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Bild: Patrice Kunte/ Theologie studieren

Die Zukunft der Kirche bauen

Tagesthema 19. Juni 2014

Die Landeskirche Hannovers rechnet damit, dass sich die Zahl ihrer derzeit rund 1800 Pastorinnen und Pastoren nach jetziger Lage bis 2030 halbieren wird. Pastor Mathis Burfien ist dafür zuständig, junge Menschen für das Theologiestudium zu begeistern. Wie er das macht, hat er im Gespräch mit Annika Lukas verraten.

Pastor Mathis Burfien wirbt für das Theologiestudium

Evangelische Zeitung: Sie sind als Pastor damit beauftragt, junge Leute für das Theologiestudium zu begeistern. Wie macht man das?

Mathis Burfien: Das ist die Schlüsselfrage. Zunächst gehört dazu vielleicht die Erkenntnis, dass man nicht viel „machen“ kann.  Man kann selbst begeistert sein und von seinen Leidenschaften für das Studium und den Pfarrberuf erzählen – zum Beispiel davon, dass man mit dem Theologiestudium und in dem Beruf die Möglichkeit bekommt, sich ganz mit dem zu beschäftigen, woran sein Herz hängt. Und das ist sehr viel.

EvZ: Warum haben Sie sich für diesen Job entschieden?

Burfien: Ich liebe den Pfarrberuf. Und ich habe für meine Arbeit immer das Bemühen für wichtig erachtet, andere Menschen auf einen Weg zu bringen, der mit Gott zu tun hat und sie in ihrem Glauben sprachfähig zu machen. Es geht um eine eigene Sprachfähigkeit im Glauben, um dem Hoffen, Sorgen, Glauben, Träumen, Lieben eigene Worte zu geben. Eine Sprachfähigkeit wird sich gleichzeitig Wege suchen, wo diese Sprache Gestalt und Orte finden kann – das muss nicht, aber das kann auch das Theologiestudium. Ich bin dankbar und freue mich, dass meine derzeitige Tätigkeit genau damit zu tun hat.

EvZ: Warum wirbt die Landeskirche so offensiv um Nachwuchs?

Burfien: Die Zahlen sind eindeutig. Wir gehen zurzeit davon aus, dass bei unveränderten Anfängerzahlen im Jahr 2030 zirka ein Drittel der Pfarrstellen nicht sofort zu besetzen ist. Die veränderte Herausforderung, zugespitzt formuliert, lautet also: Nicht mehr: Den Hirten gehen die Schafe aus. Sondern: Den Schafen gehen die Hirten aus.

Für jede Institution ist es wichtig, dass sie eine Vorstellung, eine Vision von der Zukunft hat. Es gibt die schöne Erzählung von Jakobs-traum von der Himmelsleiter. Wer für Kirche tätig ist, der kann nicht traumlos leben. Es sind unsere Träume, wie wir uns Kirche vorstellen und wünschen oder wie wir für die Menschen da sein wollen oder wie es gelingen könnte, mehr Menschen für den Glauben zu interessieren und zu begeistern. Dabei geht es nicht nur um Fragen des theologischen Nachwuchses – aber auch.

Dort, wo Jakob seinen Traum von der Himmelsleiter träumt, wird er später einen Altar aufrichten. Die Gründung dieser Kultstätte, seiner „Kirche“, beruht auf seinem Traum und der Botschaft, die er in jener Nacht von Gott hört: „Ich will dich nicht verlassen.“ Wie schön, darauf die Zukunft von Kirche zu bauen.

EvZ: Warum raten Sie jungen Menschen zum Theologiestudium?

Burfien: Erinnern Sie sich noch an Ihre ers-ten Kinderschuhe? Viele haben sie aufgehoben. Die ersten Schuhe haben etwas Magisches. Sie erzählen vom Stehen auf wackligen Beinen, von ersten unsicheren Schritten, davon, Vater oder Mutter rufen zu hören: „Wer kommt in meine Arme?“ Und man läuft los.
Wir fallen hin in unserem Leben, stehen wieder auf, setzen uns in Bewegung, sind auf Umwegen, Abwegen, Irrwegen. Wegzehrung ist nötig. Wegweiser. Weggefährten an der Seite. Ich würde niemanden zum Theologiestudium überreden. Aber ich möchte gerne jungen Menschen, die an der Schwelle stehen, die überlegen, ob das Theologiestudium etwas für sie sein könnte, ein Wegbegleiter sein, informieren, auch, wenn notwendig, die Angst nehmen und fragen helfen: Was ist dein Weg?

EvZ: Welche Projekte haben Sie entwickelt, um junge Menschen für das Theologiestudium zu begeistern?

Burfien: Zunächst: Kein Projekt kann das persönliche Gespräch vor Ort in den Gemeinden oder der Evangelischen Jugend ersetzen. Deswegen müssen wir alle in der Kirche, jeder und jede – bei leider auch allen Schwierigkeiten – uns begeistern lassen für eine Zärtlichkeit für den theologischen Nachwuchs und für die Werbung für kirchliche Berufe in ihrer ganzen Vielfalt überhaupt.
Ansonsten gibt es eine ganze Bandbreite an Projekten: Das reicht vom Aufbau einer Internetbörse für Schulpraktika bis zum Angebot, zusammen mit professionellen Köchen eine „Volksküche“ für Bedürftige anzubieten - und gleichzeitig über den 'Geschmack des Glaubens' ins Gespräch zu kommen.

Ich komme gerade von einem wunderbaren Seminar „Ich & Ich – Exerzitienkursus im Kloster“. Das nächste Projekt findet vom 5. bis 9. September in der Lüneburger Heide statt, heißt „Hirte werden – Abenteuerkurs Glaube“ und bietet die Möglichkeit, zwei Hirten kennenzulernen: den einen für Schafe und den anderen für Menschen.

EvZ: Wie sind Ihre Erfahrungen mit den jungen Menschen?

Burfien: Die Kirche hat sicher gerade bei der jüngeren Generation einen Teil ihrer Selbstverständlichkeit als Volkskirche eingebüßt. Gleichzeitig sehe ich viele Jugendliche, die aus ihrem Glauben heraus mutig und menschenfreundlich die Gesellschaft mitgestalten wollen. Junge Menschen, die mehr vom Leben erfahren wollen und die sich nicht zufrieden geben mit dem, was uns oft auf der Oberfläche präsentiert wird. 18-Jährige, die sich begeistern lassen, die ihren Glauben feiern oder auch die Stille des Gebets genießen können. Sie bringen ihre eigene Sprache mit. Und ich freue mich darauf, wie sie in all dem die Kirche von morgen gestalten und bereichern werden.

Pastor Mathis Burfin ist mit Leidenschaft Pastor. Und genau von dieser Leidenschaft für seinen Beruf erzählt er jungen Menschen, die über ein Theologiestudium nachdenken.

Theologie studieren

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Theologie studieren - über das Angebot der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Warum studieren Sie Theologie?

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Henrike Rabe

Drei Theologie-Studierende im Spannungsfeld von Wissensdurst, Suche nach religiöser Erfahrung und Gemeindearbeit:

„Hoffnung ist das Federdings, das in der Seele schwingt und die Lieder ohne Worte ohne Ende singt.“ (Emily Dickinson) – Für mich ist dieses Zitat ein Sinnbild für meinen Entschluss, mich für das Studium der evangelischen Theologie entschieden zu haben...

„Bibel und so?“ Nein, es geht nicht nur um „Bibel und so“, sondern auch um praktische Theologie, Systematik, Mission, Ökumene und Religionswissenschaften, Kirchengeschichte, aber auch um das Wissen des Alten und Neuen Testaments. Und die Sprachen darf man natürlich auch nicht vergessen...

Theologie studieren bedeutet längst nicht mehr automatisch den Berufswunsch Pfarrer – viele meiner Komilitoninnen und Komilitonen gehen in die Forschung oder in die freie Wirtschaft, um sich zum Beispiel als Journalisten zu verdingen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wo es für mich später hingehen soll...

Die drei Erfahrungsberichte lesen beim aktuellen Thema der Woche der Evangelischen Zeitung und zudem Landesbischof Ralf Meister und Bischof Jan Janssen zur Frage „Was mir das Studium gebracht hat“

„Theologie ist Anthropologie, das heißt in dem Gegenstande der Religion, den wir griechisch Theos, deutsch Gott nennen, spricht sich nichts andres aus als das Wesen des Menschen.“ Ludwig Feuerbach

Das Studium der Evangelischen Theologie dient in der Regel der Vorbereitung eines pfarramtlichen, bzw. kirchlichen Berufswegs oder einer Tätigkeit als Religionslehrer. Die Beweggründe sind Legion, die junge Menschen zum Studium der „Gotteswissenschaft“ (theologia = „Rede von Gott“), der Frage nach dem Ewigen und nach der Wirklichkeit Gottes führen. Ich selbst habe im Studium Menschen erlebt, die Theologie studierten, weil sie „Gott finden“ oder „über den Glauben etwas erfahren“ wollten, andere, die einfach sagten „Ich will Pfarrerin/Pfarrer werden“ oder aber ein „spannendes Fach“ für die spätere Lehrerkarriere suchten.

Doch werfen wir hier einen Blick auf die Inhalte des heutigen Theologiestudiums, wie wir es an deutschen evangelischen Fakultäten vorfinden.

In aller Regel finden wir den folgenden Fächerkanon bei den Curricula der rund zwanzig theologischen Fakultäten zwischen Hamburg und München sowie der kirchlichen Hochschulen:

  1. Altes Testament (AT) – Hier stehen neben der Geschichte und Religionsgeschichte Israels in seiner altorientalischen Umwelt vor allem die Exegese (Auslegung) der alttestamentlichen Schriften (in den Originalsprachen Hebräisch/Aramäisch) –Pentateuch, Prophetie und die sog. Schriften (Psalmenbuch, Hiob, Kohelet) – im Blickpunkt, begleitet von Fragen zur Ethik und Theologie des AT, der wir in diesen Texten begegnen. 
  2. Neues Testament (NT) – Neben der Lektüre/Exegese der neutestamentlichen Schriften in der Originalsprache Griechisch geht es auch hier um die Frage einer Theologie, Ethik und Hermeneutik (Verstehenslehre) des NT. Bedeutsam sind für diese Hauptgebiete die Geschichte und Literatur des frühen Judentums sowie die Archäologie und Landeskunde des Mittelmeerraumes.
  3. Kirchen- und Theologiegeschichte – In der Kirchengeschichte geht es um die Geschichte der christlichen Theologie, wobei in aller Regel auch soziologische, juristische, wirtschafts-, siedlungs- wie sozialgeschichtliche Aspekte und politische Entwicklungen/Tendenzen sowie die Interaktion der Kirchen untereinander zum Thema werden.
  4. Systematische Theologie (ST) – Aufgabe der ST ist es, die Grundlagen bzw. Voraussetzungen des Glaubens, den Glaubensinhalt (Dogmatik) sowie die Folgen des Glaubens für das menschliche Handeln (Theologische Ethik) systematisch zu bedenken.
  5. Praktische Theologie (PT) – Neben Grundlagen und Geschichte der Praktischen Theologie, Predigtlehre (Homiletik) und Liturgik stehen unter anderem Religionspädagogik, Seelsorge (Poimenik), Pastoraltheologie und Kasualtheorie im Curriculum der PT.
  6. Religionswissenschaft/ Interkulturelle Theologie – Themen sind hier unter anderem: Geschichte und Gegenwart der Religionen, Interkulturelle Theologie/Missionswissenschaft, Methoden der Religionswissenschaft sowie der interreligiöse Dialog. In den theologischen Teildisziplinen werden die Themenschwerpunkte Christentum und Judentum, Genderforschung und Ökumene grundsätzlich als wesentliche Aspekte angesehen.

Der deutsche Theologe August Neander (1789-1850) formulierte: „Pectus facit theologum“, „Das Herz macht den Theologen aus.“ Ohne Leidenschaft für letzte Fragen, für das Wissen um Gott und für die Aktualität der biblischen Texte wird man als Theologiestudierender nicht glücklich. Das Studium der Theologie möchte grundlegend den Sinn für Reflexions-, Methoden- und Handlungskompetenz rund um den Themenkosmos christlicher Überlieferung und Praxis schärfen.

Mich selbst hat im Studium stets auch der Dialog mit anderen Wissenschaften gereizt, der in der Regel in der Systematischen sowie Praktischen Theologie besonders gepflegt wird. Fragen nach neuesten Erkenntnissen der Philosophie, Psychologie und Literaturwissenschaft ebenso wie der Dialog mit der Hirnforschung und der soziologischen Forschung lassen einen als Studenten immer wieder erkennen, wie zeitaktuell und herausfordernd die Beschäftigung mit der christlichen Botschaft ist und bleibt.

Mehr als nur ein Trend scheint mir auch die Beschäftigung mit der Welt der Zeichen (Semiotik) sowie die Dimension der sinnlichen Erkenntnis (Ästhetik) für einen fruchtbaren Dialog mit den anderen Wissenschaften zu sein.

Dr. Thomas Nisslmüller ist Privatdozent an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Fach Praktische Theologie.

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