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Pua und Schifra

Tagesthema 30. November 2013

Gottes-Glanz

Petersen-Griet
Griet Petersen

Vielen Kindern haben sie schon auf die Welt geholfen, die hebräischen Hebammen Schifra und Pua, haben Mütter beruhigt, angefeuert, getröstet, haben jedes Mal neu gestaunt über das Wunder des Lebens und Gott dafür gepriesen. Gerade aber kommen die beiden Kolleginnen nicht von einer Geburt, sondern vom Hof des Pharao. Entsetzt sehen sie aus, aufgeregt und leise reden sie miteinander. „Wie kann der Pharao das nur von uns verlangen, Schifra? ‚Tötet die neugeborenen hebräischen Jungen!‘ Ist ihm nicht selbst einst von einer Hebamme auf die Welt geholfen worden?“ „Ganz offensichtlich plant er, uns endgültig zu vernichten. Er sieht uns als Bedrohung für den Frieden und die innere Sicherheit. Nicht, dass wir Fremden bald die Mehrheit im Land sind und die ägyptische Hochkultur in Gefahr gerät…“ 

„Erst hat er es mit Zwangsarbeit versucht. Städte und Straßen, von hebräischen Sklaven gebaut, sollten seinen Ruhm mehren, während wir dabei zugrunde gehen. Und nachdem das nicht funktioniert hat, benutzt er jetzt ganz raffiniert uns als Werkzeug seiner bösen Pläne. Vielleicht denkt er, wir könnten uns später ja beruhigen mit dem Gedanken: Wir haben doch nur Befehle ausgeführt.“ „Aber dies hier widerspricht allem, wofür wir stehen und woran wir glauben! – Was wird mit uns geschehen, wenn wir uns dem königlichen Befehl verweigern? Ach Pua, werden wir das durchstehen?“ Dann sind sie in den Gassen verschwunden.

Jahre später treffen wir sie tatsächlich wieder – zwei alte Frauen, die sich gut erinnern an den Tag, als der Pharao sie nochmals zu sich rief: „Wie oft ich zurückdenke an diesen Moment. Wir zwei vor dem Pharao, äußerlich ruhig, aber innerlich in Todesangst. Und wie diese Worte uns von irgendwoher zugewachsen sind, auf einmal in unserem Mund lagen: Die Frauen unseres Volkes sind so kräftig – sie gebären ohne unser Zutun.“ „Und er fragt nicht: Wozu brauchen die Hebräerinnen denn dann überhaupt Hebammen? Er nimmt es einfach hin. Er glaubt uns, dass wir hebräischen Frauen kräftiger und stärker sind als die Ägypterinnen. Wie die wilden Tiere gebären sie, haben wir angedeutet. Mit seinen eigenen rassistischen Vorurteilen haben wir ihn geschlagen.“ „Unsere Nachbarinnen haben gelacht, als sie das hörten. Der mächtige Pharao, und lässt sich von euch austricksen.“ „Wir konnten weiterleben. Den Frauen weiter zur Seite stehen, unseren geliebten Beruf weiter ausüben, als Kolleginnen und Freundinnen…“ „Und wir waren schon damals nicht nur zu zweit – Gott selbst war bei uns. Wir haben das gespürt – ja, wir spüren es noch immer in seinem Segen.“

Segensreich ist es bis heute, Schifras und Puas Spuren zu folgen. Wer dies wagt, findet zu denen, die sich fremd fühlen im Lande, die von Hass und Gewalt bedroht sind. Die aus Hunger von zu Hause weggegangen sind wie einst die Hebräer und hier auf Zukunft hoffen. Findet zu den Kindern, die nicht erwünscht sind, aus welchen Gründen auch immer. Und zu dem Kind, das einst nach Ägypten floh, um dem Tod zu entkommen: Jesus.

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 Bild: lvh

Hilfreich könnte es sein, für diesen Weg einen „Hebammenkoffer“ zu packen nach Schifras und Puas Vorbild. Bleibendes Staunen über das Wunder des Lebens gehörte dort hinein ebenso wie unbändige Hoffnung. Kraft, die aus der Gemeinschaft wächst. Respekt am rechten Ort und Respektlosigkeit vor heutigen Pharaonen. Mut zum Widerstand, auch wenn sich die Folgen nicht absehen lassen. Und vor allem: Vertrauen in Gott, der selbst an uns wirkt wie eine kundige, erfahrene, weise Hebamme. Diese Hebamme setzt sich für uns ein rund um die Uhr, bleibt da in den Momenten, in denen wir aufgeben wollen, lässt uns in unserem Schmerz nicht allein und teilt die Freude mit uns, wenn neues Leben aufblüht.

Schifra und Pua – diese Namen bedeuten „Schönheit“ und „Glanz“. Schönheit und Glanz wohnen in unserem Gott. Er sendet sie in unsere Welt, wo wir in seinem Namen Hebammendienste aneinander tun.

Griet Petersen, Pfarrerin der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Nürnberg

Schifra und Pua

Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hieß und die andere Pua: Wenn ihr den hebräischen Frauen helft und bei der Geburt seht, dass es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist's aber eine Tochter, so lasst sie leben. Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben. Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren. Darum tat Gott den Hebammen Gutes. Und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark. Und weil die Hebammen Gott fürchteten, segnete er ihre Häuser. Da gebot der Pharao seinem ganzen Volk und sprach: Alle Söhne, die geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben.

2. Mose/Exodus 1,15-22

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