Kyrie eleison

Abgebrannt. Bild: Dr. G. Seeber / KG Willehadi, Garbsen

Nach dem Brand

Tagesthema 15. August 2013

Stellungnahme von Landesbischofs Ralf Meister zum Brand der Evangelisch-lutherischen Willehadi-Kirche in Garbsen

Willehadi Christus nach dem Brand
Die Christusfigur aus der Willehadi-Kirche nach dem Brand. Bild: Dr. G. Seeber / Willehadi  

Ich bin erschüttert, dass ein von Menschen gelegter Brand die Evangelisch-lutherische Willehadi-Kirche in Garbsen zerstört hat. Den Schuldigen muss das Ausmaß ihrer Tat klar sein. Ihr gezielt gelegtes Feuer hat ein Gotteshaus zerstört, das für viele Menschen eine geistliche Heimat war. Im schlimmsten Fall hätte eine solche Brandstiftung Menschenleben gefährden können. Nun bedroht diese Tat den sozialen Frieden im Stadtteil. Der Zorn über diese mutwillige Zerstörung ist groß und berechtigt. Die Täter müssen ausfindig gemacht und bestraft werden.

Gleichzeitig bin ich jedoch erschrocken über die öffentliche vorurteilsbehaftete Zuordnung von Schuld und Täterschaft. Einer kategorischen Vorverurteilung von Menschen ohne jeden Beweis widerspreche ich entschieden. Die hannoversche Landeskirche sieht die Probleme dieses Stadtteils als wachsendem sozialen Brennpunkt und nimmt die Klagen der Bewohnerinnen und Bewohner von Garbsen ernst. Wir befürworten und unterstützen die Kirchengemeinde bei ihrem Bemühen um deeskalierende Lösungen und helfen beim Wiederaufbau. Doch wir halten daran fest: Christen und Christinnen ist aufgetragen, nicht zu richten.

Bei meinem Besuch und den Gesprächen in Garbsen habe ich neben der Zerstörung viel Ermutigendes gehört und gesehen. Der Zusammenhalt nach dem Brand ist groß. Und das nicht nur innerhalb der Gemeinde und des Stadtkirchenverbandes Hannover. Auch unsere katholische Schwesterkirche und die muslimische Gemeinde vor Ort schließen die Willehadi-Gemeinde in ihre Gebete ein und haben tatkräftige Hilfe angeboten. Dafür sind wir sehr dankbar und sehen es als ermutigendes Signal.

Hier entsteht aus einer tiefen Krise eine positive Kultur, die beispielhaft ist und die durch eine Brandstiftung nicht zerstört werden kann.
Ich hoffe sehr, dass diese Stärkung der Stadtteilgemeinschaft auch in den kommenden Monaten viele Bürgerinnen und Bürgern ermutigt, solidarisch und fair die vielfältige Kultur in Garbsen zu gestalten.

Landesbischof Ralf Meister

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