Loccum

Bild: Jens Schulze

Abt zu Loccum wird 80

Tagesthema 03. September 2013

Ununterbrochen aktiv - Der hannoversche Altbischof Horst Hirschler feiert Geburtstag

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Horst Hirschler. Bild: Jens Schulze

Die Begeisterung für die evangelische Kirche ist bei Horst Hirschler ungebrochen. Am 4. September feiert der Altbischof der hannoverschen Landeskirche seinen 80. Geburtstag, doch von einem traditionellen Ruhestand ist er weit entfernt. „Ich will es nicht Arbeit nennen, ich bin einfach ununterbrochen tätig“, beschreibt er sein vielfaches Engagement. Gerade ist er von einer 200 Kilometer langen Pilgerwanderung im Odergebiet zurückgekehrt. Zehn Tage war er mit Führungskräften aus der Wirtschaft zu Fuß unterwegs.

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Gemeinsam einziehen (von links nacht rechts): Generalabt Mauro-Giuseppe Lepori, Landesbischof Ralf Meister, Abt Horst Hirschler, Landtagspräsident Bernd Busemann. Bild: Dethard Hilbig

Viel länger mag der 64. Abt seinem Zisterzienserkloster Loccum auch nicht fernbleiben. Das Amt hat der evangelische Theologe vor 13 Jahren von seinem Vorgänger Eduard Lohse übernommen. Für Hirschler ist es die schönste Aufgabe, die er sich vorstellen kann: „Dieses wunderbare Kloster mit Leben zu füllen, das ist das Beste.“ Und das tut er mit all seinen Kräften. Mehr als 100.000 Besucher strömten in den vergangenen Monaten bereits in die sonst so stille ehemalige Abtei zwischen Weser und Steinhuder Meer, um deren 850-jähriges Bestehen zu feiern.

Hirschler habe die Planung für das Jubiläumsjahr mit mehr als 100 Veranstaltungen in „außerordentlicher Weise vorangetrieben“, sagt Landesbischof Ralf Meister: „Ohne seine Nähe zu diesem Ort, die er seit fast einem halben Jahrhundert pflegt und lebt, würde es ein solches Jubiläumsjahr nicht geben.“ Auch der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, lobt „die große Energie und Tatkraft“ des Jubilars.

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Landesbischof Horst Hirschler bei einer Veranstaltung der Stadtmission am Kröpcke in Hannover, 1991, Bild: Landeskirchliches Archiv

Diese Eigenschaften zeichnen Hirschler schon seit seiner Jugend aus. Der älteste von drei Brüdern ist kaum zehn Jahre alt, als sein Vater 1943 mit 36 Jahren an Lungenkrebs stirbt. Als Elfjähriger erlebt er im März 1945 den Bombenangriff auf Hildesheim, der die Stadt vernichtet. Den Anblick der verkohlten, zusammengeschrumpften Menschen vergisst er nie.

Schon mit 15 Jahren leitet der Heranwachsende die ersten Schülerbibelkreise. Doch bis zum Theologiestudium ist es noch ein weiter Weg. Weil seine Mutter das Schulgeld nicht aufbringen kann, absolviert er eine Elektriker-Lehre bei Bosch in Hildesheim und macht nebenbei das Abitur am Abendgymnasium.

Das Handwerkliche prägt ihn bis heute. Auch die biblische Botschaft will er stets konkret und praxisnah vermitteln. „Es geht darum, alte Bibel-Erkenntnisse mit dem Leben der Menschen zusammenzubringen - und zwar so, dass sie etwas zum Lachen, zum Staunen und zum Weinen haben“, erläutert er. Wichtigstes Handwerkszeug für den Pastorenberuf sei die Neugier: „Wer nicht neugierig auf Menschen ist, kann den Beruf fast seinlassen.“

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Landesbischof Horst Hirschler im Gespräch mit dem Osnabrücker Bischof Wilhelm Sievers, 1993

Diese Neugier hat den Vater von vier Söhnen immer angespornt: als Schüler- und Gemeindepastor, als Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars in Loccum, als Regionalbischof in Göttingen und schließlich von 1988 an als Landesbischof der größten evangelischen Landeskirche. Elf Jahre später ging Hirschler in den Ruhestand und reichte das Bischofskreuz 1999 an seine Nachfolgerin Margot Käßmann weiter. Bis dahin stand der überzeugte Lutheraner außerdem sechs Jahre an der Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Seit mehr als 50 Jahren prägt der glaubensstarke Unruheständler das Leben seiner Landeskirche nun schon unverdrossen - und gern auch eigenwillig - mit. Ein Aufhören kommt ihm nicht in den Sinn: „Ich habe genügend um die Ohren und bin nach wie vor vergnügt dabei.“

Von Ulrike Millhahn (epd)

Stationen

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Horst Hirschler hält als Abt des Klosters Loccum viel von der Zisterzienser-Tradition. Zu seinem Habit gehörten deshalb auch die Mitra und der Krummstab. Das Kloster war in diesem Jahr auch Ort des Jahrestreffens der evangelischen Zisterzienser-Erben. Bild: Jens Schulze  

Hirschler war von 1988 bis 1999 Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Von 1993 bis zu seinem Ruhestand war er außerdem Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Im Jahr 2000 übernahm der gebürtige Stuttgarter von seinem Vorgänger Eduard Lohse das Amt des Abtes in dem 1163 gegründeten Zisterzienser-Kloster. Damit verbunden ist auch die Mitgliedschaft in der hannoverschen Landessynode und der Vorsitz der Trägerversammlung der Brandkasse in der Versicherungsgruppe Hannover (VGH).

1992 wurde Hirschler mit der Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Leipzig und als Ehrensenator der Universität Göttingen ausgezeichnet. Das Land Niedersachsen ehrte ihn 2004 mit der Niedersächsischen Landesmedaille, der höchsten Auszeichnung des Bundeslandes.

Hirschler lernte in Hildesheim Elektriker, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur machte und Theologie studierte. Nach Stationen als Jugend- und Gemeindepastor wurde er 1970 Konventual-Studiendirektor am Predigerseminar Loccum und sieben Jahre später Regionalbischof im Sprengel Göttingen. Mit 66 Jahren trat er 1999 als Landesbischof in den Ruhestand, seine Nachfolgerin wurde Margot Käßmann.

Während seiner Zeit in der Landessynode von 1971 bis 1977 begründete Hirschler die kirchenreformerische „Gruppe Offene Kirche“ (GOK) mit. Als Abt schloss er sich der konservativeren Gruppierung „Lebendige Volkskirche“ (LVK) an. Von 1979 bis 1988 gehörte er der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an und von 1991 bis 1997 dem EKD-Rat. Von 1990 an war er außerdem sieben Jahre lang einer der Vizepräsidenten des Lutherischen Weltbundes.

epd

Mehr zum Geburtstag von Abt Horst Hirschler - Michael Eberstein, Chefredakteur der Evangelischen Zeitung erinnert sich...

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