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Seit 50 Jahren: Pastorinnen

Tagesthema 13. Dezember 2013

Drei Jahre lang stritt das hannoversche Kirchenparlament einst um die Ordination von Frauen ins Pfarramt. Vor 50 Jahren, am 13. Dezember 1963, machte die evangelische Synode dann den Weg frei für Pastorinnen - mit erheblichen Einschränkungen.

„Unter Wehen geboren”

Während Seine Königliche Hoheit Ernst August Prinz von Hannover im Kirchenparlament vornehm zurückhaltend „ein höchst behutsames Vorgehen“ anmahnt, zeigen andere ihr Entsetzen offen. „Heiratet das Zeug doch weg“, ruft ein Pastor Anfang der 1960er Jahre seinen Amtsbrüdern zu, um die Frau im Talar zu verhindern. Doch vergebens: Vor 50 Jahren, am 13. Dezember 1963, ist es soweit. Nach langen und kontroversen Debatten verabschiedet die hannoversche Landessynode mit vier Enthaltungen ihr Pastorinnengesetz und macht damit Frauen den Weg ins Pfarramt frei.

Drei Jahre lang ist der Gesetzentwurf zuvor in Ausschüssen des Kirchenparlaments abgeschoben, dort liegengelassen und immer weiter verwässert worden. Die Verfechter des Gesetzes beweisen dabei einen langen Atem. „Es ist eine Tatsache, dass jede Neuerung in der Kirche unter Wehen geboren worden ist“, unterstreicht ein Synodaler und blickt weit voraus: „Die Pastorinnen werden ihr Amt im kirchlichen Leben finden. Das Tor muss geöffnet werden.“

Die Frauenordination ist dabei nach Auffassung der Kirchenparlamentarier keinesfalls eine Frage der Gleichberechtigung, wie die Synodenprotokolle der engagiert geführten Debatten zeigen. Der damalige Landesbischof Hanns Lilje bringt es auf den Punkt: „Das Gesetz soll dem Frieden, dem Aufbau der Gemeinden und der Ausrichtung auf das Wort Gottes dienen.“

Ein halbes Jahrhundert später ist der Anteil der Pastorinnen in Deutschlands größter evangelischer Landeskirche auf ein Drittel gestiegen. Von den insgesamt 1.830 Pastorinnen und Pastoren sind 667 weiblich. Beim theologischen Nachwuchs, den Vikaren, stellen die Frauen mit zwei Dritteln bereits die Mehrheit. „In den kirchlichen Leitungsämtern hapert es allerdings noch deutlich“, räumt Landesbischof Ralf Meister ein. „Wir sind aber auf dem Weg.“ Nach der Einführung der ersten Pastorinnen habe es etwa 15 Jahre gedauert, bis sie „auch nur ansatzweise anerkannt wurden“.

Tatsächlich wurden für diese Pionierinnen zunächst besondere „Pastorinnenstellen“ eingerichtet, so dass sich jedes Gemeindemitglied immer auch an einen männlichen Pastor wenden konnte. Die Pastorin trug laut Gesetz „eine dem Talar ähnliche Amtstracht“. Eine Zeitzeugin erinnert sich: „Das war kein modisches Problem, sondern eine Machtfrage.“

Bis 1969 eine Gesetzesreform verabschiedet wurde, mussten die Pastorinnen nach einer Heirat ihr Amt niederlegen. Eine schwangere Frau auf der Kanzel überstieg die Vorstellungskraft der Kirchenmänner. 1978 erst brachte ein neues Pfarrergesetz die völlige Gleichstellung auf dem Papier.

Zu diesem Zeitpunkt wiederholen die Gegner der Frauenordination in Hannovers kleiner Nachbarkirche in Schaumburg-Lippe noch gebetsmühlenartig ihre alten Argumente: Die von Jesus eingesetzten Apostel waren ausschließlich Männer, und man muss Rücksicht auf die römisch-katholischen und orthodoxen Brüder nehmen. 1991 macht die Synode dem Frauenverbot schließlich auch hier ein Ende.

Ein Jahr später wird Maria Jepsen in Hamburg zur weltweit ersten lutherischen Bischöfin gewählt, und Hannovers Landesbischof Horst Hirschler erteilt den Protesten von Fundamentalisten eine klare Absage: „Wenn es Pastorinnen gibt, muss es auch Bischöfinnen geben können.“ 1999 tritt Margot Käßmann dann seine Nachfolge an. Sie schafft es zehn Jahre später als Ratsvorsitzende sogar bis in das höchste Amt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Doch Frauen in Führungspositionen bleiben eine Minderheit in der Kirche.

Mit den heute 40- bis 55-Jährigen gibt es Ralf Meister zufolge nun erstmals eine ganze Pastorinnengeneration, die für Leitungsaufgaben infrage kommt. Ein Gleichstellungsgesetz und ein Mentoring-Programm sollen sie gezielt fördern. Auch familienfreundliche Teilzeitstellen für weibliche und männliche Führungskräfte kann sich der Landesbischof vorstellen. Auf Nachfrage fügt er hinzu: „Für das Bischofsamt müsste das genau überlegt werden. Aber warum sollte das nicht gehen?“

Von Ulrike Millhahn (epd)

Frauenförderung auf gutem Weg

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Knapp 50 Jahre nach der Ordination der ersten Pastorinnen in der hannoverschen Landeskirche sieht Landesbischof Ralf Meister die Frauenförderung auf einem guten Weg. Von den 1.830 Pastorinnen und Pastoren sind zurzeit 667 weiblich. „In den kirchlichen Leitungsämtern hapert es allerdings noch deutlich“, sagte Meister dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zwar habe es mit der Wahl der weltweit ersten lutherischen Bischöfin Maria Jepsen in Hamburg 1992 und sieben Jahre später mit Margot Käßmann in Hannover schon vereinzelt Frauen in Kirchenleitungen gegeben, sagte Meister. Doch mit den heute 40- bis 55-Jährigen sei erstmals eine ganze Pastorinnen-Generation herangewachsen, die für Leitungsaufgaben infrage komme.

Um sie gezielt zu fördern, habe die Landeskirche unter anderem ein Gleichstellungsgesetz beschlossen und ein Mentoring-Programm aufgelegt. "Das sind wichtige Bausteine, um in einem hoffentlich sehr überschaubaren Zeitraum ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auf allen kirchlichen Ebenen zu erreichen", unterstrich der Landesbischof.

In der jüngeren Zeit sei zum Beispiel die Hälfte aller frei werdenden Superintendenten-Stellen mit Frauen besetzt worden, so dass hier jetzt 11 Frauen 42 Männern gegenüberstünden. Im sechsköpfigen Bischofsrat sei mit der hannoverschen Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann allerdings nur eine Frau vertreten.

Meister betonte, er stehe in allen Bewerbungsverfahren persönlich dafür ein, dass wenigstens eine Frau als Kandidatin nominiert werde. Grundsätzlich kann sich der Bischof auch familienfreundliche Teilzeitstellen für Führungskräfte vorstellen.

epd-Gespräch: Ulrike Millhahn

Zur Internetseite „Mentoring für Frauen“

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