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Bild: epd-Bild / Norbert Neetz 

Israelsonntag

Tagesthema 03. August 2013

Am 10. Sonntag nach Trinitatis ist Israelsonntag – dieses Jahr am 4. August 2013

Zum Israelsonntag

Homepage Textentwurf (2013-07-19b)
Begegnung am Brunnen, 2013. Bild: David Freund

Fast ein Jahr ist es her, dass Rabbiner Daniel Alter in Gegenwart seiner kleinen Tochter in Berlin angepöbelt und zusammengeschlagen wurde. Er war als Jude erkennbar. Am 1. Juni wurde Rabbiner Mendel Gurewitz in Offenbach in einem Einkaufszentrum in ähnlicher Weise bedrängt.

Als er die Täter photographierte, kam Sicherheitspersonal des Einkaufszentrums und forderte ihn auf, die Aufnahmen zu löschen. Ein Polizist soll diese Aufforderung telefonisch gegenüber dem Rabbiner bestätigt haben. Viele Juden tragen in der Öffentlichkeit keine Kippa, zahlreiche Eltern fordern ihre Kinder auf, in der Schule die jüdische Identität nicht zu offenbaren.

An diesem Sonntag ist Israelsonntag. Er erinnert uns auch daran: Antisemitismus ist immer noch Bestandteil unserer Gesellschaft. Ihn zu bekämpfen eine alltägliche gemeinsame Aufgabe: Wir müssen Prägungen und Vorurteile aufdecken, die ihn ermöglichen. Wir müssen das Bewusstsein für die tiefe Verwurzelung des Judentums in der europäischen Kultur stärken, Menschen jüdischen Glaubens schützen und die Aufmerksamkeit für ihre religiöse Identität schärfen.

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Als Christinnen und Christen sind wir dabei in besonderer Weise in der Pflicht. Die Mehrheit der Mitgliedskirchen in der EKD hat den Bezug auf das Judentum in ihre Verfassung eingefügt. „Zeugnis, Mission und Dienst erfolgen in Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen und im Bekennen der Treue Gottes zum jüdischen Volk“, soll künftig auch in der Verfassung der hannoverschen Landeskirche festgehalten werden, wenn die Synode im Herbst den bisherigen Beratungen folgt und die Verfassungsänderung beschließt. „Angesichts der schuldhaften Verfehlungen der Kirche gegenüber Juden und dem Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung“, heißt es weiter im Entwurf für den geänderten Verfassungstext.

Das ist nicht allein eine historische Aufgabe, sondern tagesaktuell. Unter Kirchenmitgliedern ist Antisemitismus nicht weniger verbreitet als in der Gesellschaft insgesamt. Es muss selbstverständlich werden, dass antisemitische Haltungen keinen Grund und Nährboden in der Kirche finden und wir uns solidarisch an die Seite von Jüdinnen und Juden stellen, wo immer sie verleumdet oder bedroht werden.

Ralf Meister, Landesbischof in Hannover, aus: Evangelische Zeitung

Andacht zum Israelsonntag

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Wilhelm Niedernolte. Bild: Evangelische Zeitung

„Die Frau aus Samarien spricht zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.“

(Aus Johannes 4, 19 – 26 )

Gott steht in Treue zu seinem Volk Israel. So wie Juden und Samariter zur Zeit Jesu in der „Anbetung des Vaters“ übereinstimmten, so verbinden Juden und Christen der Glaube an den einen Gott, die barmherzige Begegnung mit anderen Menschen und die Hoffnung auf Gottes Zukunft, meint Wilhelm Niedernolte in seiner Andacht zum Isarelsonntag.

Zur Andacht in der Evangelischen Zeitung