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Bild: epd-Bild/ Danilo Ramos

Licht und Schatten über der WM

Tagesthema 15. Juni 2014

Hilfswerke beklagen soziale Missstände bei WM-Gastgeber Brasilien

Auch zu Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft haben Hilfswerke soziale Schieflagen im Gastgeberland Brasilien beklagt. Der Hauptgeschäftsführer der katholischen Organisation Adveniat, Bernd Klaschka, kritisierte, die WM in Brasilien koste mit ungefähr zwölf Milliarden US-Dollar so viel wie die Weltmeisterschaften 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika zusammen.

„Für die brasilianische Gesellschaft gibt es im Augenblick wichtigere Dinge“, sagte Klaschka der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dringend nötig seien Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen sowie im Bildungs-, Transport und Gesundheitswesen.

Klaschka kündigte zusammen mit brasilianischen Bischöfen die Übergabe einer Petition an Brasiliens Regierung an. Zu den Unterzeichnern gehörten Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), der frühere Bundespräsident Horst Köhler und die deutschen Kardinäle Reinhard Marx und Karl Lehmann. „Mehr Fairness brauchen insbesondere die Armen“, sagte Klaschka. Viele hätten wegen der Stadionbauten ihre Häuser verloren. „Sie sind keine Zuschauer der Weltmeisterschaft, weil sie die Karten für die Spiele nicht bezahlen können.“

UNICEF beklagte anhaltende Kinderarbeit im größten Land Südamerikas. Fast 640.000 brasilianische Mädchen und Jungen zwischen fünf und 14 Jahren müssten mindestens 28 Stunden in der Woche schuften, etwa in der Landwirtschaft, erklärte das UN-Kinderhilfswerk.

Viele von ihnen gingen nicht zur Schule. In den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro werden den Angaben zufolge Heranwachsende aus armen Familien von kriminellen Gangs als Drogenkuriere rekrutiert.

In Modelagenturen und im Profifußball sind laut UNICEF Arbeitsschutz und Kinderrechte bislang kaum Thema. Eine Studie zeige, dass Jugendliche an vielen Fußballschulen in Brasilien wegen langer Trainingszeiten und vieler Turniere regelmäßig den Schulunterricht verpassten.

Kinder müssen nach Einschätzung von terre des hommes besser vor negativen Auswirkungen von großen Sportereignissen wie der Fußball-WM geschützt werden. Bei der Vorbereitung seien arme Familien und deren Kinder vor allem als Investitionshemmnis und Sicherheitsrisiko gesehen worden, erklärte das Hilfswerk in Osnabrück.

Es hat das europaweite Projekt „Children WIN - Changing the game of Megasporting Events“ (Kinder gewinnen - für einen Wandel bei Sport-Großereignissen) gestartet, das Auswirkungen von Fußballweltmeisterschaften und Olympischen Spielen auf Kinder dokumentieren und Verbesserungen anregen soll.

epd

Fair Play für die Menschen in Brasilien

Fair Play for Fair Life“ – das ist eine Aktion von Brot für die Welt und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Übersetzt heißt das Motto: „Gerechtes Spiel für ein gerechtes Leben“. Nicht nur die eigenen Interessen durchsetzen, sondern auf andere achten, sie stärken und bewusst einbeziehen – das ist auch eine Frucht des christlichen Glaubens. Die Aktion bietet zahlreiche Mitmach-Materialien für Gemeinden und Informationen zur Entwicklungszusammenarbeit in Brasilien und den sozialen Problemen dort.

Mehr über die Aktion und über weitere Wohltätigkeitsprojekte zur WM 2014

Lieber verlieren, als für den Sieg beten

„...Profifußballer, das ist für viele ein Traumjob. Die Öffentlichkeit, in der die Akteure stehen, erzeugt aber auch einen enormen Druck. Die Spieler sollen den Erwartungen des Trainers, des Clubs, der Fans und Journalisten gerecht werden. Es erfordert nicht nur sportliches Können, sondern auch Charakterstärke, um diese Spannung Woche für Woche auszuhalten.

Längst geht es dabei nicht mehr nur um den Sport. Die immer stärkere Ökonomisierung im Profifußball hat den Druck, der auf den Spielern lastet, noch einmal verstärkt. Viele verdienen heute mit am Geschäft rund um den Ball. Und eine Profikarriere ist kurz. Die Aktiven müssen innerhalb von zehn Jahren leisten, wofür andere 30 bis 40 Jahre Zeit haben.

Es gibt tolle Spielerpersönlichkeiten, die bereits in jungen Jahren große Reife zeigen und Rückschläge und Erfolge problemlos verkraften. Es gibt aber auch andere, die sich damit schwerer tun und Begleitung benötigen...“

Volker Jung ist Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

„Leistungsdruck gehört zum Profisport, so wie zu vielen anderen Berufen auch. Beim Fußball findet das Ganze auf einer großen Bühne statt: Spieler und Trainer stehen unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit.

Ihre Leistung wird kritisiert und benotet – durch die Fans, die Medien, die Sponsoren und nicht zuletzt durch den eigenen Verein. Dass sich da der Druck noch einmal erhöht, ist klar...“

Walter M. Straten ist Sportchef der Bild-Zeitung und der Bild am Sonntag

Das Pro & Contra über Glaube und Gott im Profisport Fußball - aus der Sendung „Tacheles“

Tore = Spenden für das Hospiz?

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Hoffen auf viele Tore der deutschen Nationalmannschaft und damit auf eine große finanzielle Unterstützung für das Hospiz: Superintendent Wilhelm Helmers (links) und Pastor Volker Rosenfeld. Bild: Rainer Klöfkorn

Eine besondere Aktion zur WM haben sich die Verantwortlichen des Hospizes zwischen Elbe und Weser ausgedacht: Jedes Tor der deutschen Mannschaft soll Grundlage einer Spende für das neu errichtete Haus in Bremervörde werden. 

Weitere Infos zur Aktion

Freude bei Fußball-Fans

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Zahlreiche Graffiti und Fahnen schmücken die Straßen in Brasilien. Bild: epd-Bild/ Danilo Ramos

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