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Synode hat getagt

Tagesthema 14. Juni 2014

Die Flüchtlingsproblematik war eines der bestimmenden Themen bei der Tagung der hannoverschen Landessynode. Landesbischof Meister mahnte in seinem Bischofsbericht die Verantwortung der Kirche an. Das Kirchenparlament beschloss, Flüchtlingsprojekte in den Gemeinden zu fördern. Am letzten Sitzungstag beschäftigten sich die 75 Synodalen mit Fragen der Kirchenmusik.

Kirchen müssen vernehmbar für Flüchtlinge eintreten

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Landesbischof Ralf Meister berichtet vor der Landessynode. Bild: Jens Schulze

Der hannoversche Landesbischof hat die Kirchen dazu aufgerufen, laut und vernehmbar für Flüchtlinge und die Religionsfreiheit einzutreten. „Es ist unsere Aufgabe, Ungerechtigkeiten anzusprechen“, sagte der evangelische Theologe in seinem Bericht vor der Landessynode in Hannover. Das Thema Migration war ein Schwerpunkt der Tagung des Kirchenparlaments. Der niedersächsische Diakonievorstandssprecher Christoph Künkel warb für eine Erweiterung der kirchlichen Flüchtlingsarbeit.

Das Kirchenparlament stellte in Aussicht, in seinem kommenden Haushalt Mittel für Projekte vorzusehen, mit denen Kirchengemeinden und Kirchenkreise Flüchtlinge unterstützen. Es gebe bereits eine Vielzahl mutmachender Beispiele, sagte Künkel. Zwei Drittel der Menschen, die nach Deutschland kämen, seien Christen. Sie seien eine Bereicherung für die Gemeinden - und gleichzeitig eine Herausforderung. Als Beispiel nannte er die unterschiedlichen Auffassungen mancher Zuwanderer zu Themen wie Frauenordination oder Homosexualität.

Landeskirche will Initiativen in den Gemeinden fördern

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 Dr. Christoph Künkel. Bild: Jens Schulze

Besonders die Hilfe für Menschen ohne Ausweispapiere werde künftig an Bedeutung gewinnen, sagte Künkel. Schätzungen zufolge lebten derzeit in Niedersachsen mindestens 20.000 Menschen ohne Papiere, vor allem in Hannover. „Es geht zum Teil um sehr bedrückende Schicksale von Menschen.“

Der Bischof warb in seinem Bericht zudem dafür, bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll die Bevölkerung einzubeziehen. „Menschen übernehmen nur dann Verantwortung, wenn sie Vertrauen in die Prozesse haben, um die es hier geht.“ Meister vertritt die evangelische Kirche in der bundesweiten Kommission, die eine Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle vorbereiten soll.

Im Weiteren warnte der Theologe davor, die Bedeutung der jüngsten Untersuchung zur Kirchenmitgliedschaft zu hoch zu bewerten. „Wer aus diesen Ergebnissen ein Handlungsprogramm entwirft, wie wir zukünftig Pastoren ausbilden und die Gemeinden aufstellen müssen, welche Leuchttürme neu errichtet und welche alten eingerissen werden sollen, überschätzt diese Analyse kolossal.“

Anfang März hatte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die 5. Kirchenmitgliedschaftsbefragung veröffentlicht. In Niedersachsen gehörten 2011 trotz rückläufiger Werte mit knapp vier Millionen noch immer mehr als die Hälfte der Einwohner einer evangelischen Kirche an, sagte Meister. Doch sei die Aussagekraft der Zahlen mit Blick auf die Lebendigkeit des christlichen Glaubens begrenzt: „Sie sagen nichts über Gott, aber viel über Menschen und deren Fantasie, deren Offenheit oder Scheu, auf religiöse Fragen zu antworten, und ihr Verhältnis zur Kirche zu beschreiben.“

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Nachgefragt?!
Präsident Matthias Kannengießer zum Thema „Migration“

Mit einer persönlichen Bemerkung

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Landesbischof Ralf Meister berichtet vor der Landessynode. Bild: Jens Schulze

... hat Landesbischof Ralf Meister seinen Bericht vor der II. Tagung der Landessynode begonnen:

„Der evangelische Christ Frank Schirrmacher ist gestern überraschend gestorben. Einer der führenden Intellektuellen in Deutschland, der die Öffentlichkeit mit mutigen und weitreichenden Gedanken und Beurteilungen herausforderte, ist tot. Er selbst engagierte sich auch in der Kirche: In einer Predigt vor einigen Jahren in der Fastenzeit zum Thema Zaudern warnte er vor den Folgen des Zauderns. Seine These: 'Das Gegenteil von Zaudern ist Tun.' Er schloss seine Predigt mit einem Zitat des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer:

'Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen, nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens, nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.'

Gott behüte seine Seele und tröste die Angehörigen.“

Nach dieser Erklärung benannte der Landesbischof der hannoverschen Landeskirche, was er in seinem Bischofsbericht ausführen möchte: „Über einen fahrlässigen Glauben an die Zahlen und einen Glauben ohne Christus. Über einen bedeutenden Mittagsschlaf in der jüngeren Theologiegeschichte und das gefährliche Zeugnis unseres Glaubens. Über die Angst vor einer Million Jahre, die Erinnerungen an den 'Großen Krieg', einen Schlüssel aus Ochsendorf, warum das 'Polemonium' im Garten noch fehlt und ich keine Sorge um den Nachwuchs habe.“

Der weitere Bericht des Landesbischofs kann hier nachgelesen werden.
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Bild: Jens Schulze

Die Landeskirche will verstärkt um Kirchenmusiker werben. Mit den jungen Menschen, die derzeit das Fach studierten, könnte nur etwa die Hälfte der frei werdenden Stellen wieder besetzt werden. Noch schwieriger sei es, etwa Organisten im Nebenamt zu gewinnen, sagte der evangelische Oberlandeskirchenrat Klaus Grünwaldt, zum Abschluss der dreitägigen Tagung der evangelischen Landessynode am Sonnabend in Hannover. Die Nachwuchsgewinnung sei ein drängendes Problem.

Die Landeskirche will Grünwaldt zufolge deshalb zunächst auf fünf Jahre befristet insgesamt drei Stellen für Kirchenmusiker schaffen, die speziell den Nachwuchs fördern sollen. Sie könnten zum Beispiel mit Kinder- oder Jugendchören, Bands, Musicalprojekten oder Orgelunterricht Kinder und Jugendliche für die Musik begeistern. Beispielhafte Projekte wie das Programm „Alte Orgeln für junge Menschen“ der Orgelakademie Stade oder den Jugendchor Quilisma in Springe gebe es bereits.

Für die neuen Stellen öffne die Landeskirche ein ursprünglich für Berufsanfänger konzipiertes Programm nun auch für Kirchenmusiker, die bereits länger im Dienst sind, sagte Grünwaldt. Zuletzt hätten sich nicht genügend Berufseinsteiger für die ausgeschriebenen Stellen begeistert. Sie wollten sich zu Beginn ihrer Laufbahn noch nicht spezialisieren und zögen unbefristete Stellen vor. Es sei wichtig, in die Musikvermittlung zu investieren, betonte der Oberlandeskirchenrat: „Das gesamtgesellschaftliche Klima für Musik und Kultur wird schlechter.“

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Mehr Geld soll nach den Vorstellungen des Landeskirchenamtes auch in die Förderung der Popularmusik in der Landeskirche fließen. Bisher hat die Kirche einen Pop-Kantor und einen Gospel-Pastor in Hannover. Im Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik „Michaeliskloster“ in Hildesheim unterrichtet und berät der Kirchenmusikdirektor Wolfgang Teichmann in diesem Bereich.

Zusätzlich könnte Grünwaldt zufolge der ebenfalls am Michaeliskloster angesiedelte Verein „Initiative Jazz, Rock, Pop in der Kirche“ eine Anlaufstelle werden und entsprechend gefördert werden. Er könnte unter anderem Musiker beraten und fortbilden, Bandgründungen begleiten oder Lied-Wettbewerbe initiieren.

epd

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