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Friedhof. Bild: epd-Bild

Weil spenden hilft

Tagesthema 13. November 2013

Fundraising – Kirchen und Hilfsorganisationen kämpfen um knapper werdende Spendentöpfe

Kirche muss die Hand aufhalten

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Pastor Paul Dalby

Haben Sie diesen Monat schon gespendet? – Kratzt es Ihnen an den Nerven, wenn die Spendenbriefe eintrudeln, Spendengalas im Fernsehen oder Radio einsetzen und in den Bahnhöfen die Infostände aufgebaut werden? – Diese Zeit hat gerade begonnen und zieht sich bis Weihnachten. Warum? – Weil noch die christliche Tradition greift, weil das Schenken uns anerzogen ist und das Geben in der kalten Jahreszeit das Herz wärmt. November und Dezember sind die Spendenmonate. Noch. Denn immer mehr Menschen bleiben kühl, weil sie per se nur an sich selber denken. Weil Ihnen auch nichts geschenkt wird, weil sie das Abgeben nie gelernt haben oder weil sie glauben, dass von ihrer Hilfe vor Ort nichts ankommt, sondern alles in Verwaltung versickert. Ausreden gibt es viele – zu Unrecht.

Denn die Not ist groß. Nahrungsmittel- oder Wasserversorgung, Familienplanung oder Bildung. Das sind große Themen auf allen Kontinenten. Jeder Zeitungsleser weiß das – und trotzdem bleibt die Not bestehen. Denn die mit Spenden oder Stiftungen ermöglichte Hilfe stagniert seit Jahren. Manchen Schätzungen zufolge ist nur noch jeder Zehnte bereit, etwas abzugeben, um anderen zu helfen. Früher war es jeder Vierte. Tatsache ist, dass die Zahl der Spendenden sinkt. In der Welt – und demzufolge auch in der Kirche. Oder besser andersherum formuliert: Weil die Zahl der Spendenden in den Kirchen sinkt, sinkt auch die Zahl der Spendenden in der Gesellschaft. Denn religiös gebundene und aktive Menschen sind das Rückgrat des Spendenwesens in allen westlichen Ländern. Insbesondere die aktiven Kirchgänger, die Gottesdienstbesucher helfen, wo sie können. Sie spenden regelmäßig mehreren guten Zwecken, oft auch dauerhaft für ein Kind in Übersee durch eine Patenschaft. Diese Menschen haben jahrzehntelang stillschweigend Gutes – oft mit wenig Dank verbunden – getan. Und werden älter und werden alt und müssen ihre Hilfe einschränken aus wirtschaftlichen Gründen. Wer rückt nach? – Zu wenige, oft auch mit anderen Interessen, mit geringerem Engagement und hohen Erwartungen an die Hilfsleistung à la „Mit meinem Euro rette ich den Regenwald“. Zu wenige und sehr selten von allein. Neue Spender wollen gesucht, gefragt, gewonnen werden.

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Kein Spender, keine Spende, keine Hilfe. Doch die Not bleibt. Was für ein Alptraum.Bild: epd-Bild  

So erhöht sich für die Hilfsorganisationen der Druck, treue Spender zu halten und neue Spender zu finden. Das kostet Geld, erhöht den Verwaltungsaufwand und führt alle Jahre wieder zur medial lautstark begleiteten Suche nach schwarzen Schafen im gemeinnützigen Sektor. Das ist fatal. Denn in einer globalisierten, den Kräften des Marktes unterworfenen Welt spreizt sich die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter.

30 Millionen Millionären stehen Milliarden Arme gegenüber. Nichts wächst so schnell wie der Reichtum. Und mit ihm wächst die Ungerechtigkeit, wächst die Not. Kirchen wie Hilfsorganisationen sind mehr denn je angewiesen auf Menschen mit Herz.

Kirchen wie Hilfsorganisationen haben ihr Spendenwesen professionalisiert, „Fundraising“ ist das inzwischen eingedeutschte Fachwort dafür, damit sie mit den anvertrauten Pfunden effektiv helfen können. Vom einmaligen und mangelbedingten Spendensammeln unterscheidet sich professionelles Fundraising in der Beziehungspflege. Spenderorientierung geht vor Spendenorientierung. Professionelles Fundraising fragt nach den Interessen und Wünschen des Spenders. So entsteht Vertrauen, Bindung und dadurch Nachhaltigkeit.

Doch Effizienz allein wird nicht reichen. Deutschland braucht dringend eine Diskussion über die Zukunft des Gebens, des Teilens und Schenkens. Ohne Weggeben keine Hilfe. Ohne Teilen kein Ende der Not. Deutschland braucht dringend eine Diskussion über Wärme und Kälte einer Gesellschaft, über Ichbezogenheit und Solidarität. Stellen Sie sich vor: Die Kirchen und Hilfsorganisationen schaffen die Weihnachtsaufrufe ab. Nicht weil die Not beendet wäre – sondern weil keiner mehr zuhört, keiner bereit ist, etwas zu geben. Kein Spender, keine Spende, keine Hilfe. Doch die Not bleibt. Was für ein Alptraum.

Von Paul Dalby (aus: Evangelische Zeitung)

Mehr über das Fundraising der Landeskirche

Fundraising – Kein Fremdwort

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Fundraising - Geld sinnvoll einsetzten. Bild: epd-bild

Eine Katastrophe wie der verheerende Taifun über den Philippinen stellt alles andere in den Schatten. Das millionenfache Leid der Menschen berührt auch hierzulande die Herzen. Innerhalb kürzester Zeit gingen erste Spenden auf den Konten der Hilfsorganisationen ein. Gut zu wissen, dass dann, wenn die Not am größten ist, offenbar auch eine Bereitschaft zum Teilen besteht. Denn die ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit mehr. Das bekommen auch viele Kirchengemeinden zu spüren, die sich bei der Suche nach Spendern etwa für eine Kirchenrenovierung seit Langem nach der Decke strecken müssen. So ist der gute alte Klingelbeutel an dieser Stelle längst abgelöst worden durch ein professionelles Fundraising

Mehr zum Thema „Fundraising“ in der Evangelischen Zeitung

Fürs Tabu-Thema Friedhof begeistern

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Friedhof. Bild: epd-Bild

Kommunen und Kirchen können stillgelegte Friedhöfe nach Ansicht der Rechtsanwältin und Fundraising-Expertin Viva Katharina Volkmann nur finanzieren und erhalten, wenn Bürger stärker als bisher einbezogen werden. Sie könnten etwa Patenschaften für historische Grabstellen übernehmen, sagte Volkmann in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst.

Die Betreiber könnten gegen Entgelt geeignete Flächen als Garten-Beete freigeben. Andere Abschnitte könnten sie örtlichen Naturschutz- oder Kulturvereinen anbieten. „Es kommt darauf an, Menschen für das Thema Friedhof, das zunächst ein Tabu-Thema ist, zu begeistern.“

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Friedhof. Bild: epd-Bild

Nur dann ließen sich Gelder oder Spenden akquirieren, die für die Erhaltung notwendig seien. Denkbar sei auch, aus einem Friedhof einen Bürgerpark zu machen, an deren Erhalt sich die Bürger mit Spenden und Eigenleistungen beteiligen, sagte die Leiterin der Fundraising-Abteilung im Annastift Hannover am Rande einer Tagung in Osnabrück. Volkmann referierte dort über „Fundraising mit Friedhöfen“.

In Osnabrück stehen der Hase- und der Johannesfriedhof, beide über 100 Jahre alt, kurz vor der Stilllegung. Die Stadt entwickelt derzeit mit Hilfe der Hochschule und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein Modell zur Nachnutzung, das etwa Naturschutzzonen, einen Rundweg mit Infotafeln, Kultur- und Bildungsveranstaltungen, ein Café, eine Geocaching-Tour, einen Trauergarten oder sogar einen Kinderspielplatz beinhalten könnte.

Zahlen über stillgelegte Friedhöfe in Deutschland oder etwaige Planungen dazu gibt es nicht. Nach Angaben des Verbands der Friedhofsverwalter ist selbst die Zahl von rund 32 000 Friedhöfen in Deutschland nur geschätzt.  Dennoch sähen sich Kommunen und Kirchen als Betreiber von Friedhöfen zunehmend gezwungen, über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachzudenken, sagte Pressesprecher Michael Albrecht.

aus: Evangelische Zeitung

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