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Bild: epd-Bild/ Privat

„Alle für Martje“

Tagesthema 17. Juni 2014

Aktionen für Stammzellspenden rufen tausende Menschen auf den Plan

Alle kennen Martje. Zu Hunderten hängen die Plakate mit dem Bild der Sechsjährigen in Geschäften, Schulen und Kindergärten in Osnabrück. Der offene Blick, die blonden Zöpfe, das leuchtend gelbrote Kleid nehmen den Betrachter gefangen. Darüber steht in dicken weißen Buchstaben: „Martje will leben!“

Martje ist krank. Ihr Knochenmark bildet nicht genügend Blutzellen. Nur eine Stammzellspende kann ihr Leben retten. Die weltweite Suche blieb bislang erfolglos.

Deshalb haben Nachbarn, Freunde und Verwandte vor vier Wochen ein Hilfsprojekt gestartet. „Aus diesem Schneeball ist inzwischen eine Lawine geworden“, sagt Bettina Korten-Kröger. Die Freundin der Familie und Mitorganisatorin des Projekts ist überrascht und gerührt: „Die Menschen in der Stadt rücken zusammen, um Martje zu helfen. Das ist ein echtes Gänsehautgefühl.“

Die Bürger waren aufgerufen, am 14. Juni bei einer Typisierungsaktion ihre Gewebemerkmale analysieren und registrieren zu lassen. So soll geklärt werden, ob sie als Stammzellspender für Martje in Frage kommen. Martjes Eltern und Freunde arbeiten dafür mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS mit Hauptsitz in Tübingen zusammen.

So überraschend die große Resonanz für die unmittelbar Betroffenen ist, so vorhersehbar und leicht erklärbar ist sie für Experten. Pro Jahr organisieren Mitarbeiter der DKMS rund 800 Typisierungsaktionen in Deutschland.

Mehr als 1.000 Teilnehmer bei einer Aktion sind keine Seltenheit. Bei der bisher größten ließen sich im Juni 2012 in Salem mehr als 7.300 Neuspender registrieren. Weltweit sind bei der DKMS derzeit rund 4,3 Millionen potenzielle Spender registriert. Wer im konkreten Fall nicht helfen kann, taugt vielleicht später irgendwo auf der Welt als Spender.

„Wenn ein Kind aus der unmittelbaren Umgebung Hilfe benötigt, sind wir schnell bereit etwas zu tun“, sagt Sozialpsychologin Julia Becker. Dies gelte vor allem, wenn es konkrete Handlungsmöglichkeiten gebe. „Wir fühlen uns gut, nachdem wir etwas Gutes getan haben“, sagt die Osnabrücker Professorin.

Korten-Kröger ist bei allem Aktionismus auch ganz nah bei Martje und ihrer Familie. Die Ärztin und Mutter dreier Kinder kann nachfühlen, was sie durchmachen. Die Erkrankung des blutbildenden Systems hat Martje sehr geschwächt. Sie liegt zurzeit in der Klinik. Die Eltern, die noch zwei weitere Kinder haben, sind abwechselnd bei ihr. „Bei alldem hilft es ihnen sehr, zu sehen: sie sind nicht allein.“

Martina Schwager, epd

Die DKMS - Deutsche Knochenmarkspenderdatei

„Hilfe für Martje“

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Collage: HILFE für Martje (Facebook)

Der Unterstützerkreis „Hilfe für Martje“ hat eine eigene Homepage und einen eigenen Facebook-Auftritt. Das Motto der Helfer von nah und fern heißt „Alle für eine“. Korten-Kröger rechnet mit mehr als 3.000 Menschen zwischen 18 und 55 Jahren, die sich in Osnabrück und bei einer parallelen Aktion am vorherigen Wohnort der Familie in Emden als Spender registrieren lassen wollen. Auch mit Geld wollen viele helfen. Eine Typisierung kostet pro Person 50 Euro.

Kindertagesstätten, Vereine und Schulen organisieren Sponsorenaktionen. Geschäfte, Restaurants und Wochenmarktstände spenden Teile ihrer Einnahmen. Trinkgelder in Friseursalons und Eisdielen wandern in eigens gebastelte Sparschweine. Politiker und Feuerwehren rufen zu Spenden auf. Künstler organisieren Benefizkonzerte und -partys.

Alle für Eine - Die Hilfsaktion auf Facebook

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