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Bild: Stefan Korinth / Evangelische Zeitung

 

Nicht nur Katharina von Bora

Tagesthema 16. November 2013

Wanderausstellung über die Frauen der Reformation

Magdalena v. Staupitz
Der Reformation ein weibliches Antlitz geben: Die Ikonenmalerin Mariana Lepadus zeichnete Porträts der heute nahezu unbekannten Frauen. Hier Magdalena von Staupitz, mit Schülerinnen als charakteristischem Merkmal ihrer Biografie im Hintergrund. Bild: EFiM  

Mit 38 Jahren setzte sie ihre rebellischen Ansichten in die Tat um. Magdalena von Staupitz floh im Jahre 1523 zusammen mit acht weiteren Nonnen adeliger Herkunft aus dem Zisterzienserinnen-Kloster in Nimbschen bei Grimma. Sie ließ Luthers Worten Taten folgen und bildete bis an ihr Lebensende Mädchen aus. Magdalena von Staupitz war eine von vielen Frauen, die der Reformation ihren Stempel aufdrückten, heute aber nahezu vergessen sind.

Sie und elf weitere Frauen des 16. Jahrhunderts werden nun in einer Wanderausstellung vorgestellt. Die Schau „Frauen der Reformation aus aktueller Sicht“ ist noch bis zum 23. November in der Matthäi-Kirche in Hannover-Wülfel zu sehen. Die evangelischen Frauen Mitteldeutschlands (EFiM) hatten die Idee zu der Ausstellung, die zum Reformationstag 2012 in der Marktkirche in Halle an der Saale zum ersten Mal gezeigt wurde. Pastorin Heike Scheiwe hatte sie sich bereits auf dem Hamburger Kirchentag angesehen und dann beschlossen, sie auch in ihre Gemeinde nach Hannover zu holen.

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 Die Sozialpädagogin Doris Riffelmann (links) war eine Patin in der von Carola Ritter (rechts) organisierten Ausstellung. Bild: Stefan Korinth / Evangelische Zeitung

„Die Reformation war das Werk vieler Menschen – von Männern und Frauen“, sagt die leitende Pfarrerin der EFiM Carola Ritter. „Die Leistung der Frauen wurde bislang aber nicht besonders gewürdigt.“ Die meisten Menschen kennen heute nur noch Luthers Ehefrau Katharina von Bora. Um der Reformationsdekade also auch ein weibliches Antlitz zu geben, wollten Ritter und ihr Team heute fast unbekannte Frauen der Reformation nicht nur vorstellen, sondern ihre Biografien mit denen jetzt lebender Frauen in einen Dialog bringen. Sie suchten sich zwölf sogenannte Patinnen (und einen Paten), deren Leben bestimmte Gemeinsamkeiten mit dem der historischen Frauen aufwiesen.

„Ich war sofort begeistert von dieser Frau“, erzählt Doris Riffelmann. Sie ist für die Ausstellung zur Patin von Magdalena von Staupitz (1485-1548) geworden. Diese Form des Patenamtes sei etwas ganz Neues gewesen. „Es gibt ja keine direkte Kommunikation, wie mit einem Patenkind.“ Sozialpädagogin Riffelmann konnte von Staupitz‘ Lebensleistungen nur historisch rekonstruieren. Als frühere Jugendbildungsreferentin der Lippischen Landeskirche mit dem Schwerpunkt Mädchenbildung hatte die Hallenserin trotzdem einen Draht zur historischen Person. „Sie hat Bildung mit Herz und Verstand weitergegeben“, erzählt sie über ihre „Ahnin“.

Tafelbild 4-6
Zusammengestellt ergeben die einzelnen Frauenporträts ein gemeinsames Tafelbild. Bild: EFiM  

Magdalena von Staupitz kam, wie es im Spätmittelalter für adelige Töchter üblich war, bereits als Mädchen in ein Kloster. Das passte jedoch nicht in das von Luther propagierte Frauenbild, schildert Riffelmann. Der Reformator kritisierte, dass Frauen nicht für ein klösterliches Leben geschaffen seien. Sein weibliches Idealbild war das der Ehefrau und Mutter. Von Staupitz setzte Luthers Kritik in die Tat um, floh aus dem Kloster und wurde später zur Leiterin der ersten Elementarschule für Mädchen in Grimma. „Mich beeindruckt die Entschlossenheit, mit der sie Luthers Aufruf folgte“, betont die Pädagogin. Sie habe im reformatorischen Sinne dazu beigetragen, dass Mädchen für ihre Berufung als Ehefrau und Mutter ausgebildet wurden.

Von den meisten Reformatorinnen gibt es keine bildlichen Darstellungen. Deshalb beauftragten die Initiatorinnen die Ikonenmalerin Mariana Lepadus aus Eisleben, die Frauen - jeweils mit einem individuellen Merkmal - zu zeichnen. Die Bilder sind auf den 12 Porträttafeln zu sehen, die zusammen mit sechs Thementafeln die Ausstellung bilden. Die Idee der Schau fanden Frauen in der Partnerdiözese von Halle-Wittenberg im schwedischen Lund so interessant, dass sie die Ausstellung mit einheimischen Reformatorinnen bereits nachahmten.

Von Stefan Korinth

Öffnungszeiten der Ausstellung:

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Noch bis zum 23. November ist die Ausstellung „Frauen der Reformation aus aktueller Sicht“ in der Matthäi-Kirche in Hannover-Wülfel zu sehen. Bild: Stefan Korinth / Evangelische Zeitung  
  • Montag bis Sonnabend 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag 11 bis 13 Uhr,

Finissage am Sonnabend, 23. November, um 18 Uhr, Matthäi-Kirche, Loccumer Straße.

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