lächeln. Die Arbeit als Instrumentallehrerin macht Spaß und ist abwechslungsreich, das eigene Trompetenspiel ist pure Freude geblieben, statt zur Dienstverpflichtung zu werden. „Jetzt kann ich mich auf jede Mugge freuen“, berichtet sie. In die Kirche geht sie oft: zum Gottesdienst, zum Musik machen oder auch einfach zum Nachdenken: „Ich mag die Luft in der Kirche und die Stille sowieso.“

Ralf Neite, www.kultundkom.net

Landesposaunenfest

lapo14
Bild: Michaeliskloster Hildesheim

Geschenkt – unter diesem Motto findet am 19. und 20. Juli 2014 findet in Lüneburg das Landesposaunenfest statt. Über 2.000 Musikerinnen und Musikern werden die Stadt zum Klingen bringen. Machen Sie sich selbst ein Geschenk und seien Sie dabei. Alle Informationen unter www.landesposaunenfest.de.

Landesposaunenfest 2014

„Tagesthema plus“ abonnieren

Anmelden
Abmelden

Wir sind evangelisch

Wir sind evangelisch