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Bild: Ausstellung - Gesichter des Christentums.

Vielfalt als Gewinn

Tagesthema 08. September 2013

Ausstellung porträtiert zugewanderte Christen in Niedersachsen

Rund um den Flügel und an den Tischen haben sich rund 30 alte Damen versammelt. Kulturreferent Stephen Essah steht mitten unter ihnen. Der 56-Jährige fällt auf. Im Diakonie-Wohnstift für Senioren in Osnabrück ist der gebürtige Ghanaer der Einzige mit schwarzer Hautfarbe. Er spielt mit den Bewohnern Karten und Bingo, kegelt, unternimmt Ausflüge, trainiert ihr Gedächtnis und liest mit ihnen in der Bibel. Er steht beispielhaft für viele in Niedersachsen lebende Christen, die nicht in Deutschland geboren sind.

Essah ist einer von 16 Menschen, die in der Wanderausstellung „Gesichter des Christentums“ porträtiert werden. Die Schau ist ein Projekt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen. Der Schirmherr, Landesbischof Ralf Meister, wird sie an diesem Sonntag in Osnabrück eröffnen. Fotos und persönliche Gegenstände der Porträtierten werden bis zum 17. Oktober im katholischen Forum am Dom zu sehen sein und im Anschluss durch weitere niedersächsische Städte touren.

Unter den Zuwanderern in Deutschland seien viel mehr Christen als Muslime, sagt der Projektleiter der Landeskirche, Pastor Dirk Stelter aus Hannover. Doch deren Religion werde häufig als Störfaktor betrachtet: „Dabei kann der Glaube eine positive und produktive Rolle bei der Integration spielen.“ Migrantengemeinden, egal welcher Religion oder Konfession, gäben Neuankömmlingen Hilfestellungen im Alltag und emotionale Stabilität, sagt Stelter: „Der christliche Glaube ist darüber hinaus noch eine Brücke zwischen denen, die kommen, und denen, die hier sind - Stephen Essah ist dafür ein wunderbares Beispiel.“

Heute ist Singkreis. Essah gibt eine Seitenzahl vor. Die Damen blättern eifrig. Dann stimmt er „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ an. Den Anfang und das Ende der wöchentlichen Singstunden aber bilden immer Lieder aus dem Gesangbuch. Denn Essah ist auch ehrenamtlicher Pastor einer afrikanischen Pfingstgemeinde und leidenschaftlicher Christ: „Das ist meine Berufung und das hat mir geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen.“

Die Wohnstift-Bewohner sind begeistert - und erstaunt, dass einer wie Essah mit ihnen deutsche Volks- und Kirchenlieder singt. Er hat sich die Texte und Melodien selbst erarbeitet: „Ich helfe, wo Hilfe gebraucht wird“, sagt er und lacht. Seine Fröhlichkeit ist ansteckend.

Pastor Essah und die anderen „Gesichter des Christentums“ sollen zeigen, wie vielfältig der christliche Glaube in Deutschland geworden ist, betont Initiator Stelter: „Das globale Christentum ist bei uns angekommen.“ In Niedersachsen lebten eben nicht nur Protestanten und Katholiken, sondern auch Baptisten, Mennoniten, Pflingstler oder Orthodoxe: „Wir wollen diese Vielfalt als Gewinn wahrnehmen und Zugewanderte nicht nur als Objekte unserer Fürsorge betrachten. Sie sind Menschen, die Kirche und Gesellschaft mitgestalten.“

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Für Danijela Matic ist die serbisch-orthodoxe Kirche in Osnabrück ein Stück Heimat. Bild: epd-Bild

Auch Danijela Matic zeigt in der Ausstellung ihr Gesicht. Sie verbeugt sich tief vor der Ikone der Mutter Gottes. Ihre Hände berühren den Boden in der reich geschmückten serbisch-orthodoxen Kirche in Osnabrück: „Das machen wir aus Ehrfurcht, wenn wir die Kirche betreten“, erklärt die 30-Jährige. Die Studentin arbeitet ehrenamtlich in der Gemeinde, sammelt Spenden für Hilfsprojekte, bereitet Feste vor, die immer im großen Saal mit der ganzen Gemeinde gefeiert werden.

Martina Schwager (epd)

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