Sommer hat viele Gesichter

Tagesthema 02. August 2013

Regionalbischof Rathing arbeitet als Praktikant auf dem Campingplatz

Er hat Hecken geschnitten, ab vier Uhr morgens Toiletten geputzt und will noch mit Kindern T-Shirts bemalen. Der Lüneburger Regionalbischof Dieter Rathing ist eine Woche lang Praktikant auf dem „Südseecamp“ im Heideort Wietzendorf. „Mir geht es darum, Einblicke in die Arbeitswelt zu bekommen“, sagte Rathing am Donnerstag. Es ist bereits das zweite Betriebspraktikum, das der leitende Theologe des evangelischen Kirchensprengels Lüneburg macht. Im vergangenen Jahr war er in einer diakonischen Werkstatt tätig.

Rathing lobte das Engagement seiner Kollegen auf Zeit. „Die Arbeit hier ist eine besondere Herausforderung“, sagte er. „Im Gegenüber mit den Gästen ist immer Rücksicht gefordert. Die Erwartung der Menschen im Urlaub ist besonders hoch.“ Die Atmosphäre sei dabei immer freundlich.

Der Regionalbischof selbst bekam auch ein gutes Zeugnis. „Er hat das super gemacht“, lobte Jenny Koschmann vom Reinigungsdienst, mit der Rathing am Donnerstag sieben Stunden lang Waschräume geputzt hat. „Es ist schön, wenn er einen Einblick bekommt. Ich wünschte mir, dass öfter Leute sehen, dass das auch keine leichte Arbeit ist.“

Rathing sagte, mit rund 5.000 Gästen auf dem Platz und bis zu 180 Mitarbeitern sei das „Südseecamp“ wie ein kleines Dorf. Auch die Kirche dürfe dort nicht fehlen. Der Platz mit 400.000 Übernachtungen im Jahr ist ein Schwerpunkt der Urlauberseelsorge in der hannoverschen Landeskirche, die in diesem Sommer an zehn Orten in Niedersachsen vertreten ist. Seit mehr als 40 Jahren bauen die Urlauberseelsorger Wohnwagen und Zelte in dem Camping- und Bungalowpark bei Soltau auf.

Der evangelische Diakon Bernd Knobloch und sein Team locken oft bis zu 200 Gäste am Tag in das Kirchenzelt. Im Urlaub seien die Menschen besonders aufgeschlossen für die Angebote, sagte Südseecamp-Geschäftsführerin Liesel Thiele. „Es gibt hier keine Hemmschwelle.“ Für den Platz habe die Urlauberseelsorge eine große Bedeutung: „Viele Gäste kommen auch deswegen her.“

epd

Und am Wochenende:
Protest gegen Naziaufmarsch

Am Wochenende treffen sich die Ewig-Gestrigen mit brauner und menschenverachtender politischer Grundeinstellung - wieder einmal - in Bad Nenndorf. Die demokratischen Bürger von Bad Nenndorf protestieren gegen die Neonazis in ihrer Stadt mit der Botschaft: „Bad Nenndorf ist bunt“. An einem der heißesten Tage dieses Jahres stehen sich Neonazis und Gegendemonstranten gegenüber - und die Polizei dazwischen. Doch auf den Protest kann nicht verzichtet werden - und die Bad Nenndorfer lassen sich auch immer wieder Überraschendes einfallen. Vor einigen Jahren haben sie zur „Begrüßung“ der braunen Horden das Lied der blauen Schlümpfe gesungen: „Sag mal, wo kommt ihr denn her?“.

In diesem Jahr hat die evangelische Jugend mit einem Video dazu aufgerufen, zu demonstrieren: „Sich in Bad Nenndorf zu engagieren, ist eigentlich eine Pflicht für jeden Demokraten“, sagt Superintendent Andreas Kühne-Glaser vom Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg. Für die freiheitliche Grundordnung im Staat müssten die Bürger immer wieder kämpfen und Flagge zeigen, weil sie sich nicht von selbst verstehe.

Kirche in Garbsen abgebrannt

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Abgebrannt. Die Willehadi-Kirche in Garbsen bei Hannover. Bild: Michael Eberstein / Evangelische Zeitung

Einen Schaden in Millionenhöhe hat ein Brand im Willehadi-Gemeindezentrum im Garbsener Stadtteil Auf der Horst verursacht. Der Brand zerstörte das ohnehin zum Abriss vorgesehene Gemeindehaus, griff aber auch auf die Kirche über. Ob sie erhalten werden kann, war bis Redaktionsschluss nicht klar.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt...“ zitiert mit bewegter Stimme Renate Muckelberg die Jahreslosung. Die Pastorin war in der Nacht zum Dienstag gegen 1 Uhr von der Polizei in ihrem Pfarrhaus geweckt worden. „Gottseidank haben die Feuerwehren Schlimmeres verhindert“, bedankt sich die Pastorin bei den 140 Helfern von fünf Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehr Hannover, die fast acht Stunden lag das Feuer bekämpften.

Der ausführliche Bericht von Michael Eberstein in der Evangelischen Zeitung

Gottesdienste am Sonntag

Nach dem verheerenden Brand in der evangelischen Willehadi-Kirche in Garbsen bei Hannover lädt die evangelische Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann zu einem Trauer- und Gedenkgottesdienst ein. Die Veranstaltung an diesem Sonntag (4. August) steht unter dem Motto „... bis ans Ende der Welt“, teilte der Kirchensprengel Hannover am Donnerstag mit. Dabei handele es sich um den Titel eines Bildes, das den Flammen zum Opfer fiel. Der Gottesdienst beginnt am um 12 Uhr in der katholischen Kirche St. Raphael.