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Bild: Jens Schulze

Synodale Tätigkeit beendet

Tagesthema 28. November 2013

Die letzte Tagung der 24. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers beendet die Legislaturperiode. Zum Schluss haben die 75 Synodalen die Verfassung geändert und damit die Nähe und Verbundenheit zum Judentum ausgedrückt, einer Verschlankung der Konföderation zugestimmt und ihren langjährigen Präsidenten Jürgen Schneider verabschiedet.

Landeskirche verankert Verbindung zu Judentum in Verfassung

Deutschlands größte evangelische Landeskirche verankert die besondere Verbindung zwischen Christen und Juden in ihrer Verfassung. Die Kirche müsse sich gegen jede Form von Antisemitismus und Judenfeindschaft in Deutschland erheben, sagte Bischof Ralf Meister am Donnerstag vor der Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers: „Sie ist dazu aufgefordert, gegen diejenigen Kräfte zu kämpfen, die Juden und das Judentum diskreditieren“. Der jüdische Landesrabbiner Jonah Sievers begrüßte den Beschluss der Synode. Er ist der erste Rabbiner, der vor dem Kirchenparlament sprach.

Die Synode in Hannover beschloss einstimmig ein Gesetz, nach dem ein entsprechender Passus in die Präambel der Kirchenverfassung aufgenommen wird. Darin heißt es, die Arbeit der Landeskirche geschehe „im Zeichen der Treue Gottes zum jüdischen Volk“. Die Kirche sei „durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden“. Sie achte seine „bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes“. Der Text nimmt auch Bezug auf den Antisemitismus der NS-Zeit: „Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung.“

In den vergangenen Jahren hatten bereits 13 der 20 evangelischen Landeskirchen ähnliche Formulierungen in ihre Verfassungen aufgenommen. Als erste Landeskirche hatte die Evangelisch-reformierte Kirche 1988 die Kirchenverfassung entsprechend ergänzt.

Rabbiner Sievers dankte der Synode für die Verfassungsänderung. „Theologisch wird der Mission unter Juden damit eine Absage erteilt“, sagte er. Dies sei ihm besonders wichtig. Der Wortlaut der hannoverschen Landeskirche gehe dabei noch weiter als der anderer Kirchen in Deutschland.

epd

Erinnerungen

Der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) hat Mitglieder der Landessynode und den Landesbischof gefragt, was sie aus den vergangenen sechs Jahren nicht vergessen werden ...

Verschlankte Kirchen-Konföderation in Niedersachsen besiegelt

Nach mehr als vierjährigen Beratungen haben sich die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen auf eine neue Form ihrer Konföderation verständigt. Als letzte Landeskirche stimmte am Freitag in Hannover die hannoversche Landeskirche einer abgespeckten Version des Verbundes zu. Ihr Parlament, die Landessynode, fasste den entsprechenden Beschluss einstimmig bei einer Enthaltung. Danach soll ab 2015 unter anderem das Parlament der Konföderation ersatzlos wegfallen. Die Idee einer landesweiten gemeinsamen Kirche war gescheitert.

Zuvor hatten die Landeskirchen von Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer einer verschlankten Form der Konföderation ebenfalls nahezu einstimmig zugestimmt. Alle fünf Kirchen wollen im nächsten Jahr einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Die Kirchen repräsentieren zusammen fast vier Millionen Protestanten in Niedersachsen. Davon gehören rund drei Viertel zur hannoverschen Landeskirche.

Bei der Debatte im hannoverschen Kirchenparlament sagte der Synodale Fritz Hasselhorn: „Die Einheit der niedersächsischen Kirchen kann wachsen, aber nicht durch Kündigung, sondern dort, wo wir Gemeinsamkeiten wagen, wo wir gemeinsam Segel setzen.“ Rolf Bade betonte, eine abgespeckte Form sei besser als die Kündigung des Konföderationsvertrags, die ebenfalls erwogen worden war. „Wir wollten und wollen die übrigen Kirchen nicht überwältigen, wir wollen sie aber mit Argumenten von einer Evangelischen Kirche in Niedersachsen überzeugen.“ Jörn Surborg sagte, die neue Form bringe „Bewegung und Fortschritt“, und das sei besser als Stillstand und trotziges Beharren.

Die hannoversche Synode hatte lange darauf gehofft, dass sich die fünf Landeskirchen zu einer „Evangelischen Kirche in Niedersachsen“ zusammenschließen. Dieses Modell scheiterte jedoch am Widerstand der vier kleineren Kirchen. Kritiker vor allem aus der hannoverschen Landeskirche hatten immer wieder einen zu hohen Abstimmungsbedarf zwischen den Kirchen bemängelt. Zudem würden in der Synode der Konföderation kaum echte Debatten geführt.

Der neue Vertrag sieht zahlreiche Vereinfachungen bei der Gesetzgebung vor. Zudem soll der zehnköpfige Rat der Konföderation gestärkt werden. Bei der Zusammenarbeit der Kirchen sollen künftig auch Zwischenschritte möglich sein. So haben etwa bereits in diesem Jahr vier von fünf Landeskirchen ein gemeinsames Diakonisches Werk in Niedersachsen gebildet, an dem sich Oldenburg bisher nicht beteiligt. In zehn Jahren werden die Reformen ausgewertet. Die hannoversche Landeskirche ist mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

epd