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Bild: Dieter Sell/ epd-Bild

„Ein Genuss für Leib und Seele“

Tagesthema 03. Juni 2014

Radpilgern auf dem neuen „Mönchsweg“ zwischen Elbe und Weser erschließt Kulturschätze

Der Wind schüttelt die Gäste in der Turmlaterne der historischen Cosmaekirche hoch über den Dächern der Stader Altstadt mächtig durch. Unter ihnen schwingt das größte Glockengeläut im Alten Land, vor ihren Augen ein weiter Blick über Dörfer und Obstbäume bis zum Hamburger Hafen.

Die abenteuerliche Turmbesteigung, teils auf allen vieren, gehört zu den Höhepunkten auf dem Mönchsweg. Er bringt Radler auf einer alten Pilgerstrecke über 190 Kilometer von der Weser in Bremen bis zur Elbe nach Wischhafen. Am Pfingstmontag wird er offiziell eröffnet.

Kein Rennradsport für Profis - Radpilgern lädt zu Pausen ein

In Schleswig-Holstein ist der Mönchsweg zwischen Glückstadt und Fehmarn schon seit 2007 Anziehungspunkt für jährlich Tausende Radtouristen. Seit drei Jahren führt er in Dänemark von Rødbyhavn weiter bis Roskilde. Mit dem niedersächsischen Teil erschließt er nun auf einer Gesamtlänge von 980 Kilometern steigungsarm nicht nur die Landschaft, sondern auch einen wichtigen Teil der kirchlichen Geschichte an Nord- und Ostsee. „Die Route folgt den Spuren der Missionare, die das Christentum in den Norden brachten“, erläutert die Stader Pastorin Sonja Domröse, die mit vielen anderen Partnern aus Kirchen, Kommunen und Touristik den niedersächsischen Teil geplant hat.

Schautafeln an 24 Orten

Ausgangspunkt ist Bremen mit seinem mächtigen St.-Petri-Dom, dem mittelalterlichen „Rom des Nordens“. Papst Gregor IV. hatte dort um 832 Ansgar, den „Apostel des Nordens“, zum Missionserzbischof für die transelbischen Gebiete und Skandinavien bestellt. „Damit wuchs der Domkirche eine historische Aufgabe von europäischem Rang zu, denn die Ausbreitung des Christentums war für Europa konstitutiv“, erläutert der Bremer Historiker Ulrich Weidinger.

Entlang des ersten spirituellen Radfernweges Deutschlands klären allein im Elbe-Weser-Raum Schautafeln an 24 Orten über Sehenswürdigkeiten, historische Hintergründe und Route auf. Wer dem Weg folgen will, achtet auf ein Logo, das die Silhouette einer Kirche in einer geöffneten Pforte zeigt oder programmiert das Fahrrad-Navi einfach mit den kostenlosen GPS-Daten. Für den niedersächsischen Weg seien rund 200.000 Euro investiert worden, bilanziert Koordinatorin May-Britt Müller vom Stadtmarketing in Harsefeld. Beteiligt daran sind neben der EU die Metropolregion Hamburg und viele Kommunen.

Herausgekommen ist eine Route, die nicht nur mehr als 30 Kirchen verbindet, unter ihnen Kleinode wie die leuchtend weiße Barockkirche St. Petri an der Oste. Gleich nebenan können Radler mit einer Fähre über die Oste schweben, wenige Kilometer entfernt Bauernmalereien, historische Orgeln oder das Christkinddorf Himmelpforten bestaunen. Und das sind längst nicht alle Attraktionen.

„Radpilgern auf dem Mönchsweg erschließt verborgene Kulturschätze“, schwärmt Pastorin Domröse und fügt hinzu: „Ein Genuss für Leib und Seele.“ Karl Heinz Brinkmann, Fährmann in Osten, wirbt für „einen Ort des Glücks und der Entschleunigung“. Und meint damit nicht nur das Schweben über die Oste, nach dem sich im benachbarten Fährkrug gut und gerne Spargel, Aal, Scholle oder Matjes essen lässt.

Erfrischende Milch- und Buttermilchshakes

Einzigartig sind Abschnitte wie das EU-Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen, in denen Bekassine, Wachtelkönig, Eisvogel und Fischotter zu Hause sind. Wenig später lockt die Kräuterregion rund um Horstedt mit Attraktionen wie einem Bibelgarten und Europas größter Kräuter- und Duftpflanzengärtnerei. Weiter geht es Richtung Nartum, dem Wohnsitz des verstorbenen und vielfach ausgezeichneten Schriftstellers Walter Kempowski („Tadellöser & Wolff“).

Ein Snack unter Eichen im örtlichen „Melkhus“ gefällig? Auf ihrem Bauernhof bieten Birgit und Klaus Intemann erfrischende Milch- und Buttermilchshakes nebst Quark- und Joghurtspeisen an. Zur nächsten willkommenen Rast lädt gut 20 Kilometer weiter der Park neben dem einst mächtigen Benediktiner-Kloster in Zeven ein. Dann durch den Urwald Braken zum Klosterpark Harsefeld: Dort soll der niedersächsische Mönchsweg am 9. Juni mit einem Festakt offiziell eröffnet werden.

Kultur- und Naturerlebnisse

Durch Europas größtes geschlossenes Obstanbaugebiet, dem „Alten Land“, und entlang der Elbe mit Blick auf haushohe Containerschiffe führt die Strecke nach Stade, mit Bremen die zweite Hansestadt am Pilgerweg. Einst war sie der bedeutendste Hafenplatz an der Unterelbe, weit wichtiger und größer als Hamburg. Doch das Blatt hat sich gewendet. Heute besticht Stade mit einer liebenswerten Fachwerk-Altstadt, zu der eben auch der gelegentlich sturmumtoste Blick von der Cosmaekirche gehört.

Eine letzte Etappe führt über Himmelpforten mit Christkindpostamt und Ganzjahres-Weihnachtshaus auf schier endlos geraden Straßen durch Marsch und Moor nach Hamelwörden und schließlich nach Wischhafen. Wer will, kann hier mit der Elbfähre übersetzen und in Schleswig-Holstein weiterfahren. „Der Mönchsweg verbindet Kultur- und Naturerlebnisse“, fasst Sonja Domröse die Stärken der Tour zusammen und ermutigt dazu, sich schon bald aufs Rad zu schwingen.

Dieter Sell, epd

Radlerfest zur Eröffnung

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Der Radwanderbus zwischen York, Stade und Wischhafen gehört zu den Angeboten, die den neuen Abschnitt des Mönchsweges im Elbe-Weser-Raum komfortabel machen. Bild: Dieter Sell/ epd-Bild

Ein großes Radlerfest eröffnet am Pfingstmontag (9. Juni) das neue Teilstück des „Mönchsweges“, der auf 190 Kilometern von Bremen durch den Elbe-Weser-Raum bis Wischhafen führt. Im Klosterpark Harsefeld startet zu diesem Anlass ein Bürgerfest mit Bühnenprogramm, Festgottesdienst und Konzerten. Um 14 Uhr beginnt ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Stader Landessuperintendenten Hans Christian Brandy und dem leitenden Bremer Theologen Renke Brahms.

Zuvor wollen Hunderte Sternfahrer aus Bremen, Stade und Hamburg die Strecke erkunden und sich auf den Weg nach Harsefeld machen. Wer sich einer Gruppe anschließen will, erhält beim Stadtmarketing in Harsefeld (Susanne Nettkau: 04164/887-132) genauere Informationen.

Von 12 Uhr bis 19 Uhr gibt es Talk und Theater sowie Musik und Unterhaltung auf einer Bühne zwischen Amtshof und St. Marien- und Bartholomäikirche. Durch das Bühnenprogramm führt Tobias Glawion, Chefredakteur des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen (ekn). Weitere Höhepunkte: Das Theater Interaktiwo aus Bremen mit einer „Mönchsweg-Version“ der Bremer Stadtmusikanten und der Bremer Gospelchor Ady and the Zion Community Choir.

epd

Zum Programm der Erföffnungsfeier

190 Kilometer Pilgern auf dem Rad: Die neue Etappe des „Mönchsweges“ führt von Bremen durch den Elbe-Weser-Raum nach Wischhafen und verbindet mehr als 30 Kirchen.

Empfehlenswert sind Touren- oder Freizeiträder, denn auf Waldstrecken geht es über eher rustikale Forstwege, die empfindlichen Rennrädern nicht gut bekommen.

Wer seine Tour mit der Bahn kombinieren will, hat dazu reichlich Gelegenheit. Nach Bremen bieten Orte wie Ottersberg, Harsefeld, Horneburg, Stade und Himmelpforten die Möglichkeit, individuell in die Strecke einzusteigen. Neben den Zügen der Deutschen Bahn helfen auch Metronom, Elbe-Weser-Bahn sowie Regional- und S-Bahn des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) bei der Anreise.

Der Elbe-Radwanderbus im Alten Land

Bis 5. Oktober lässt sich die Tour an Wochenenden und Feiertagen gut mit dem „Moorexpress“ verbinden, der zwischen Bremen und Stade pendelt. Wer sich eine kleine Trampelpause gönnen will, kann überdies entlang der Elbe zwischen Jork im Alten Land und Wischhafen in den dortigen Radwanderbus einsteigen (fährt bis zum 3. Oktober).

Eine kostenlose Broschüre mit Beherbergungsbetrieben und GPS-Daten, Gastronomie, Fahrradwerkstätten und Sehenswürdigkeiten am Weg helfen bei der Tourenplanung, abrufbar auf der Internetseite des „Mönchsweges“. Dort gibt es auch Hinweise über Etappenlängen und Radwanderführer, die den Weg noch genauer beschreiben.

epd

Der Mönchsweg, Reiseplanung, Karte, Service und weitere Informationen

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