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Bild: Jens Schulze

Glaubensgemeinschaft mit öffentlichem Auftrag

Tagesthema 21. Februar 2014

Den ersten Bischofsbericht vor der neu konstituierten 25. Landessynode begann Landesbischof Ralf Meister mit einem Blick auf Martin Luther und dessen Katechismus: „Oh ihr Bischöfe! Wie wollt ihr es vor Christus verantworten, dass ihr das Volk so schändlich habt dahingehen lassen und euer Amt nicht einen Augenblick verwaltet? Dass euch dafür nicht alles Unglück treffe!“ Er sehe in der beißenden Kritik des Reformators auch Fragen, „die man an unsere Lage stellen darf“. Mit diesen Fragen und seinen Antworten beschrieb er die Kirche und damit auch die Landessynode als eine Glaubensgemeinschaft in öffentlichem Auftrag.

Treffen der niedersächsischen Synoden angeregt

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Bischofsbericht des Landesbischofs Ralf Meister vor der Landessynode. Foto: Jens Schulze 

Landesbischof Ralf Meister hat eine gemeinsame große Synode der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen angeregt. Innerhalb der kommenden drei Jahre könnten die Kirchenparlamente sich einmal zu einer solchen Tagung treffen, sagte Meister am Freitag vor der Landessynode seiner Kirche in Hannover: „Wir stehen im gleichen Auftrag, wir arbeiten eng zusammen, wir leben im gleichen Bundesland.“ Dieser Verbindung, die eine lange Geschichte habe, sollten die Kirchen einmal einen besonderen Ausdruck geben.

Die fünf in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen verbundenen Kirchen hatten Ende vergangenen Jahres ihre Zusammenarbeit neu geregelt. Dabei soll unter anderem die Synode der Konföderation ersatzlos wegfallen, in der 48 Parlamentarier bisher die einzelnen Landeskirchen vertreten. Sie wird sich nach ihrer Tagung im März auflösen. Die Idee einer landesweiten gemeinsamen Kirche war gescheitert.

Zur Konföderation zählen die vier evangelisch-lutherischen Landeskirchen Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer. Ein Treffen aller fünf Synoden kann Meister zufolge nicht nur ein Signal des Kennenlernens und der Gemeinschaftspflege sein. Es könne vielleicht sogar zu der einen oder anderen Beschlussfassung führen.

Den fünf Kirchenparlamenten gehören zusammengerechnet rund 280 Frauen und Männer an. Ein gemeinsames Treffen wäre so etwas wie ein kleiner niedersächsischer Kirchentag, sagte der Bischof. Es wäre ein Signal dafür, dass es nicht um landeskirchliche Gebiete gehe, „sondern um die Flamme des christlichen Glaubens in diesem Bundesland“.

epd

Bischof Meister: Inflation an Scheinheiligkeit und Schadenfreude

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Landesbischof Ralf Meister hält seinen Bischofsbericht. Im Hintergrund das Präsidium. Foto: Jens Schulze 

„In unserer Gesellschaft gibt es kein Zuviel an Versöhnung, aber eine Inflation an moralischer Scheinheiligkeit und Schadenfreude.“

Landesbischof Ralf Meister in seinem Bischofsbericht über moralische Verfehlungen von Steuersündern oder Politikern

Der Bischofsbericht im Wortlaut zum Nachlesen

Landesbischof begrüßt Initiative für Reformationstag als Feiertag

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Die Synodalen Franziska Stoellger und Jörn Surborg (beide Sprengel Lüneburg) beim Bischofsbericht. Foto: Jens Schulze

Landesbischof Ralf Meister hat die Initiative niedersächsischer Politiker begrüßt, den Reformationstag wieder generell zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. „Niedersachsen war eines der ersten Bundesländer, das dafür gestimmt hat, dass der Reformationstag 2017 ein einmaliger gesetzlicher Feiertag sein soll“, sagte Meister am Freitag vor der Landessynode in Hannover. Er freue sich über die von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) angestoßene Debatte, den Tag über das 500. Reformationsjubiläum 2017 hinaus zu schützen.

Die hannoversche Landeskirche biete sich an, gemeinsam mit anderen evangelischen Kirchen in Niedersachsen diese Debatte zu begleiten, sagte der Bischof. „Es wird eine politische Entscheidung bleiben, zweifellos. Aber sie braucht eine intensive theologische Diskussion.“ Dabei gehe es nicht um die Profilierung der Protestanten, unterstrich der Bischof: „Es darf keine Selbstbeschäftigung sein, sondern es muss sich eine intensive Dialogstruktur herausbilden, zwischen den Konfessionen und zwischen Gesellschaft und Religionen.“

Der Reformationstag erinnert an den Beginn der Kirchenreformation durch Martin Luther am 31. Oktober 1517. Der Landtag hatte im Januar erstmals darüber diskutiert, diesen Tag wieder generell zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Das Thema soll im Kultusausschuss weiter beraten werden. Niedersachsen hat bisher wie Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein neun gesetzliche Feiertage. Das sind im Vergleich aller Bundesländer die wenigsten.

epd

Das Halleluja

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Landesbischof Ralf Meister. Foto: Jens Schulze 

„Ein Hinweis für die neuen Landessynodalen. Seit meinem ersten Bischofsbericht liegt mir viel daran, immer wieder von der großen Freude in meinem Dienst zu berichten. Dazu könnte ich eigentlich seitenlang schreiben, so voll ist oft mein Herz von den Begegnungen, den Briefen, den Gottesdiensten. Mich erfüllt dabei fast immer die Begegnung mit Menschen. Darüber stimme ich deshalb am Ende jedes Bischofsberichtes ein Halleluja an. Es ist ein dankbarer Ruf für den wunderbaren Gabenreichtum in unserer Kirche.

Auf meine Weihnachtspost gab es in diesem Jahr besonders viele Reaktionen. Besonders bewegt haben mich einige Antworten aus dem Kreis der Pfarrwitwen. Sie hatten, wie alle aktiven und ehemaligen Pastoren und Pastorinnen auch, einen Weihnachtsbrief bekommen. Gerda Meisling, eine Pfarrwitwe, die in einem Pflegeheim lebt, antwortete mir in einer Handschrift, die die große Mühe ahnen lässt, die das Schreiben ihr gesundheitsbedingt mittlerweile bereitet. In ihrem Brief hieß es: „Da unser Pastor hier schon fast ein Jahr krank ist, habe ich hier im Haus die Andachten übernommen. Das sind zurzeit schon über 40 Andachten. Und das mit großer Freude, weil es sonst ausgefallen wäre“. Ihr und all den Männern und Frauen, die jahrzehntelang in der Kirche gedient haben und nicht zuerst nach Zuständigkeit fragen, sondern ihren Glauben zeugnishaft leben, ihnen gehört heute mein dankbares Halleluja.“

Landesbischof Ralf Meister in seinem Bischofsbericht

Mehr über Landesbischof Ralf Meister

Hannoversche Synode beruft erstmals Jugenddelegierte

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Interessiertes Zuhören beim Bischofsbericht: die neuen Jugenddelegierten Jonas Jakob Drude (links) und Claas Goldenstein. Bild: Jens Schulze

Die hannoversche Landessynode hat erstmals zwei Jugenddelegierte in ihr Kirchenparlament berufen. Die beiden Studenten Jonas Jakob Drude (21) aus Göttingen und Claas Goldenstein (20) aus Lüneburg können ab sofort an allen Sitzungen der Landessynode teilnehmen. Sie haben Rederecht, aber kein Stimmrecht.

Drude studiert Evangelische Theologie in Göttingen und Goldenstein Umweltwissenschaften in Lüneburg. Die Landessynode hatte bei ihrer Tagung im November beschlossen, künftig bis zu vier Jugenddelegierte zur Mitarbeit einzuladen. Sie müssen sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagieren und bei ihrer Berufung jünger als 25 Jahre alt sein.

epd

„Kirche ist für mich ein Ort der Inspiration“

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Oberbürgermeister Stefan Schostok (Bildmitte) im Kreis der Synodalen bei einer Abstimmung. Bild: Jens Schulze

Mit Stefan Schostok (49) gehört erstmals ein Oberbürgermeister der Stadt Hannover zur Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. 

epd: Herr Schostok, was reizt Sie an Ihrem neuen Ehrenamt im Kirchenparlament?

Schostok: Das Spannendste ist der Austausch mit den anderen Mitgliedern der Synode über Themen, die Weltliches und Kirchliches verbinden. Für mich ist Kirche immer ein Ort für Besinnung und Inspiration. Sehr wohltuend ist die Art der Argumentation hier. Der Versuch, einen Konsens zu finden, steht sehr weit oben.

epd: Nehmen Sie denn auch etwas mit als Anregung für Ihre Arbeit als Oberbürgermeister?

Schostok: Da gehe ich fest von aus. Sehr faszinierend ist in dieser Amtsperiode der Austausch über Reformation und Politik. Das wird gerade in Hannover, einer Hauptstadt des Evangelischen, wie man so sagt, eine große Rolle spielen. Ich finde faszinierend, dass die Themen, die wir in der Stadtentwicklung in Hannover haben, auch hier auf der Agenda stehen. Wie entwickelt sich eine Stadt, ein Gemeinwesen, eine urbane Region? Da kann man sehr viele Anregungen aus den Diskussionen herausziehen.

epd: Nun ist ja der Job eines Synodalen zeitaufwendig. Sie müssen bergeweise Akten wälzen. Haben Sie denn dafür als Oberbürgermeister genügend Zeit?

Schostok: Meine Erfahrung als Ratsmitglied und als Landesparlamentarier in den vergangenen 15 Jahren ist, dass ich das gut hinbekomme. Man kann hier sehr zielgerichtet durch die Texte, Anträge und Vorlagen gehen. Verpflichtungen für die Landeshauptstadt Hannover haben natürlich Vorrang.

epd-Gespräch: Michael Grau

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