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Bild: Jens Schulze

Reformierte Weltgemeinschaft in Hannover angekommen

Tagesthema 13. Januar 2014

Erstmals hat eine Organisation der weltweiten christlichen Ökumene ihren Sitz nach Deutschland verlegt. Die reformierte Weltgemeinschaft besiegelte am Sonntag mit einem Gottesdienst ihren Umzug von Genf nach Hannover. Land, EKD, die Union Evangelischer Kirchen, lutherische Landeskirchen, der Weltkirchenrat und viele andere begrüßten die Reformierten in der heimlichen Hauptstadt des Protestantismus. 

Präses Schwaetzer: Protestantismus bedeutet Vielfalt

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Brot und Salz zur Begrüßung. Bild: Jens Schulze

Mit einem Festgottesdienst hat die Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen am Sonntag ihren Umzug nach Hannover gefeiert. Der Dachverband von 227 protestantischen Kirchen mit rund 80 Millionen Mitgliedern in 108 Ländern hatte zum Jahresbeginn seine Geschäftsstelle von Genf in die niedersächsische Landeshauptstadt verlegt. Von Hannover aus werde die Weltgemeinschaft „neue Kapitel des Lebens, der Arbeit und des Zeugnisses reformierter Kirchen schreiben“, sagte ihr Präsident Jerry Pillay aus Südafrika in seiner Predigt in der evangelisch-reformierten Kirche.

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Jerry Pillay. Bild: Jens Schulze

Mit der reformierten Weltgemeinschaft verlegt zum ersten Mal eine Organisation der Weltökumene ihren Sitz nach Deutschland. Politiker und Kirchenrepräsentanten hießen den Dachverband in Hannover willkommen. Die evangelisch-reformierten Christen, die sich vor allem auf den Genfer Reformator Johannes Calvin (1509-1564) berufen, gehören zu den großen konfessionellen Zweigen innerhalb des Protestantismus.

Die Weltgemeinschaft hatte aus Kostengründen beschlossen, die Schweiz zu verlassen. Genf gilt als eine der teuersten Städte der Welt. Die Wechselkurse vom Euro und US-Dollar zum starken Schweizer Franken führten zu hohen finanziellen Verlusten, deshalb zog der Verband in den Euro-Raum.

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Für das Land Niedersachsen: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Bild: Jens Schulze

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) begrüßte die Weltgemeinschaft im Namen der Landesregierung. „Hannover wird damit internationaler und spielt in der Liga der Standorte evangelischer Organisationen ganz vorne mit“, sagte sie. Niedersachsen hatte der Weltgemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Als solche kann sie Kirchensteuern beziehen und Beamte beschäftigen.

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hieß Synoden-Präses Irmgard Schwaetzer den Verband willkommen. Mit dem Umzug werde einmal mehr deutlich, „dass Protestantismus Vielfalt bedeutet“, sagte sie. In diese bunte Vielfalt bringe die reformierte Weltgemeinschaft eine ganz eigene Farbe ein.

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Für den Weltrat der Kirchen grüßt Olaf Fyske Tveit. Bild: Jens Schulze  

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, der lutherische Pfarrer Olav Fykse Tveit aus Norwegen, sagte, bei der Einheit der Christen komme es nicht darauf an, „wo wir sind, sondern was wir sind“. Die reformierte Weltgemeinschaft und der Ökumenische Rat hatten in Genf unter einem Dach gearbeitet.

Am neuen Sitz der Weltgemeinschaft, im „Calvin Zentrum“ in Hannover, hat bereits der deutsche Dachverband der Reformierten seinen Sitz. Zudem ist Hannover das Zentrum der deutschen Lutheraner und Sitz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zu der beide Zweige des Protestantismus gehören. Für den Umzug der Weltgemeinschaft nach Hannover hatte sich maßgeblich unter anderem der heutige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eingesetzt, der selbst zur evangelisch-reformierten Kirche gehört.

epd

Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

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Fröhlich feiern - darunter der Kirchenpräsident der Reformierten Kirche, Martin Heimbucher (zweiter von rechts). Bild: Jens Schulze

Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen ist der Dachverband der evangelisch-reformierten Christen in aller Welt. Sie vertritt rund 230 Kirchen mit rund 80 Millionen Mitgliedern in 108 Ländern auf allen Kontinenten. Damit gehört sie zu den großen konfessionellen Zweigen innerhalb des Protestantismus. Zum Jahresbeginn 2014 hat die Weltgemeinschaft aus Kostengründen ihren Sitz von Genf nach Hannover verlegt.

Die Wurzeln der reformierten Kirche liegen in der Schweizer Reformation des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Vätern zählen die Reformatoren Ulrich Zwingli (1484-1531) aus Zürich und Johannes Calvin (1509-1564) aus Genf. Beide setzten auf eine radikale Erneuerung der Kirche. Deutsche Mitglieder der Weltgemeinschaft sind die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer und die Lippische Landeskirche mit Sitz in Detmold. Höchstes Gremium der Weltgemeinschaft ist die Vollversammlung, die sich etwa alle sieben Jahre trifft.

In reformierten Kirchengebäuden gibt es keine Altäre, keine Kruzifixe und keine Wandmalereien, weil das biblische Gebot „Du sollst dir kein Bildnis machen“ sehr ernst genommen wird. Im Mittelpunkt der Gottesdienste steht die Predigt. Zudem herrscht bei den Reformierten ein striktes Gleichheitsprinzip: Keine Gemeinde und kein Gemeindeglied darf einen Vorrang über andere beanspruchen.

In Deutschland wird die Zahl der Reformierten unter den insgesamt rund 24 Millionen Protestanten auf rund anderthalb Millionen geschätzt. Sie sind vor allem in Westdeutschland nahe der Grenze zu den Niederlanden verbreitet. Reformierten Einfluss brachte auch der Zuzug der französischen Hugenotten im 17. Jahrhundert.

Dachverband der reformierten Christen in Deutschland ist der Reformierte Bund mit Sitz in Hannover, der etwa 430 reformierte Gemeinden, Synoden und Kirchen vereint. Weitere große Konfessionsfamilien innerhalb des weltweiten Protestantismus sind etwa die Lutheraner, die Anglikaner, die Methodisten und die Baptisten.

epd

Grußwort der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

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Dr. Stephanie Springer

Für die Landeskirche Hannovers sprache die Präsidentin des Landeskirchenamtes Stephanie Springer das Grußwort

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