2013_11_16

Bild: Jens Schulze

Volkstrauertag

Tagesthema 15. November 2013

Der Toten von Krieg und Gewalt gedenken

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Volkstrauertag. Bild: Jens Schulze

Am Volkstrauertag - in diesem Jahr der 17. November - gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Der nationale Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus findet jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt. Zahlreiche Veranstaltungen und Kundgebungen an diesem Tag sollen auch zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen und zu Toleranz und Frieden aufrufen.

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Erinnern, um nichtb zu vergessen. Bild: Jens Schulze

Der Volkstrauertag wurde in der Bundesrepublik 1952 auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Die Ursprünge des Volkstrauertags reichen bis in das Jahr 1922, als im Reichstag der Weimarer Republik die erste offizielle Feierstunde stattfand. Damals veranstaltete der Volksbund eine Feier, um das Gedenken an die Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu wahren. Die Nationalsozialisten wandelten den Volkstrauertag nach der Machtübernahme 1933 in einen "Heldengedenktag" um, der bis 1945 jährlich im März stattfand.

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Erinnern, um zu mahnen. Bild: Jens Schulze

Zum Volkstrauertag gehören Gebet und Besinnung

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Friedrich Weber

Der Volkstrauertag sollte nach Ansicht des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber zum Innehalten und Beten genutzt werden. „Er sollte verstanden werden als mahnender Tag vor Kriegen und Ausgrenzung, die es gerade in unserem Land in hohem Maße gegeben hat“, sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Dabei müsse auch die Gegenwart in den Blick kommen. „Die Rückbesinnung auf Frieden und Versöhnung haben gerade im christlichen Kontext und im Gebet ihren Platz.“

Der staatliche Gedenktag wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Viele Jahre sei er allein zur Erinnerung an die Kriegstoten genutzt worden. „Es greift aber zu kurz, einfach dabei zu verharren“, sagte Weber.

Auch heute gebe es wieder deutsche Soldaten, die im Einsatz ums Leben kämen. Ihr Auftrag sei es allerdings, für eine freiheitliche und demokratische Lebensform einzutreten und den Frieden zu bewahren. „Vor diesem Hintergrund sollten wir uns stets auch an die Gefährdungen und Gewaltpotenziale erinnern, die uns umgeben.“

So könne der Volkstrauertag dazu beitragen, dass die Menschen die Art und Weise hinterfragten, wie sie mit Konflikten umgehen. "Überall dort, wo jemand unverschuldet zum Opfer wird, sollten wir uns fragen, wie wir unseren Anspruch auf Frieden mit der Realität zusammenbekommen können." Dazu gehörten auch Themen wie die Einwanderungspolitik, Fremdenhass oder die Kluft zwischen Armut und Reichtum.

epd-Gespräch: Björn Schlüter

Ökumenische Friedensdekade

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Plakat

Mit einem Gottesdienst wurde in Münster die bundesweite ökumenische Friedensdekade eröffnet. Unter dem Motto "Solidarisch?" finden an den zehn Tagen bis zum 20. November bundesweit Friedensgebete, Gottesdienste, Informationsveranstaltungen und politische Diskussionen statt. Damit wollen die christlichen Kirchen verschiedener Konfessionen Impulse für Frieden und Gerechtigkeit geben.

"Frieden braucht einen Boden, auf dem er gedeihen kann", sagte die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Münster, Meike Friedrich, in ihrer Predigt im Eröffnungsgottesdienst. Dazu gehörten gerechte, solidarische Lebensstrukturen verbunden mit einer Kultur der Toleranz und der gegenseitigen Verantwortung. Was Solidarität bedeute, habe Jesus bei der Speisung der Fünftausend gezeigt, sagte Friedrich laut Predigttext. "Solidarität heißt: Teilen, was man hat."

Auch die Kirchen müssten sich gegenwärtig die Frage gefallen lassen, was sie mit ihrem Geld machten und wem es zugute komme, so die leitende Theologin des Kirchenkreises Münster. Die Menschen forderten: "Gebt das Geld den Armen." Die Kirchen müssten lernen, "zu denken und zu handeln, wie Jesus es uns vorgemacht hat", sagte Friedrich. Für gerechte Strukturen zu sorgen, sei aber auch eine Aufgabe der Politik. "Denn nur, wenn möglichst viele lernen, mehr an andere und weniger an sich selbst zu denken, werden wir die Grundlage für Frieden in unserer Mitte schaffen."

Seit 1992 werden die zehn Tage vor dem Buß- und Bettag als "Ökumenische Friedensdekade" begangen. Schirmherrin der Friedensdekade 2013 ist Margot Käßmann, Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017.

Mehr über die ökumenische Friedensdekade

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