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 Illustration: Dorothee Krämer, Esslingen

Gemeinschaft der Heiligen

Tagesthema 04. September 2013

Im Glaubensbekenntnis ist sie fester Bestandteil: die Gemeinschaft der Heiligen. Sonntag für Sonntag bekennen Lutheraner deutschlandweit ihren Glauben an sie. Was aber meint dieser Teil der Liturgie? Die „Evangelische Zeitung“ hat Kirchenleitende nach ihrer Auslegung gefragt.

Die „Evangelische Zeitung“ fragte die Kirchenleitenden, was für sie die „Gemeinschaft der Heiligen“ ist

„Ich bin ein Heiliger“

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Gerhard Ulrich ist Bischof der Evangelischen Kirche in Norddeutschland. 

„Die ‘Gemeinschaft der Heiligen’ – das sind alle, die ‘zu Gott gehören’, so heißt ‚heilig‘ übersetzt“, sagt der Nordkirchenbischof Gerhard Ulrich. Er ergänzt: „Es sind also all jene, die getauft sind, die sich berühren lassen von Gott, die streiten für Frieden und Recht und Gerechtigkeit, die seiner Verheißung folgen, dass nichts bleibt, wie es ist; die mit der Frechheit des Glaubens fröhlich in Hoffnung sind; und die so vernünftig sind, der Unvernunft des Glaubens vernünftigerweise mehr zu vertrauen als allen klugen Konzepten dieser Welt; die verrückt genug sind, davon auszugehen, dass Gott selbst diese Welt ver-rücken wird durch unsere Visionen, für die wir nicht zum Arzt gehen...“

Heilige sind keine Solisten

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Dieter Rathing ist Landessuperintendent für den Sprengel Lüneburg. 

Dieter Rathing, Landessuperintendent für den Sprengel Lüneburg sagt: „Keiner sieht es mir an. Ich selber kann es von mir auch kaum glauben. Nichts, was ich denke, weist darauf hin. Nichts, was ich tue, qualifiziert mich dafür. Aber ich bin es. Ich bin ein Heiliger. Ich bin es nicht allein. Heilige gibt es nicht als Einzelstücke. Sie sind niemals Solisten. Heilige kommen nur im Haufen vor. Sie sind immer in Gesellschaft. In guter oder in schlechter. Wer weiß das schon wirklich, wo die Guten sind und wo die Schlechten. Die ‘Gemeinschaft der Heiligen’ ist ein gemischter Haufen. Er kennt keinen Mitgliedsausweis. Man gehört nicht dazu, wenn man was zählt oder was zahlt. Die Kirche und die Gemeinschaft der Heiligen sind nicht eins. Aber in der Kirche höre ich, wer zur Kirche dazugehört. Martin Luther sagt: ‘Das weiß ein Kind von sieben Jahren: nämlich die Schäflein, die seine Stimme hören.’ Das ist die ‘Gemeinschaft der Heiligen’. Keinem sieht man es an. Kaum einer kann es von sich glauben. Jeder muss es sich sagen lassen. Immer wieder. Ich bin, du bist ein Heiliger, wenn wir Jesu Stimme hören.

Zu Gott gehörig

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Jan Janssen ist Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg.

„Im Konfirmandenunterricht habe ich für heilig die Übersetzung zu-Gott-gehörig kennen gelernt – sie leuchtet mir auch heute ein.“, sagt Oldenburgs Bischof Jan Janssen: „Gott entscheidet dabei selbst, wer oder was heilig zu nennen ist. Diese Heiligen gehören nun allerdings auch zusammen und sollten auch uns heilig sein, so verschieden sie auch sein mögen. Dieses Miteinander der Zu-Gott-Gehörigen bedeutet keine Einheitlichkeit, Konfessionalität oder gar Uniformität, sondern Akzeptanz der Artenvielfalt der von Gott geschaffenen, versöhnten und geheiligten Geschöpfe. Dazu übersteigt es sämtliche menschlichen Sortierungen und Definitionen in Zeit und Raum. Diese Gemeinschaft schließt die Vielfalt von Sprachen, Kulturen und Völkern, auch die Verschiedenheit von Epochen und Generationen in Vergangenheit und Zukunft und – gebe es Gott! – auch die von Religionen, Kirchen und Theologien mit ein. Auf diese Zusammengehörigkeit der Zu-Gott-Gehörigen vertraue ich – und spreche so in der Zuversicht wie im Zweifel das Glaubensbekenntnis mit.“

Die Gemeinschaft ist größer

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Ingrid Spiekermann ist Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover.  

„Das fehlt gerade noch: Kirche als ‘Gemeinschaft der Heiligen’. Ich glaube, ich stehe im Wald. Da gehe ich lieber in diesen und bin mit meinem Gott allein. So denkt mancher Zeitgenosse, wenn er denn an Gott denkt. Wer kann es ihm verdenken?“, gibt Ingrid Spieckermann, Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover zu Bedenken. „‘Gemeinschaft der Heiligen’. Gerade darum ist mir der fremde Begriff Trost und Herausforderung. Ich denke daran, wenn ich einem verzweifelten Menschen sage: Du stehst nicht allein. Du stehst, selbst wenn du jetzt nicht glauben kannst, in der Gemeinschaft derer, die mit dir vor Gott stehen. Die mit dir daraus leben, dass er uns trotz allem hält. Zu uns hält. Uns ins Du und ins Wir stellt. Und das reicht sogar über die Lebenden hinaus. Die Gemeinschaft derer, die trotz allem in Welt und Kirche mit Freude aus Gott leben. Mit Freude Hoffnung haben. Mit Freude darum im anderen Gott begegnen. Und sich freuen, wenn sie immer wieder entdecken: Diese Gemeinschaft ist größer als kirchliche und weltliche Grenzen.“ 

Begnadigte Sünderinnen und Sünder

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Hans Christian Brandy ist Landessuperintendent für den Sprengel Stade.  

Landessuperintendent Hans Christian Brandy, Sprengel Stade legt den Begriff ebenfalls aus: „ ‘Heilige’ sind nach dem Neuen Testament keine fehlerfreien Leute – natürlich nicht. Nicht nur einzelne Christenmenschen werden schuldig, auch die Kirche selbst hat im Lauf der Geschichte immer wieder große Schuld auf sich geladen. Wer in der Kirche aktiv ist, erlebt immer wieder, wie wenig ‘heilig’ da vieles vor sich geht. Und doch ist sie die ‘Gemeinschaft der Heiligen.’ Das sind eben keine untadeligen Menschen, sondern begnadigte Sünderinnen und Sünder. Die ‘Gemeinschaft der Heiligen’ lebt aus der Vergebung Gottes, denn allein sie macht heilig. Wer das ernst nimmt, lässt sich daran erinnern, das persönliche Leben und das Leben der Gemeinschaft verantwortlich zu gestalten. Als „Gemeinschaft der Heiligen“ wissen sich Christen eingebunden in eine weltweite, ökumenische Gemeinschaft, die wie ein inneres geistliches Band alle Christenmenschen vor Gott zusammenhält. Und schließlich: ‘Gemeinschaft der Heiligen’ – das ist für mich eine höchst tröstliche Verheißung: Auch wenn es manchmal allzu menschlich und ‘unheilig’ zugeht – wir leben doch in einer Gemeinschaft von Menschen, unter denen Gott gegenwärtig ist und mit denen er seine Kirche bauen will.“

Kein Einzelgängerchristentum

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Friedrich Weber ist Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. 

„Am letzten Wochenende durfte ich den neuen Prior des evangelischen Klosters Riechenberg bei Goslar in sein Amt einführen. Und da ist mir inmitten dieser großen Gemeinde ganz deutlich geworden: Es gibt kein Einzelgängerchristentum. In Riechenberg habe ich erlebt, wie Menschen um den Heiligen Geist bitten, damit er sie leite und zur Gemeinschaft werden lasse. Wo Menschen den Heiligen Geist empfangen, da schließt er sie zu einem Leib, dessen Haupt Christus ist, zusammen“, erzählt Braunschweigs Bischof Friedrich Weber: „Schon damals in Jerusalem war das so: ‘Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.’ (Apg. 2,42) Diese Gemeinschaft hat besondere Merkmale: Abendmahl, Taufe, Verkündigung und Gebet. Sie öffnet sich den Gaben Gottes und ist eine Gemeinschaft von Menschen, die noch nicht alles haben und wissen und auch nicht alles für sich haben wollen.. ‘Die Gemeinschaft der Heiligen’ ist für mich die Gemeinschaft von Menschen, die sich von Christus durch Wort und Sakrament zu einem neuen Leben berufen lässt, inmitten dieser Welt. Sie lebt in dieser Welt, denkt und handelt aber anders, als es üblich ist, sie betet. Und damit tritt sie für die Menschen in ihrer Welt ein und gewinnt aus dem Gebet die Kraft dazu. Gott sei Dank, es gibt sie die Heiligen, gleich nebenan.“

Einträchtig in der Liebe

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Ralf Meister ist Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Hannovers Landesbischof Ralf Meister sagt: „Für Martin Luther war die Übersetzung des lateinischen communio sanctorum mit ‘Gemeinschaft der Heiligen’ ungenügend. Damit hätten die, die „weder Lateinisch noch Deutsch gekonnt haben“ nichts anderes sagen wollen, als ‘eine heilige Gemeinde’, also ‘die christliche Kirche’. Es geht nicht um eine rätselhafte, mythisch-uralte Gemeinschaft, die angerufen wird, sondern um die Gliedschaft in der christlichen Kirche selbst. Die allerdings geschieht nicht durch eigenes Wollen und persönliche Anstrengungen, sondern zuerst durch den Heiligen Geist. Und unter diesem Geist sammeln sich Menschen, die das Wort von Christus gehört haben und in ihren Gaben miteinander verbunden bleiben; einträchtig in der Liebe, ohne ‘Rotten und Spaltung’. Mich stärkt in dieser Gemeinschaft, dass alle Menschen, die jemals unter dem Wort Christi standen, in der Geschichte Gottes verbunden sind. Es ist der Aufruf, seinen persönlichen Glauben nicht esoterisch und abgeschieden zu leben. Die Anrufung des Heiligen Geistes soll nicht als private Auszeichnung verstanden werden, sondern als Aufforderung, zu all den Menschen zu gehören, die von diesem Geist jemals angerufen worden sind. So leben wir in der ‘Gemeinschaft der Heiligen’ in der lebendigen Kirche Jesu Christi und erfüllen keinen privaten Sonderauftrag, sondern leben in starker Gemeinde unsere Weltverantwortung.

Keine Superhelden in Sachen Glaubensmut

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Detlef Klahr ist Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland.  

„‘Gemeinschaft der Heiligen’: Dazu gehörst du und auch ich“, sagt Ostfrieslands Landessuperintendent Detlef Klahr. „ Die kleinen und großen Glaubenskünstler, die mitten in ihrem ganz normalen Alltag an Christus glauben und ihr Leben nach ihm ausrichten. Das sind keine Superhelden in Sachen Glaubensmut mit Heiligenschein, sondern Menschen, die – mal mehr, mal weniger – den Erfahrungen des Lebens das ‘Dennoch des Glaubens ‘ entgegenhalten. Uns allen, die wir in diese Gemeinschaft der Glaubenden gehören, ist immer unendlich viel mehr verheißen, als wir selbst mit unserem Leben abbilden können. Die Gemeinschaft der Heiligen: Das sind die Beschenkten Gottes, Schwestern und Brüder zu allen Zeiten und über den Tod hinaus. Martin Luther hat es in seinem kleinen Katechismus 1529 so treffend erklärt: Nicht aus eigener Vernunft und Kraft gehören wir in diese Gemeinschaft, sondern der Heilige Geist hat uns dazu berufen ‘ ... gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt …’. Die Gemeinschaft der Heiligen weiß: Gottes Vergebung ist größer als die Sünde seiner Heiligen sein kann.“

Zusammenstellung: Redaktion der Evangelischen Zeitung

Das Glaubensbekenntnis im Wortlaut

Das apostolische Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

Auf dem Gemeindeschiff gibt es viele Besatzungsmitglieder. Aber wer hat eigentlich das Kommando? Wie kommt Fahrt in das Schiff? Und wo ist eigentlich der Heilige Geist?

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist,
heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt von Sturm bedroht
durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg,
so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich,
wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel?
Wird es nicht untergehn?
Bleibe bei uns, Herr!
Bleibe bei uns, Herr,
denn sonst sind wir allein
auf der Fahrt durch das Meer.
O bleibe bei uns, Herr.

Evangelisches Gesangbuch 612, Text und Musik: Martin Gotthard Schneider

Kirchenvorstände treffen sich am Wochenende

Zum Tag der Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher treffen sich am Wochenende Mitglieder der Kirchenvorstände in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers: Mehr über diesen Tag...

... in dem Forum bei "Wir sind evangelisch"

Gemeinde leiten

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Was ist Gemeinde?

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Abendmahl. Bild: epd-Bild

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