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Toleranz als Standpunkt

Tagesthema

Landesbischof Meister: Religion gibt Schülern Orientierung

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Schreiben und ausradieren. Bild: Cordula Paul

Landesbischof Ralf Meister hat sich für mehr evangelische Schulen in Niedersachsen ausgesprochen. „Die Religion ist ein Schlüssel, um Schülern Orientierung zu geben“, sagte er am Freitag beim „Tag für Lehrkräfte“ in Hannover. Evangelische Schulen seien erfolgreich und oft besser ausgestattet als öffentliche Schulen. Zudem stünden sie auch Nicht-Protestanten offen.

Im Religionsunterricht wird Meister zufolge „aufgeklärtes Wissen über die christlichen Religionen vermittelt“. Religion sei zudem das einzige Unterrichtsfach, das grundgesetzlich verankert sei. Künftig müsse der Unterricht noch weiterentwickelt werden, unterstrich Meister. „Wir müssen mehr mit anderen Konfessionen kooperieren.“ Dazu gehöre, die enge Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche noch weiter zu stärken.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hatte die ganztägige Veranstaltung unter das Motto gestellt „Suchet der Schule Bestes: Toleranz als Standpunkt“. Dazu bot sie verschiedene Podiumsdiskussionen und Workshops an.

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Ein Tag für die Lehrer

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„Da kann ja jeder kommen - wie inklusive Schulen das Glück vermehren“ - Pfarrer Rainer Schmidt. Bild: Cordula Paul  

 „Jeder ist mal tolerant und mal intolerant. Ich bin intolerant gegen alles, was Menschen schadet.“ Über Toleranz hat Rainer Schmidt sein Leben lang viel gelernt. Dem Pfarrer und Kabarettisten fehlen von Geburt an beide Unterarme. Mit viel Humor und einem biblischen Beitrag eröffnete er den Tag für Lehrkräfte im Hannoverschen „Congress Centrum“. Die Landeskirche hatte Pädagogen aus ganz Niedersachsen unter dem Motto „Suchet der Schule Bestes – Toleranz als Standpunkt“ eingeladen.

Schmidt erläuterte an der Geschichte von Kain und Abel, dass auch die Bibel viel über (In)Toleranz zu berichten weiß. „Weil Gott Abels Opfer bevorzugte, brachte Kain seinen Bruder aus reinem Neid um“, erklärt der Theologe. Kain - Zeit seines Lebens ein Gewinner – konnte nicht tolerieren, dass auch sein jüngerer Bruder mal Erfolg hatte. „Warum traten sie in Wettbewerb zueinander?“, fragte Schmidt. „Warum haben sie als Brüder nicht zusammen geopfert?“

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„Suchet der Schule Bestes“. Bild: Cordula Paul

Wettkampf, Toleranz, Inklusion und weitere zentrale Schulthemen konnten die Lehrkräfte in den folgenden Stunden in zehn Foren und über zwanzig Workshops besprechen. Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) diskutierte etwa mit Professoren über Bildungsgerechtigkeit. In ihrem Grußwort zu Beginn des Tages erklärte sie, dass Bildung eine unerlässliche Voraussetzung für Toleranz sei und versprach eine „Zukunftsoffensive Bildung“ ihrer Landesregierung.

In einem weiteren Forum sprach der Hannoversche Landesbischof Ralf Meister über die Bedeutung des Glaubens in der Schule. Er setzte sich dabei für den Religionsunterricht ein. Er gebe Schülern eine Orientierung. „In jeder Heiligengeschichte steckt eine Moral und die muss Schülern zugänglich bleiben.“ Der Religionsunterricht müsse jedoch weiterentwickelt werden, forderte Meister. Die Konfessionen sollten hier stärker zusammenarbeiten. Allerdings sei schon die Zusammenlegung von evangelischem und katholischem Religionsunterricht harte Verhandlungsarbeit.

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Die richtige Literatur - Thema „Kichenpädagogik“. Bild: Cordula Paul

Die Göttinger Gymnasialdirektorin Ulrike Koller sagte in dieser Diskussion, dass der gemeinsame christliche Religionsunterricht an Schulen oft schon gelebte Wirklichkeit sei. Sie würdigte ihn als notwendiges Fach, um über Sinnfragen zu diskutieren. „Im Schulalltag ist sonst keine Zeit dafür.“ Allerdings dürfe der Unterricht aus lauter Toleranz nicht immer weiter nach Religionen gesplittet werden, betonte die Pädagogin. Ein konfessionsübergreifendes Fach, das auch Ethik und Philosophie integriere, müsse her. „Es sollte um die Stärkung der Demokratie gehen.“

Landesbischof Meister sprach sich zudem für mehr evangelische Schulen in Niedersachsen aus. Seine Mitdiskutanten widersprachen Meisters Wunsch. Der Landtagsabgeordnete Helge Limburg (Die Grünen) kritisierte das Schulgeld an privaten und Konfessionsschulen. Zudem seien solche Einrichtungen für Atheisten problematisch. „Religiöse Schulen grenzen sich ab, sie behindern damit die Inklusion“, ergänzte Direktorin Koller.

Auch das aktuell wohl dringlichste Thema wurde auf dem Lehrkräftetag besprochen: Inklusion. Laut Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track verändere die Inklusion die Schulen mehr als alle Strukturreformen, die es jemals gab. Jedoch werde sich der Prozess noch jahrzehntelang entwickeln. „Die Veränderungen im Kopf dauern unglaublich lang.“

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Die für Bildungsfragen zuständige Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track im Gespräch mit Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Bild: Cordula Paul

Eine Tanzgruppe zeigte dann während der Abschlussandacht, was gelebte Inklusion bedeutet. Die Sechs Tänzerinnen und Tänzer der Essener Gruppe „Szene 2wei“ zeigten eine anspruchsvolle Show. Die Tänzer mit Behinderung kontrollierten dabei spielerisch ihre nicht-behinderten Tanzpartner immer wieder wie Puppen. „Es ist anrührend mit wie viel Fantasie und Kreativität sie sich auf der Bühne bewegen“, würdigte Gäfgen-Track die Tanzkompanie. Die Oberlandeskirchenrätin ist überzeugt, dass die Kirche mit dem Lehrertreffen „eine Marke“ geschaffen hat. „Der Tag wird von Referendaren und Lehramtsstudierenden immer besser angenommen.“ 

Von Stefan Korinth (Evangelische Zeitung)

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