2012_09_02

Erstrahlt in neuem Glanz

Tagesthema 22. September 2013

Dreizehn Jahre dauerte die Sanierung von Deutschlands größter Holzkirche im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld. Jetzt erstrahlt das Kulturdenkmal in neuem Glanz. Die Marktkirche zum Heiligen Geist gilt als europaweites Vorbild ihrer Zeit.

Größte Holzkirche Deutschlands strahlt in neuem Glanz

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Kirche in Clausthal-Zellerfeld. Bild: Wiebke Ostermeier  

Deutschlands größte Holzkirche, die Marktkirche zum Heiligen Geist in Clausthal-Zellerfeld, erstrahlt in neuem Glanz: Nach 13 Jahren Bauzeit ist die Außensanierung für 9,3 Millionen Euro abgeschlossen. Die Predigt in einem Festgottesdienst am Sonntag hielt der Präsident der Klosterkammer Hannover, Hans-Christian Biallas. Er bezeichnete das ganz in blau gestrichene Gebäude als „außergewöhnliches Baudenkmal für die gesamte Harzregion und weit darüber hinaus“.

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Die „Marktkirche zum Heiligen Geist“im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld. Bild: Hans-Jörg Hörseljau / epd-bild  

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister betonte die „überragende Bedeutung“, welche die im Jahr 1642 eingeweihte Kirche im Stadtteil Clausthal immer hatte: „Das Anläuten war über Jahrhunderte unverzichtbarer Pulsgeber für die Abläufe im Bergbau, und der Kirchenraum wurde für viele Generationen zur gottesdienstlichen Heimat.“

Die Marktkirche ist nach Angaben des Sprengels Hildesheim-Göttingen heute ein Zentrum der Kirchenmusik und Heimstätte zahlreicher Chöre und Ensembles. Mit jährlich rund 30.000 Besuchern sei sie ein touristisches Aushängeschild im Harz.

Die Baukosten werden zu 60 Prozent von der evangelischen Kirche getragen. Zudem beteiligen sich neben der Klosterkammer das Land Niedersachsen und der Bund, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und weitere Stiftungen. Allein die Sanierung des Glockenturms, der komplett ab- und wieder aufgebaut werden musste, habe mit 2,45 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Die Kirchengemeinde und die Stiftung Marktkirche wollen künftig auch den Innenraum renovieren und die Orgel erneuern.

epd

Sanierung von Deutschlands größter Holzkirche beendet

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Nach 13 Jahren ist die Außensanierung an Deutschlands größter Holzkirche für fast zehn Millionen Euro abgeschlossen. Bild: Hans-Jörg Hörseljau / epd-bild  

Mit bloßen Händen haben Handwerker in den vergangenen Jahren Deutschlands größte Holzkirche abgeschliffen. Dreizehn Jahre wurde die evangelische „Marktkirche zum Heiligen Geist“ in der Harzstadt Clausthal-Zellerfeld sorgfältig von außen saniert. Fast zehn Millionen Euro hat die Kirchengemeinde mit Hilfe von Zuschussgebern investiert. Am Wochenende hat die Gemeinde den Abschluss mit einem Festprogramm gefeiert.

Die Marktkirche im Harz zählt neben Fachwerkkirchen oder sogenannten Notkirchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden, zu den wenigen erhaltenen Holzkirchen in Deutschland. Der Bau, der lange Zeit als „größte Holzbude Deutschlands“ verkannt wurde, gilt mittlerweile als europaweites Vorbild seiner Zeit, sagt Restaurationsleiter Bernhard Gisevius. Seit 2005 ist die Kirche ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.

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Die Kirche wurde im Jahr 1642 durch die Clausthaler Bergleute errichtet, die durch den Abbau von Silber reich geworden waren. Bild: Hans-Jörg Hörseljau / epd-Bild  

Die Clausthaler Bergleute, durch den Abbau von Silber reich geworden, errichteten sich mit der Marktkirche im 17. Jahrhundert einen Prestigebau, erläutert Gisevius. Wie aus Stein sollte die Architektur majestätisch auf dem weiten Marktplatz wirken. Da geeignete Steine für den Bau in der Region nicht vorhanden waren, nahmen die Bürger Holz. Doch die Kirche erhielt nach ihren Anfangsjahren in blauer Farbe einen steingrauen Anstrich, der über Jahrhunderte immer wieder erneuert wurde.

Seit der Sanierung erstrahlt sie erneut in kräftigem Blau. „Das hat zunächst viele Anwohner irritiert“, erzählt Gisevius. Damit ähnele die Kirche wieder dem ursprünglichen Anstrich zur Zeit der Erbauung vor fast 400 Jahren.

Von Charlotte Morgenthal (epd)

Als kleiner Junge zum ersten Mal gesehen

Ganze Wälder seien für den Kirchbau, der im Jahr 1642 geweiht wurde, abgeholzt worden, erzählt Gisevius. Allein der Turm ist aus 56 Tonnen Holz gebaut. Wie aus Stein wirken auch die glänzenden Säulen und Figuren am Altar, der bis zur Orgelempore reicht. Doch auch sie sind aus Holz, zunächst aufwendig geschnitzt und später bemalt. „Dies ist Kunst auf oberstem europäischem Rang und ein Wunderwerk technischer Holzkonstruktion“, erzählt der Restaurationsleiter stolz.

Als kleiner Junge trat Gisevius das erste Mal an Weihnachten 1945 in die mit rund 2.000 Menschen gefüllte Kirche. „Das war überwältigend.“ Seit einigen Jahren engagiert sich der heute 72-Jährige gemeinsam mit dem Kirchenvorstand ehrenamtlich für den Erhalt des Gebäudes. Schon vor ihm haben sich die Bewohner Clausthals immer wieder für ihre Kirche eingesetzt. „Menschen haben während Brandkatastrophen ihre Häuser abbrennen lassen, um die Kirche zu retten.“

„Pulsgeber für die Abläufe im Bergbau“

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister betont die „überragende Bedeutung“, die die Kirche im Stadtteil Clausthal immer hatte: „Das Anläuten war über Jahrhunderte unverzichtbarer Pulsgeber für die Abläufe im Bergbau, und der Kirchenraum wurde für viele Generationen zur gottesdienstlichen Heimat.“

Und die Anwohner hätten sich auch mittlerweile der neuen Farbe angefreundet, sagt Gisevius. „Auf einem silbergrauen Platz geht eine graue Kirche einfach nicht.“ Schließlich gilt Blau auch Symbolfarbe des Heiligen Geistes, dessen Name die Kirche trägt.

Von Charlotte Morgenthal (epd)

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