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EKD-Synode eröffnet

Tagesthema 10. November 2013

Evangelische Kirche will Leitbild Ehe unterstreichen

Nikolaus Schneider
Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider bei seinem ratsbericht. Bild: epd-Bild

Nach dem Streit über ihr Familienpapier will die evangelische Kirche ihr Verständnis der Ehe klarer herausstellen. Die klassische Ehe solle „Leitbild bleiben, wir wollen aber auch keine Diskrkiminierung anderer Formen“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, am Sonntag zum Auftakt der EKD-Synode in Düsseldorf. Die Kammer für Theologie wurde beauftragt, einen Text zum evangelischen Ehe-Verständnis zu erarbeiten. Das Kirchenparlament diskutiert auf seiner Jahrestagung bis Mittwoch auch über den Umgang mit Flüchtlingen und das kirchliche Arbeitsrecht. 

Mit Blick auf das EKD-Familienpapier räumte Schneider ein, dass die Äußerungen zum Leitbild Ehe darin nicht pointiert genug seien. Hier müsse nachgearbeitet werden. Die Orientierungshilfe wolle Ehe und Familie nicht abwerten, wie dies von Kritikerin bemängelt wurde.

„Wir betonten als Evangelische die Wertschätzung der Ehe zwischen Frau und Mann und verstehen sie als Leitbild“, sagte Schneider in seinem Bericht vor der Synode. „Gleichzeit sprechen wir Alleinerziehenden, Patchworkfamilien und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht ab, dass Menschen darin treu, vertrauensvoll, verantwortlich und liebevoll zusammenleben können.“ Auch diese Formen familiären Zusammenlebens verdienten kirchliche Wertschätzung und Förderung.

Die Vertreter unterschiedlicher Positionen bat der EKD-Ratschef, ihre Haltung nicht zu einer trennenden Bekenntnisfrage werden zu lassen, sondern „im theologischen Gespräch“ zu bleiben. Um das richtige Verständnis biblischer Texte müsse immer wieder neu gerungen werden, dabei führten „Vereinseitigungen“ zu Fehlurteilen.

Konservative Protestanten und Katholiken hatten kritisiert, das im Sommer vorgelegte EKD-Papier „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ entwerte die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau und belaste die Ökumene. Schneider verwahrte sich gegen Darstellungen, die Auseinandersetzung um die Orientierungshilfe habe zu einer Führungskrise in der EKD geführt, davon könne „überhaupt nicht die Rede sein“.

Nikolaus Schneider
Nikolaus Schneider. Bild: ekd.de

In seinem Bericht bat Schneider die Öffentlichkeit um mehr Fairness in der Diskussion über kirchliche Finanzen. Es sei zwar richtig, dass der Umgang der Kirche mit Geld hinterfragt werde. Gerade angesichts des großen medialen Echos sei aber Sachlichkeit geboten, fügte er vor dem Hintergrund der Verschwendungsvorwürfe gegen den katholischen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hinzu. Der Kirche werde nichts geschenkt, sie entlaste vielmehr den Staat.

Änderungen verlangte Schneider in der europäischen Flüchtlingspolitik. „Schutzsuchende haben einen Anspruch auf Zugang zu einem fairen und effektiven Asylsystem, auf welchem Weg auch immer sie Europa erreichen“, sagte er. Flüchtlinge sollten nicht nur in dem Land einen Asylantrag stellen dürfen, in dem sie in der EU ankommen. Zudem müsse die Verantwortung für Schutzsuchende unter den EU-Staaten gerecht verteilt werden.

Vor den Beratungen der Synode demonstrierte die Gewerkschaft ver.di am Samstag abermals für ein Streikrecht kirchlicher Beschäftigter. Mehrere hundert Mitarbeiter gingen am Samstag in Düsseldorf auf die Straße. Das Kirchenparlament soll am Dienstag abschließend über Neuregelungen beraten. Ver.di lehnt die Reformvorschläge ab, unter anderem, weil Streiks in kirchlichen Einrichtungen verboten bleiben.

Die EKD-Synode endet am Mittwoch. Inhaltlicher Schwerpunkt sind die Themen Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft, die unter dem Motto „Es ist genug für alle da“ diskutiert werden.

epd

Aktuelles direkt von der Synodentagung

Beckstein zieht Kandidatur für Präsesamt zurück

Günther Beckstein
Kandidiert nicht mehr: Vizepräses Günter Beckstein. Bild: epd-Bild

Nach zwei Wahlniederlagen zieht der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein seine Kandidatur für das Amt des Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurück. "Ich möchte erklären, dass ich für einen dritten Wahlgang nicht mehr zur Verfügung stehe", sagte der 69 Jahre alte Beckstein am Sonntag vor dem Kirchenparlament in Düsseldorf, ohne eine weitere Begründung zu nennen. Zuvor war Beckstein in zwei Wahlgängen der ehemaligen Bremer Richterin Brigitte Boehme unterlegen.

Die Synode muss die Nachfolge von Katrin Göring-Eckardt regeln. Die Grünen-Politikerin will sich nach vier Jahren im höchsten Laienamt der evangelischen Kirche auf ihre politische Arbeit als Fraktionschefin im Bundestag konzentrieren. Der CSU-Politiker Beckstein war bei der Präseswahl 2009 gegen Göring-Eckardt unterlegen und amtiert seitdem zusammen mit dem rheinischen Oberkirchenrat Klaus Eberl als Vizepräses.

epd

Mehr über die Wahl zum Präsesamt...

„Gott tritt für deine Rechte ein“

Manfred Rekowski
Präses Manfred Rekowski. Bild: epd-Bild

Mit einem Fernsehgottesdienst ist am Sonntagmorgen in Düsseldorf die Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eröffnet worden. In seiner Predigt rief der rheinische Präses Manfred Rekowski dazu auf, auf einen gerechten Gott zu vertrauen. Gott stehe für Gerechtigkeit. „Auch wenn alles dagegen spricht: Gott tritt für deine Rechte ein“, sagte Rekowski in dem vom ZDF übertragenenen Gottesdienst.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland sagte in der Düsseldorfer Johanneskirche, Gott trete für die Vernachlässigten, Gequälten und Vergessenen ein. Er werde Recht schaffen - in jedem einzelnen Leben. 

epd

Mehr für Erhalt der Lebensgrundlagen tun

Hanneore Kraft
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vor der EKD-Synode. Bild: epd-Bild

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) fordert mehr Anstrengungen zum Erhalt der Umwelt. "Wenn wir nicht nachhaltig wirtschaften, wenn die natürlichen Ressourcen der Erde weiter im heutigen Tempo abgebaut werden, dann bedroht das nicht nur unsere wirtschaftliche Basis, sondern unser aller Lebensgrundlagen", sagte Kraft am Sonntag vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Düsseldorf: "Wir müssen darum die Bewahrung der Schöpfung als eine große gemeinsame Aufgabe begreifen und annehmen."

Auch im Einsatz für mehr Gerechtigkeit haben Staat und Kirche nach Krafts Worten eine gemeinsame Verantwortung. Derzeit werde nicht genug getan für eine gerechte Verteilung der Chancen und Lebensgrundlagen. Das gelte für Deutschland wie auch weltweit, sagte die nordrhein-westfälische Regierungschefin und nannte als Beispiele die Flüchtlingsdramen vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa und den Syrien-Konflikt.

Weil Kirche und Staat mit denselben Fragen und Herausforderungen zu tun hätten, sei es gut, "dass wir zusammenarbeiten, dass wir uns austauschen und ermutigen, dass wir Neues wagen und Bewährtes erhalten", betonte Kraft.

epd

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