2013_08_20

Bild: sonne fleckl - Fotolia.com

Luftdicht verpackt

Tagesthema 19. August 2013

150 Jahre alte Kirche wird vom Holzwurm befreit

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Die Schädlinge hatten sich im Dachstuhl und der Innenverkleidung der Kirche eingenistet. Deren Larven ernähren sich von Holz. Vor der Begasung werden noch die dort lebenden Fledermäuse umgesiedelt. Im Anschluss wird das Dach der Kirche erneuert. Bevor dann das Gerüst abgebaut wird, sollen nach Auskunft von Pastor Ingo Krahn die Fenster geputzt werden - erstmals seit 50 Jahren. Bild: epd / Detlev Heese

Mit einer rund 650.000 Euro teuren Aktion werden Holzschädlinge in der evangelischen Martinikirche in Melle-Buer bei Osnabrück bekämpft. Mitarbeiter einer Spezialfirma werden ab Freitag bis zu 15.000 Kubikmeter des Gases „Sulfuryldifluorid“ in das bereits mit Folie luftdicht abgeklebte 158 Jahre alte Gebäude leiten, sagte Pastor Ingo Krahn am Mittwoch dem epd. Am Sonntag würden sie es kontrolliert wieder entweichen lassen. Anschließend werde zudem das Dach der Kirche erneuert.

Bereits vor zwei Jahren seien Holzwurm und Hausbock im Dachstuhl und der Innenverkleidung der Kirche festgestellt worden, sagte Krahn. Die Larven dieser Schädlingen ernähren sich von Holz. Die vielfach übliche Bekämpfung mit Heißluft sei nicht infrage gekommen. Die Orgel hätte zu ihrem Schutz aus- und wieder eingebaut werden müssen. Die Kosten für diese Variante wären deutlich höher gewesen.

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Pastor Ingo Krahn (links) und der Juniorchef der Begasungsfirma, Marcus Römer, zeigen  das Kreuz der katholischen Nachbargemeinde. Es ist ebenso von Holzschädlingen zerfressen wie der Dachstuhl und die Innenverkleidung der evangelischen Martinikirche in Melle-Buer bei Osnabrück. Bild: epd / Detlef Heese

Gemeinsam mit der in Wilhelmshaven und Osnabrück ansässigen Spezialfirma Römer habe die Gemeinde über Wochen die Aktion vorbereitet. Die enge Bebauung um die Kirche und der sehr hohe Kirchraum seien eine besondere Herausforderung, erläuterte der stellvertretende Begasungsleiter Marcus Römer.

Die Anwohner seien bis ins Detail informiert worden. Die Gemeinde habe sie dann ermuntert, gegen eine Spende eigene, von Schädlingen befallene Möbelstücke zur Begasung in die Kirche zu stellen, sagte Pastor Krahn: „Jetzt haben wir hier Tische, Schränke, eine Treppe, einen Maibaum und aus der katholischen Nachbargemeinde sogar ein hölzernes Kreuz.“ Von den Spendengeldern sollten zum Ende der Aktion kurz vor dem Abbau des Gerüstes die Fenster der Kirche geputzt werden - erstmals seit 50 Jahren.

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Die 158 Jahre alte evangelische Martinikirche in Melle-Buer bei Osnabrück ist derzeit luftdicht in Folie verpackt. Die Spezialfirma Römer wird giftiges Gas in den Innenraum leiten. Damit sollen Holzwurm und Hausbock abgetötet werden. Bild: epd / Detlev Heese

Besondere Sorgfalt hat die Martinigemeinde nach den Worten des Pastors auf die Rettung der in der Kirche lebenden Fledermäuse verwendet. Das „Braune Mausohr“ stehe unter Artenschutz. Ein Biologe habe rund um die Kirche spezielle Kästen aufgehängt, in die die Tiere kurzzeitig umziehen sollten. Die Einflugklappen in die Kirche würden vor der Begasung und nach dem Ausflug der Fledermäuse verschlossen.

epd

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Ein von Holzschädlingen befallenes Kreuz in der Martinikirche in Melle-Buer. Es ist ebenso zerfressen wie der Dachstuhl und die Innenverkleidung der evangelischen Kirche bei Osnabrück.Bild: epd / Detlef Heese
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