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Bild: Jens Schulze

Erinnern und Schweigen

Tagesthema 09. Oktober 2013

Mit einem Trauermarsch gedachten Repräsentanten aus Kirche und Politik dem verheerendsten Bombenangriff des Zweiten Weltkrieges auf Hannover

Vor 70 Jahren ging Hannover unter. In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 zerstörten britische Bomberverbände den Stadtkern der niedersächsischen Landeshauptstadt fast vollständig. 1245 Menschen starben, aber der Krieg den die Nationalsozialisten vier Jahre zuvor entfesselten, sollte noch 19 weitere Monate dauern und Millionen Menschenleben fordern. Auch daran erinnerten die Reden und Gebete zum diesjährigen Trauermarsch.

„Nie wieder“ – so lautete der Schriftzug auf dem Boden der Aegidienkirche, den die Teilnehmer des Trauermarsches mit Windlichtern bildeten. Seit der verheerenden Bombennacht steht die Kirchenruine als Mahnmal gegen Krieg im Herzen Hannovers. Das Gotteshaus, wurde wie viele andere Gebäude bei dem schwersten Bombenangriff des ganzen Krieges auf Hannover zerstört. Bei strömendem Regen versammelten sich rund 100 Menschen in diesem Mahnmal, um dem Angriff zu gedenken.

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Bernd Strauch. Bild: Jens Schulze

Bürgermeister Bernd Strauch sagte, das „Nie wieder“ richte sich neben dem 9. Oktober 1943 auch gegen zwei andere Daten. „Es darf nie wieder Tage wie den 30. Januar 1933 oder den 1. September 1939 geben.“ Hitlers Machtergreifung und der Beginn des Zweiten Weltkrieges seien der Ursprung der Bombardierung Hannovers gewesen. „Dieser Krieg war ein unglaublicher Wahnsinn.“

Das lasse sich besonders gut an den Stadtmodellen im Neuen Rathaus erkennen. Das Modell von 1937 zeige eine blühende Stadt mit fast einer halben Million Einwohnern. Das von 1945 hingegen sei eine einzige Ruinenlandschaft in der nur noch halb so viele Menschen lebten. „Gerade Kinder, die das sehen, fragen mich immer wieder: Warum machen Menschen Krieg?“

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Glocke. Bild: Jens Schulze

Auch Stadträtin Marlis Drevermann gedachte der Bombennacht in einem umfassenden historischen Rahmen: „Bevor Hannover in Schutt und Asche zerfiel, hatte die deutsche Luftwaffe ihre tödliche Fracht über Coventry und London abgeworfen.“ Nicht vergessen werden dürfe zudem, dass zahlreiche Tote jener Nacht Häftlinge und Zwangsarbeiter gewesen seien, denen kein Zugang zu Schutzräumen gewährt worden sei.

Im Anschluss sprach der stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich ein Friedensgebet und mahnte: „Wenn Hass und Aberglaube regieren, brennen immer Gotteshäuser.“ Auch weitere Innenstadtkirchen wie St. Clemens oder St. Johannis seien in der Bombennacht zerstört worden.

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Vor dem Landtag - Landesbischof Ralf Meister spricht. Bild: Jens Schulze

Nachdem die Friedensglocke der Aegidienkirche dreimal angeschlagen wurde, ging der Trauermarsch mit Kerzen zum Niedersächsischen Landtag. Auch dieses Bauwerk sei bei einem Bombenangriff zerstört worden, erinnerte Landtagsvizepräsident Karl-Heinz Klare (CDU) auf der Säulentreppe vor dem Parlament. „Das Gebäude ist auch eine Mahnung, wie totalitäre Regime eine Welt in den Abgrund stürzen können.“ Gedenken wie die heutige Schweigeprozession seien wichtig, gerade weil es nur noch wenige Zeitzeugen gebe.

Im Anschluss forderte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, die Ruinen und die Schuld von damals sollten eine immer bleibende Mahnung sein. Er fürchte sich vor dem Tag, an dem es wieder Menschen gebe, die sich frei von Schuld fühlten und meinten, Trümmer zur Mahnung nicht mehr zu brauchen. „Aber ohne diese Ruinen kann man die Geschichte nicht erzählen.“ Meister erinnerte an Jesu Aufruf zum unbedingten Friedenswillen und schloss: „Das Getane um den Frieden wird niemals vergeblich sein.“

Der Marsch endete in der Marktkirche, wo ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten wurde und das Gedenken mit dem Läuten der Totenglocke beschloss.

Von Stefan Korinth (Evangelische Zeitung)

Ruinen sind bleibende Mahnung für Frieden

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Auf dem Weg. Bild: Jens Schulze

Mit einer Schweigeprozession haben Menschen in Hannover der Zerstörung der Stadt durch britische Bomben vor 70 Jahren gedacht. Die Menschen dürften „nicht aufhören, an die Zeit zu erinnern, als die Bomben auf Europa fielen, ausgelöst vom deutschen Wahn, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei“, sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister laut Redemanuskript. Er sprach bei einem Stopp auf der Säulentreppe vor dem niedersächsischen Landtag, dem ehemaligen Stadtschloss.

In der Nacht zum 9. Oktober 1943 flogen britische Bomber den schwersten Luftangriff auf die Industriestadt Hannover. Dabei kamen 1.245 Menschen ums Leben. Rund 250.000 wurden obdachlos. Das Stadtzentrum mit dem Schloss und die Südstadt wurden zu großen Teilen zerstört.

Die Ruinen von damals seien eine „immer bleibende Mahnung für jeden von uns“, sagte Meister. Sie machten auch sensibel für die vielen Orte von Krieg und Gewalt heute: „Die Flüchtlingskatastrophe von Lampedusa zeigt uns aktuell, wie sehr wir gemeinsam in der Verantwortung stehen für den Frieden in der Welt.“

Der Schweigemarsch mit Kerzen begann in der Ruine der 1943 zerstörten Aegidienkirche, die heute als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung dient. Angemeldet waren bis zu 120 Teilnehmer. Bürgermeister Bernd Strauch (SPD) erinnerte dort an die Bombennacht. Vor dem Landtag sprach auch der Vizepräsident des Parlaments, Karl-Heinz Klare (CDU). In der Marktkirche schloss sich am frühen Abend ein ökumenischer Gottesdienst an. In mehreren Innenstadtkirchen läuteten die Totenglocken.

In Hannover produzierten im Zweiten Weltkrieg mehrere Unternehmen Teile für Fahrzeuge, Flugzeuge und U-Boote der Wehrmacht. In der verheerenden Bombennacht vom 9. Oktober warfen 540 britische Flieger 1.660 Tonnen Brand- und Sprengbomben ab. Bis Kriegsende forderten 125 Luftangriffe in Hannover insgesamt 6.782 Todesopfer.

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