2013_02_24

 Bild: Stephan Wallocha / epd-Bild

Nachbarkirche hat nun Landesbischof

Tagesthema 24. August 2013

Landesbischof Ulrich: Vielfalt stärken, Spannungen aushalten

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Gerhard Ulrich ist erster Landesbischof der Nordkirche. (Foto mit Ehefrau Cornelia nach der Wahl) ). Bild: Stephan Wallocha  / epd-Bild

Die Stärke der Nordkirche besteht nach Ansicht ihres Landesbischofs Gerhard Ulrich in der Vielfalt ihrer Kulturen. Die unterschiedlichen Geschichten und Realitäten zwischen Helgoland und der polnischen Grenze wolle er "nicht angleichen, sondern erhalten", sagte er anlässlich seiner Amtseinführung am Sonntag im Schweriner Dom in einem epd-Gespräch. "Dieser Vielfalt wollen wir Raum geben, weil dies eine Stärke des Protestantismus ist."

Das bischöfliche Amt habe "der Lehre und der Einheit zu dienen", so Ulrich weiter. Doch auch als Landesbischof verstehe er sich nicht als jemand, der hierarchisch handelt: "Ich bin Pastor, und als Pastor bin ich Bischof, und als Bischof bin ich Landesbischof." Nach protestantischem Verständnis wachse die Wahrheit nicht aus der Hierarchie, sondern im Dialog miteinander - über die Fragen des Glaubens und in der Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes.

Ulrich
Gerhard Ulrich, erster Landesbischof der "Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland" (Nordkirche), in seinem Arbeitszimmer in der Bischofskanzlei in Schwerin. Bild: epd-Bild  

Zu dieser Vielfalt gehören laut Ulrich auch die unterschiedlichen Positionen zum Thema Homosexualität in der Nordkirche. Der Bischofsrat werde sich damit intensiv befassen, kündigte er an. Doch auch hier habe er die "Vision, dass wir es schaffen, mit Spannungen zu leben". Man müsse vor allem auch die Frage stellen, was die Menschen bei diesem Thema eigentlich so sehr erschüttert. Der Sündenbegriff allein führe da nicht weiter. Er persönlich glaube, dass der Segen Gottes "viel größer ist als wir denken". Dies müsse theologisch diskutiert werden.

Die Nordkirche wirke mit an der Gestaltung einer Gesellschaft "mit menschlichem Antlitz". Dazu zähle auch die Friedensthematik. Die betreffe nicht nur, was sich derzeit in Syrien und Ägypten abspiele, sondern auch die Flüchtlinge, die in Europa hin- und her geschoben würden. Die "wunderbare Idee von Europa" entscheide sich nicht an der Rettung des Euro, sondern an der Flüchtlingsfrage.

Vier Bischöfe
Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich, der mecklenburgische Bischof Andreas von Maltzahn und der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit (von links nach rechts). Bilder: epd-Bild  

Über die Fülle seiner institutionellen Aufgaben sei er "selber manchmal erschrocken", bekannte Ulrich, der im Nebenamt auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist. Doch er habe "wunderbare Mitarbeiterinnen" Auch hier gebe es "eine große Spannbreite an Positionen". Ulrich: "Dazu sind wir ja Kirche, um die Spannung zwischen der Wirklichkeit der Welt und der Verheißung des Reiches Gottes miteinander ins Gespräch zu bringen - nicht um darüber abzustimmen, was richtig und wahr ist."

epd-Gespräch Carsten Splitt

Bischof Meister zur Amtseinführung von Landesbischof Ulrich

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Landesbischof Ralf Meister Bild: LVH/Jens Schulze

Als ehemaliger nordelbischer Pastor bin ich der Nordkirche und Landesbischof Gerhard Ulrich besonders verbunden. Ich habe ihn in seiner klugen und gemeinschaftsstiftenden Art als Predigerseminarsdirektor, als Propst, als Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein und als Leitender Bischof der VELKD erlebt. Er hat im Fusionsprozess der Nordkirche bereits gezeigt, dass für ihn das Bischofsamt ein Amt der Einheit und nicht der Einheitlichkeit ist. Ich schätze sein Bemühen um die Würdigung und Bewahrung der Vielgestaltigkeit unserer Kirche sehr und wünsche ihm von Herzen, dass er sich seinen Humor, seine glaubensgestärkte Gelassenheit und seine Freude am Predigen im Bischofsamt bewahren kann. 

Landesbischof Ralf Meister

Die Nordkirche

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Grafik: epd-Grafik

Die Nordkirche ist mit 2,231 Millionen Mitgliedern die fünftgrößte Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie wurde Pfingsten 2012 als Zusammenschluss der Nordelbischen Kirche, der Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Kirche gegründet und erstreckt sich damit von der dänischen bis an die polnische Grenze. Flächenmäßig ist sie nach Bayern die zweitgrößte Landeskirche. Die "Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland" war zugleich die erste Fusion von Landeskirchen der alten Bundesrepublik und der ehemaligen DDR.

Die Nordkirche gilt als Urlaubskirche: Ihre Küstenlinie an Nord- und Ostsee ist rund 850 Kilometer lang. Rechnet man Inseln und Halligen mit, kommt man auf rund 3.000 Kilometer Küste. Dazu kommen Touristenziele wie die Mecklenburgische Seenplatte, die Holsteinische Schweiz und die Metropole Hamburg.

Sichtbares Zeichen des Gemeindelebens sind die knapp 1.900 Kirchen und Kapellen. Davon stehen allein rund 1.100 in Mecklenburg-Vorpommern. In den 1.041 Kirchengemeinden arbeiten insgesamt 1.700 Pastorinnen und Pastoren (Stand: Ende Juli 2013) und fast 18.000 Hauptamtliche. Hinzukommen 59.000 Mitarbeiter der Diakonie sowie mehr als 83.000 Ehrenamtliche. Aufgeteilt ist die Nordkirche in 13 Kirchenkreise.

Laut offizieller Statistik des Landeskirchenamtes in Kiel gab es im vergangenen Jahr 18.935 Taufen, 22.403 Konfirmationen, 4.731 Trauungen und 23.464 Beerdigungen.

Neben Landesbischof Gerhard Ulrich in Schwerin gibt es derzeit drei Sprengelbischöfe: Kirsten Fehrs in Hamburg und Lübeck, Andreas von Maltzahn in Schwerin und Hans-Jürgen Abromeit in Greifswald. In Schleswig hat Gothart Magaard als Bischofsvertreter die Amtsgeschäfte von Bischof Gerhard Ulrich übernommen.

epd

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